17.07.99 -
Der Arzt von Tour de France-Spitzenreiter Lance Armstrong hat am Samstag
Gerüchten widersprochen, wonach die Leistungen von Armstrong damit zu tun haben könnten, daß er
im Sport verbotene Mittel genommen habe, um seine Genesung von der Krebserkrankung zu beschleunigen.
Der Krebsspezialist Dr. Lawrence Einhorn sagte gegenüber der französischen Tageszeitung
Le Monde, der amerikanische Radstar erhalte "keine medizinische Behandlung"
mehr im Zusammenhang mit der Krebserkrankung und werde nur noch beobachtet.
Einhorn, ein Krebsspezialist von der Universität von Indiana (USA),
trat Gerüchten entgegen, Armstrong, der 1996 an Krebs erkrankt war, bekomme
Interleukin, ein Medikament, mit dem Krebspatienten nach der Heilung
der akuten Erkrankung langfristig behandelt werden.
"Interleukin ist in hohem Maße toxisch und ich kann Ihnen 100 Prozent
garantieren, daß Lance Armstrong derartige Medikamente nicht nimmt",
so Einhorn. "Seit seiner Heilung hat er keine medikamentöse Behandlung mehr erhalten."
Seit er die Tour de France dominiert, sind immer wieder Stimmen laut geworden, die hinter
Armstrongs Leistung Doping vermuten. Der in den französischen Medien
als "Monsieur Clean" geltende ehemalige Festina-Profi Christophe Bassons (FdJ),
der inzwischen demoralisiert die Tour aufgegeben hat,
hatte in einem Tour-Tagebuch in einer Pariser Tageszeitung geschrieben,
er empfände "wie viele andere Rennfahrer Armstrongs Demonstration als widerwärtig".
Dr. Einhorn sagte, Armstrong müsse "nur alle sechs Monate
radiologisch untersucht werden und sich Bluttests unterziehen, weil,
auch wenn er zu 98 Prozent wiederhergestellt aus der Affaire herausging,
traurigerweise das Risiko eines Rückfalls besteht. Er befolgt
den normalen Beobachtungsprozess nach einer Krebserkrankung."
Der Mediziner sagte, er glaube nicht, daß Armstrong jemals Doping nehmen würde:
"Wie ich auch, ist er ein glühender Befürworter des Kampfes gegen Doping.
Ich kann Ihnen versicherm daß er nur Vitamine nimmt."
Von Armstrongs Comeback sei er nicht sonderlich überrascht, so Einhorn:
"Während seiner Krankheit vor zweieinhalb Jahren hat sich Lance Armstrong
vier jeweils fünftägigen Chemotherapien unterziehen müssen und
seine Überlebenschancen waren bei 50 Prozent. Aber er hat niemals aufgehört
zu trainieren. Manchmal fuhr er 50 bis 60 Kilometer am Tag auf dem Rad."