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Tour de France 99
Das große Aufräumen der Tour-Organisatoren
TVM erhält keine Einladung - Virenque, Saiz "nicht willkommen"
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16.06.99 - Die Organisatoren der Tour de France haben ihre Ankündigungen wahrgemacht
und bei den Einladungen zur 86. grand boucle vor allem auf das "ethische Verhalten"
der Teams, Fahrer und Sportdirektoren geachtet, ohne Rücksicht darauf, daß
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eine Tour ohne Stars droht. Ex-Festina-Kapitän Richard Virenque (Polti), der im
letzten Jahr im Zentrum des Dopingskandals stand, ONCE-Sportdirektor Manolo Saiz, der nicht erst
in letzter Zeit durch zweifelhafte Äußerungen zum Thema Doping Schlagzeilen machte,
sowie der gesamte TVM-Rennstall, der ebenfalls in den Tourskandal letzten Jahres verwickelt
war, werden nicht an der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt teilnehmen dürfen.
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"Der Fahrer Richard Virenque ist nicht willkommen bei der diesjährigen Tour de France",
erklärte Tour- Organisations- Chef Jean-Marie Leblanc bei der im französischen Fernsehen
live übertragenen Pressekonferenz am Mittwoch morgen in Paris.
Mit derselben Formulierung wurde ONCE-Teamchef Manolo Saiz ausgeladen, der pikanterweise auch Präsident
der internationalen Assoziation der Sportgruppen ist. "Nicht willkommen" sind bei
der Tour 99 auch die französischen Profis Laurent Roux (Casino) und Phillippe Gaumont (Cofidis),
die beide tief in Dopingskandale verwickelt sind, sowie der spanische ONCE-Teamarzt Dr. Nicolas Terrados,
gegen den im Rahmen des Strafverfahrens in der "Festina-Affäre" noch ermittelt wird.
Die Organisatoren der Tour wiesen darauf hin, daß sie ausschließlich aufgrund
des ethischen Verhaltens im Zusammenhang mit Doping entschieden hätten. Die Spielregeln
seien, so Jean-Marie Leblanc, bereits im November letzten Jahres bei der Präsentation
der Tour 99
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Die 20 eingeladenen Teams
*Casino (Fra)
*Cofidis (Fra)
Festina (Fra)
Credit Agricole (Fra)
La Francaise des Jeux (Fra)
Big Mat (Fra)
Mercatone Uno (Ita)
Mapei (Ita)
*Polti (Ita)
Saeco (Ita)
Vini Caldirola (Ita)
Lampre (Ita)
*ONCE (Esp)
Banesto (Esp)
Kelme (Esp)
Vitalicio (Esp)
Rabobank (Ned)
Telekom (Ger)
Lotto (Bel)
US Postal (USA)
Ersatz-Teams:
Cantina Tollo (Ita)
Jack & Jones (Den)
Mobilvetta (Ita)
Ausgeschlossen:
TVM (Ned)
*) Die Profis Richard
Virenque (Polti), Laurent
Roux (Casino) und Philippe
Gaumont (Cofidis) sowie der
ONCE-Sportdirektor Manolo
Saiz sind bei der Tour
"nicht willkommen".
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festgelegt worden. "Jeder Rennfahrer und jedes Team, das das Image und den Ruf der Tour
de France insbesondere aufgrund von Doping gefährden" würde von der Tour ausgeschlossen,
hieß es. Das gelte auch weiterhin bis zum Start der Tour am 3. Juli in Le-Puy du Fou.
"Es ist sehr bedauerlich, daß es soweit kommen musste", erklärte Jean-Claude Killy,
der Präsident der Société du Tour de France. Killy sagte, man habe alle
Möglichkeiten in Erwägung gezogen, sogar die, die
Tour de France für ein Jahr auszusetzen. "Das wäre aber eine Resignation gewesen", so Killy.
"Man hätte die Rennfahrer bestraft, die sich an die Regeln halten, die Zuschauer und
Fernsehzuschauer und die Tour de France selbst."
Tourdirektor Leblanc wies Vorwürfe zurück, wonach etwa für Richard Virenque,
der niemals Doping zugegeben hat und keine Sperre erhalten hatte, die Unschuldsvermutung
gelten müsse. "Die Organisatoren der Tour laden ein, wen sie wollen", so Leblanc.
"Seit letzten Juli steht der Name Richard Virenque für Doping und das schlechte Image des Radsports.
Ob er dafür verantworlich ist oder nicht, können und wollen wir nicht beurteilen. Es
ist jedoch offensichtlich, daß seine Gegenwart nicht mit dem Image nd dem Ruf der Tour,
wie wir sie herstellen wollen, vereinbar ist."
Nicht ohne Ironie ist es, daß das Festina, das ehemalige Virenque-Team, das nach dem Skandal letzten Jahres
einen Neuanfang machte, eingeladen wurde.
Die Tour de France 1999 beginnt am 3. Juli in Puy du Fou in der Vendée. Zu Ende
geht die Rundfahrt drei Wochen später in Paris.
Reaktionen auf die Einladungen zur Tour de France
Banesto-Chef: "Ich hoffe, die Tour wird ruhiger als letztes Jahr"
16.06.99 -
Reaktionen und Stimmen zu den Entscheidungen der Tour-Organisatoren:
Juan Fernandez (Sportdirektor von Festina):
"Man sollte nicht die Konfrontation suchen. Wir werden die Tour fahren.
Die Teams, die eingeladen wurden, müssen auch teilnehmen. Der Ausschluß
von ONCE-Sportdirektor Manolo Saiz und dem ONCE-Arzt widerspricht der Vereinbarung,
die die Top-Teams der Weltrangliste getroffen haben, aber wir werden nicht die Konfrontation suchen.
Bei der letzten Sitzung der AIGCP (der Vereinigung der Profi-Sportgruppen, die Red.)
wurde unter Vorsitz von Manolo Saiz beschlossen, daß es nötig ist,
an der Tour teilzunehmen, auch wenn es Ausschlüsse einzelner Teams geben sollte.
Wir wußten, daß etwas passieren würde."
Cees Priem (Sportdirektor von TVM):
"Anfang April hatte ich ein konstruktives Treffen mit Jean-Marie Leblanc.
Ich habe nicht erwartet, daß unser Team nicht zugelassen wird zur Tour.
Ich bin sehr enttäuscht, aber es gibt Schlimmeres... Wir werden uns nun
auf die Herbst-Klassiker, die Vuelta und natürlich auf die WM konzentrieren."
Hein Verbruggen (Präsident des internationalen Radsport-Verbands UCI):
"Ich verstehe die Entscheidung der Organisatoren vollkommen, nachdem was letztes Jahr
passiert ist. Aber ich bedauere es, daß es jetzt wieder zu juristischen Auseinandersetzungen
kommen wird. Ich kritisiere die Entscheidung nicht. Die Tour de France ist
nicht Teil des Weltcups (der dem UCI-Reglement unterliegt, die Red.)
und die Société ist ein privates Unternehmen, das das Recht hat,
diese Entscheidungen zu treffen. Aber ich bedauere es trotzdem, denn man wird
weiterhin über alles reden, außer über den Sport."
Laurent Jalabert (Rennfahrer von ONCE):
"Wenn Manolo Saiz nicht kommt, komme ich auch nicht, denn ich stand immer hinter ihm,
auch bei unserem Rückzug im letzten Jahr. Ich will zwar immer die Tour de France
fahren, wenn sie in meine Pläne passt, aber in diesem Jahr habe ich es sowie nicht
geplant, die Tour zu fahren. Was Richard (Virenque) angeht: er verdient es nicht, ausgeschlossen zu werden.
Franco Polti (Besitzer des Rennstalls Polti):
"Ich weiß nicht, welche Motive hinter der Entscheidung (Virenque auszuschließen)
standen. Aber meiner Meinung nach ist es gefährlich für den Radsport.
Wir werden überlegen, ob wir die Tour de France bestreiten. Man kann nicht
ja zu einem Team sagen und nein zu einem bestimmten Rennfahrer.
Richard Virenque auszuschließen löst das Problem des Dopings nicht."
Eusebio Unzue (Sportdirektor von Banesto):
"Als Kollege on Manolo Saiz würde ich es begrüßen, wenn er an der Startlinie
erscheint. Ich bin besorgt, denn was passiert, ist nicht angenehm.
Aus verschiedenen Gründen werden wir uns aus diesem Streit heraushalten, auch wenn wir alle daran arbeiten,
die Probleme zu lösen. Ich hoffe, die Tour wird ruhiger als letztes Jahr."
Pablo Anton (Manager des ONCE-Rennstalls):
"Es gibt keine Grundlage für die Entscheidung Manolo Saiz und
Nicolas Terrados von der Tour auszuschließen. Dementsprechend werden unsere
Anwälte die Argumente der Organisatoren prüfen und wir werden entsprechende
Maßnahmen treffen."
Nicolas Terrados (ONCE-Teamarzt, der von den Tour-Organisatoren ausgeschlossen wurde,
im spanischen Fernsehen): "Ich kann ohne weiteres nach Frankreich reisen. Und wenn
das Team mich bitten würde, als Arzt mitzukommen, glaube ich, könnte man mich
juristisch nicht daran hindern."
Manuel Perez (Präsident des spanischen Radsport-Verbandes):
"Ich bedauere zutiefst, daß man Manolo Saiz so herausfordert. Diese Entscheidung
wird unglüchlicherweise Auswirkungen haben für ein Team, das keinen
schwarzen Fleck in seiner Geschichte hat und auch für eine angesehene
Organisation wie ONCE. Es ist eine voreingenommene und eigensinnige Entscheidung."
Bernard Collaux (Stadtrat des Tour-Etappenorts Metz): "Die Zurückweisung
von Richard Virenque bedeutet, daß ein großer Rennfahrer nicht dabei sein
wird. Aber die Tour darf es nicht erlauben, daß Leute zugelassen werden, die
unter Verhör stehen. Die Tour bleibt das größte Rennen der Welt
und ich denke, die Zuschauer werden wieder kommen. Und es wird andere, junge Rennfahrer geben,
wie Alexandre Vinokourov (der kasachische Casino-Profi, der das Critérium Dauphiné gewann,
die Red.). Die Tour muß leben."
Tour de France - Übersicht
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