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Tour de France: 17.Etappe
Der Telekom-Express fährt wieder mit Volldampf am Ziel vorbei - Steels holt Etappe Nr. 3

  22.07.99 - Der Belgier Tom Steels (Mapei) gewann am Donnerstag die 17. Etappe der Tour de France über 200km zwischen Mourenx und Bordeaux, der "Stadt der Sprinter", wo die grand boucle nunmehr bereits zum 77. Mal Station machte in ihrer 96-jährigen Geschichte. Erik Zabel (Telekom), dessen Mannschaft das Rennen im Finale vollkommen kontrolliert hatte, mußte sich am Ende mit wieder mit einem "Ehrenplatz"
begnügen, er wurde Dritter hinter Robbie McEwen (Rabobank), baute aber dennoch seine Führung in der Punktewertung aus, nachdem sein schärfster Rivale, Stuart O'Grady (Credit Agricole), 1,5km vor dem Ziel in einen Sturz verwickelt war und nicht punkten konnte. Im Gesamtklassement verteidigte der Amerikaner Lance Armstrong (US Postal) seine Spitzenposition bei der Flachetappe ohne Mühe.

Das Sprintfinale auf dem 350 Meter langen und 10 Meter breiten Boulevard am Ufer der Gironde war äußerst spannend. Auf den letzten Kilometern bis wenige hundert Meter vor dem Ziel sah man an der Spitze des Rennens nur die Farbe magenta, - oder vielleicht auch rosa, wenn man der neuesten Werbung von Telekom mit dem "rosaroten Panther" folgt.

Doch auf der Zielgeraden erwiesen sich Telekoms Mühen wieder einmal als Sysyphos-Arbeit. Erik Zabel hatte keinerlei Chance auf einen dritten Sieg in Bordeaux, wo er 1995 und 1997 triumphiert hatte und verlor deutlich gegen Steels, der sich zwischen den Telekoms im Finale hindurchmogelte und auf den letzten Metern die nötige Explosivität zeigte. McEwen ging am Schluß am bis zuletzt verbissen kämpfenden Zabel auch noch vorbei.

"10 Kilometer vor dem Ziel hat unsere Mannschaft die Initiative ergriffen. Ich wußte, daß hier Gegenwind ist auf der Zielgeraden und ich wollte eigentlich den Sprint nicht von vorn fahren, aber als Wesemann dann irgendwann vorne raus ist, mußte ich dann irgendwann nach vorn. Und dann habe ich dem Steels super den Sprint angefahren", kommentierte Zabel sarkastisch seinen erneut völlig verkorksten Sprint. "Steels war einfach explosiver und im Kampf Mann gegen Mann hatte ich nichts dagegenzusetzen."

Bei Steels hingegen stimmte das Timing genau - im Gegensatz zu dem Deutschen, der zwar bis 1.000 Meter vor dem Ziel von seiner Mannschaft wirklich optimal beschützt wird, dem aber der Mann für den letzten Kilometer schmerzlich fehlt.

"Es ist ein großartiges Gefühl, diese Etappe zu holen. Aber mein Team verdient ein riesiges Dankeschön für die Hilfe", freute sich Steels, der bereits seinen dritten Etappensieg bei der diesjährigen Tour holte. Der 27-jährige Belgier war sogar

Am Rande

  Klare Worte "Meiner Meinung nach ist Bassons ein Weichei", so der für seine direkte Art bekannte Jens Voigt in einem Interview mit der FAZ über den ausgestiegenen FdJ-Profi Christophe Bassons, der seinen Kollegen Doping vorgeworfen und dann den "Druck" des Pelotons nicht mehr ausgehalten hatte. Auf die Frage, ob er dope, erwiderte Voigt dem Journalisten der FAZ: "Hinterziehen Sie Steuern? Welche Sexualpraktiken bevorzugen Sie? Was ist denn das für eine Frage!"

  Trauerfall Der russische Mapei-Profi Pavel Tonkov stieg am Donnerstag aus dem Renen aus, nachdem der 30-jährige die Nachricht vom Tode seines Vaters erhielt.

  Demonstration Die 17. Etappe musste wegen einer Demonstration von einigen Dutzend Feuerwehr- Leuten, die für die 35-Stundenwoche protestierten, nach vier Kilometern neu gestartet werden. Die Feuerwehrmänner blockierten die Straße, gaben jedoch nach kurzer Diskussion mit Tourdirektor Jean-Marie Leblanc den Weg wieder frei.

  Philosophische Frage Nur zwei Teams haben auch nach den Pyrenäen immer noch alle neun Rennfahrer dabei: Telekom und Lotto. Telekom-Sportdirektor Walter Godefroot, einst selbst einer der besten Sprinter, zeigte sich darüber besonders stolz und zog über die Haltung von Mario Cipollini und einigen anderen Sprintern, die vor den Bergen aussteigen, her: "Das ist warum ich nicht interessiert bin an Cipollini. Es ist einfach nicht meine Philosophie und auch nicht die meines Sponsors."

vier Mal als Erster über die Ziellinie gefahren, jedoch bei der sechsten Etappe wegen irregulärem Sprint disqualifiziert worden.

In der Punktewertung um das Grüne Trikot hingegen bleibt Erik Zabel, der den begehrten Stoff bereits drei Mal nach Paris brachte, das Maß aller Dinge. Drei Tage vor dem Ende der Tour führt Zabel die Wertung mit 40 Punkten vor Stuart O'Grady an. Der Australier war am Donnerstag gut 1,5km vor dem Ziel gestürzt und dadurch abgeschlagen als 137. in Bordeaux über die Ziellinie gefahren. "Stuart tut mir natürlich leid, aber ich hatte dieses Pech (in Thionville bei der 7. Etappe) auch schon. Insofern ist das wieder ausgeglichen", so Erik Zabel.

Tom Steels

Geb. 2. September 1971 in Saint-Gillis-Waas (Bel).
1,79 m, 73 kg
Verheiratet mit Leen

Profi seit 1994
Teams: Vlaanderen 2002 (94-95), Mapei (seit 96)

Größte Erfolge: Belgischer Meister 1997 und 1998, Gent-Wevelgem 1996 und 1999, Het Volk 1996, GP Rik Van Steenbergen 1995, Quer durch Belgien 1998, 7 Etappen der Tour de France (4/1998, 3/1999), 2 Etappen Vuelta a España (1996), 7 Etappen Paris-Nizza

Die Etappe, die auf langgezogenen Straßen durch die ausgedehnten Wälder des Departments Landes führte, war von der Flucht einer achtköpfigen Gruppe geprägt worden. Die Franzosen Stéphane Heulot (FdJ) und Carlos Da Cruz (Big Mat), der Italiener Sergio Barbero (Mercatone Uno), der Deutsche Udo Bölts (Telekom), der Australier Henk Vogels (Credit Agricole), der Belgier Fabien De Waele (Lotto), der Schweizer Rolf Huser (Festina) und der Spanier Alvaro Gonzalez Galdeano (Vitalicio) setzten sich nach 45 Kilometern vomn Feld ab.

Auf den schnurgeraden Straßen nach Norden Richtung Bordeaux kam die Gruppe auf einen Vorsprung von fast acht Minuten (KM 100), bevor im

Feld, in dem die Teams Mapei, Cantina Tollo, Polti und Rabobank arbeiteten, Tempo gemacht wurde und der Vorsprung zu schmelzen begann. Huser und Da Cruz waren die letzten, die von der Fluchtgruppe am Ende übrig blieben, aber 14km vor dem Ziel war es auch um sie geschehen und das Feld näherte sich geschlossen dem Zielort.

Telekom setzte sich in der Folge an die Spitze des Pelotons, wobei insbesondere auch Udo Bölts, der zuvor in der Fluchtgruppe war, viel arbeitete.

1.500 Meter vor dem Ziel touchierte der Australier Stuart O' Grady das Hinterrad seines Vordermannes und stürzte schwer bei Tempo 60km/h. "Stu" hatte jedoch Glück im Unglück und konnte das Rennen fortsetzen. Zwei Minuten nach dem Tagessieger kam er ins Ziel.

Kurz nach dem Start in Mourenx am mittag mußte das Rennen kurzzeitig neutralisiert werden, nachdem Feuerwehrmänner die Straße versperrten, um für bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Nach kurzer Diskussion mit Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc räumten die Männer die Straße und die Etappe, die dadurch auf 199km verkürzt wurde, konnte fortgesetzt werden.

Der erneute Tagessieger Tom Steels ist drauf und dran, seine Leistung aus dem Vorjahr zu wiederholen. Damals gewann er vier Etappen des "Großen Schleife", in Bordeaux holte der 27-jährige den siebten Tour-Etappensieg seiner Karriere, insgesamt stehen bei Steels nun 48 Profisiege in seinen Palmarés.


Stimmen zur 17. Etappe
Steels: "Ich träume von den Champs Elysées"

22.07.99 - Stimmen zur 17. Etappe der 86. Tour de France:

Tom Steels (Bel/Mapei), Etappensieger: "Wenn man 200 Meter vor dem Ziel am Hinterrad von Zabel ist, ist der Sieg sehr wahrscheinlich. Meine Mannschaft hat gut gearbeitet heute. Ich war ideal plaziert an vierter, fünfter Position. Als Erik antrat habe
ich sein Hinterrad genommen und ich konnte ihn leicht überholen. Mein Traum ist jetzt, auf den Champs Elysées zu siegen bei der schönsten Zielankunft der Welt. Ich widme meinen Sieg heute Pavel (Tonkov), der gerade seinen Stiefvater verloren hat."

Robbie McEwen (Aus/Rabobank), Etappenzweiter: "Ich war mal Vierter in Bordeaux und heute habe ich auf einen Sieg gehofft. Ich bin gut in die letzte Kurve gegangen, aber vielleicht hätte ich früher antreten sollen. Am Ende kam ich leicht an Zabel vorbei, aber Steels ist sehr stark. Ich habe meinem Team gezeigt, daß ich noch da bin und das ist ein gutes Zeichen. Nach den Bergen mischen sich viele in die Sprints ein und es ist sehr gefährlich. Ich war da, als O'Grady und die anderen stürzten. Ich habe gespürt, wie jemand mein Hinterrad touchiert hat."

Erik Zabel (Ger/Telekom), Etappendritter, Grünes Trikot: "Es war eine schwere Etappe. Wir hatte Bölts vorne, aber die anderen Teams haben Tempo gemacht und es wurde schnell und schwer. 10 Kilometer vor dem Ziel hat unsere Mannschaft die Initiative ergriffen. Ich wußte, daß hier Gegenwind ist auf der Zielgeraden und ich wollte eigentlich den Sprint nicht von vorn fahren, aber als Wesemann dann irgendwann vorne raus ist, mußte ich dann irgendwann nach vorn. Und dann habe ich dem Steels super den Sprint angefahren. Steels war einfach explosiver und im Kampf Mann gegen Mann hatte ich nichts dagegenzusetzen. Im Moment kann ich Steels nicht schlagen. Meine Mannschaft hat heute aber wieder Großartiges geleistet und ich bin froh, daß ich das Grüne Trikot habe. Stuart (O'Grady, der Zweite in der Punktewertung, der kurz vor dem Ziel stürzte) tut mir natürlich leid, aber mir ist dasselbe in Thionville passiert. Insofern ist das ausgeglichen."

Silvio Martinello (Ita/Polti) Fünfter: "Das Team hat gut gearbeitet, auch wenn ich mich auf dem letzten Kilometer allein im Telekom-Express wiederfand. Aber ich war gut plaziert, war hinter Steels von der 2.000-meter-Markierung an. Steels ist wirklich der beste Sprinter, der noch in der Tour ist."

Ergebnisse: 17. Etappe

Übersicht: Tour de France







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