14.07.99 - In der
amerikanischen Presse fand Lance Armstrongs Dominanz bei der 86. Tour de France, drei Jahre
nachdem er an Krebs erkrankte, ein großes Echo. Die Medien feierten
den Texaner, der als zweiter Amerikaner die Tour gewinnen könnte und
die New York Times freute sich über eine inspirierende "feel-good story".
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"Nicht nur daß Armstrong - ein erklärter Gegner des Gebrauchs von
leistungssteigernden Medikamenten im Sport - der Tour ein nachhaltiges positives
Image gegeben hat, er hat auch eine inspirierende feel-good story geliefert",
schrieb die angesehene New York Times am Mittwoch, am Tag nachdem
Armstrong bei der ersten Bergetappe sein Gelbes Trikot so eindrucksvoll verteidigt hatte.
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Die Los Angeles Times schrieb: "Mit einer Heldentat, die einigen französischen
Kommentatoren geradezu anstrengungslos erschien, scheint der Gesamtsieg
beim prestigevollsten Radrennen möglich zu werden für den Texaner."
USA Today verglich Armstrongs Leistung in den Bergen mit Hannibals
versuchter Alpenüberquerung zu Zeiten des Alten Roms.
"Am Dienstag hat Lance Armstrong aus Texas seinen Angriff auf die Alpen begonnen.
Hannibals Trachten scheiterte am Ende, aber Armstrong scheint auf dem Weg zu einem besseren Ergebnis:
Ein Tour de France - Sieg", so das Blatt. Und weiter: "Von einer Verletzung abgesehen
ist der 27 Jahre alte ehemalige Weltmeister auf dem Weg, als zweiter Amerikaner das
größte Radrennen zu gewinnen."
Die New York Daily News sehen in Lance Armstrongs Leistung bei der
Tour das "erstaunlichste Comeback in der Geschichte des Sports (...)
und wenn auch die meisten Amerikaner seinen Namen nicht kennen und
nicht wissen, was es bedeutet, das Gelbe Trikot zu tragen, ist das nicht schlimm".
New York Daily News unterstrich, daß Armstrong im Gegensatz
zu Greg Lemond 1990 nicht in einem europäischen, sondern in einem amerikanischen Team fährt.
"Es ist so, als ob eine französische Mannschaft den Super Bowl gewinnt", zitierte
das Blatt den US Postal-Teammanager Mark Gorski.
Im Hinblick auf den Gewinn der Fußball-Frauen-WM des amerikanischen Teams
am vergangenen Sonntag freuten sich die Daily News: "Jeden Tag entdecken die
Amerikaner, daß sie neue Muskeln haben. Unsere Frauen können Fußball
spielen und unsere Radsportler können mithalten mit Franzosen, Italienern und Spaniern."
Während auch die italienische und spanische Presse Armstrong
überwiegend feierte, war die Presse in der Radsport-Nation Belgien
nicht sehr enthusiastisch. "(Armstrong) gewann die ersten beiden Zeitfahren
und ist so dominierend wie Ullrich vor zwei Jahren oder wie Riis, den sie
vor drei Jahren 'Monsieur 60%' nannten. Das sind die Vergleiche, die
man gerne vermeiden würde, aber nicht vermeiden kann", so
der Brüsseler Le Soir.
Im Leitartikel von Libre Belgique hieß es:
"Aber es ist fast zu schön, um wahr zu sein. Zuviel Hollywood,
dieser Wonder Boy, dieser Superman, dieser arme einsame Cowboy, der
von weit her kommt und bei der Tour vom Start weg zuschlägt."