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Tour de France: 2.Etappe
Tom Steels: "Der erste Sieg ist immer wichtig..."
Zülles Chancen auf Gelb versinken im Schlamm

  05.07.99 - Der belgische Sprintspezialist Tom Steels (Mapei) gewann am Montag die zweite Etappe der Tour de France über 176km zwischen Challans und der Hafenstadt Saint Nazaire am Atlantik. Steels setzte sich in einem packenden Sprintfinish auf den letzten Metern durch gegen Jaan Kirsipuu (Casino) und Mario Cipollini (Saeco). Telekom-Sprinter Erik
Zabel bezwang zwar seinen Angstgegner von der Deutschland- Tour, Jimmy Caspers, aber mehr als ein vierter Platz sprang für "Ete" nicht heraus. Im Gesamtklassement verlor der Amerikaner Lance Armstrong die Spitzenposition an Kirsipuu, der bei den Zwischensprints unterwegs fleißig Sekunden und Punkte sammelte, damit sein Grünes Trikot verteidigte und "nebenbei" auch noch das Maillot Jaune holte.

Der 27 Jahre alte Tom Steels ist vielen vor allem dadurch besonders in Erinnerung, weil er bei der Tour 1997 in einem Sprintfinale entnervt mit einer Trinkflasche nach Fred Moncassin geworfen hatte. Steels war daraufhin disqualifiziert worden. "Es war traumatisch damals vor zwei Jahren, als ich das Team im Stich gelassen habe. Aber jetzt, nach letztem Jahr und diesem Sieg heute kann man sicher sagen, daß das alles Vergangenheit ist", so der Tagessieger, der bei der diesjährigen Tour bei den Sprints nicht auf mannschaftliche Unterstützung zählen kann, da sein Mapei-Team ganz auf Pavel Tonkov und dessen Ambitionen im Gesamtklassement ausgerichtet ist.

"Der erste Sieg ist immer wichtig für das Team und jetzt können wir uns ganz darauf konzentrieren, die Tour zu gewinnen mit Pavel Tonkov", erklärte Steels in St. Nazaire.

Die zweite Etappe war eine reine Flachetappe, bei der der einzige "Berg" die monumentale, 60 Meter hohe Loire-Brücke im Zielort war. Dennoch fiel unerwartet eine Vorentscheidung im Gesamtklassement.

84 Kilometer vor dem Ziel stand die Passage de Gois an, was im lokalen Dialekt etwa soviel wie "Schlamm-Passage" bedeutet. Auf der vier Kilometer langen Dammstraße, die die Insel Noirmontier und das Festland verbindet und nur bei Ebbe benutzt werden kann, hatte es einen Massensturz gegeben. Jonathan Vaughters (US Postal) und Marc Wauters (Rabobank) erwischte es so schlimm, daß sie verletzt das Rennen aufgeben mussten.

Der Rest konnte weiterfahren, aber während im ersten großen Feld Armstrong, Abraham Olano, Pavel Tonkov und Bobby Julich ihre Mannschaften arbeiten ließen,

Am Rande

  Armin Meier werdender Vater Die Schweizer Skiläuferin Karin Roten (23) hat am Montag erklärt sie sei im dritten Monat schwanger und damit Spekulationen darüber beendet, warum bzw. ob sie sich vom Sport zurückziehen werde. Die zweifache WM-Zweite im Riesenslalom und WM-Dritte im Slalom ist seit vergangenen Herbst mit dem Radprofi Armin Meier liiert. Man hört, es gäbe Hochzeitspläne...

  Riis hört auf Etwas brüsk hatte Telekom-Sportdirektor Walter Godefroot am Sonntag erklärt "Bjarne Riis bekommt keinen neuen Vertrag mehr." Allzu überraschend kommt die Ankündigung nicht. Der Toursieger von 1996 war in dieser Saison nur noch ziemlich lustlos unterwegs. Der 35-jährige Däne, der sich bei der Tour de Suisse auch noch schwer verletzte bei einem unglücklichen Sturz über den Bordstein vor dem Start einer Etappe, wird wohl seine Karriere beenden.

Gegenüber der dänischen Agentur "Ritzau" sagte Godefroot am Montag: "Wir hoffen, daß Bjarne seine Zeit bei uns beendet mit einer guten Leistung bei der Spanien-Rundfahrt und den Weltmeisterschaften."

  Richtig Frust hatte Marco Cipollini am Montag. Nach seinem dritten Platz im Sprint strafte der "König der Löwen" alle Journalisten mit Mißachtung. "Wenn er so drauf ist, kann man mit ihm nicht reden", so Saeco-Sportdirektor Antonio Salutini, der verriet, daß Cipollini nicht nur wegen des verpaßten Siegs Frust schob. "SuperMario" muß auf Anordnung von Salutini seine Taschen selbst schleppen, weil man Angst davor hat, jemand könnte dem Star etwas verbotenene Mittel unterschieben.

saßen aufgrund des Sturzes Mitfavoriten wie Jean-Cyril Robin, Michael Boogerd, Alex Zülle und Ivan Gotti in der zweiten Peloton-Hälfte fest und hatten bei dem Wind, der vom nahen Atlantik herüberwehte im Prinzip keine Chance mehr, den Anschluß zu schaffen. Kapitän Zülle schaltete sich persönlich in die Nachführarbeit ein, doch es war vergebens: Im Ziel kam die Zülle-Gruppe mit etwa sechs Minuten Rückstand an. Zülle und Gotti können bereits nach der zweiten Etappe ihre Chancen auf den Gesamtsieg bei der 86. Frankreich-Rundfahrt abschreiben, ebenso Michael Boogerd (Fünfter im Vorjahr), Christophe Rinero (1998 Vierter), und Jean-Cyril Robin (1998 Sechster).

Auch vom deutschen Telekom-Team erwischte es einige, die sich Chancen im Gesamtklassement ausgerechnet hatten: Der junge Jörg Jaksche zog sich bei dem Sturz Schürfwunden zu, Jan Schaffrath tat sich am Kinn weh und auch der österreichische
Bergspezialist Georg Totschnig kam zu Fall. Alle drei konnten das Rennen fortsetzen, verloren aber weit über 15 Minuten.

Als man sich im Feld darüber klar wurde, wie die Lage war am Ausgang der Passage de Gois, da reagierte Mario Cipollini (Saeco) als erster und machte Druck im Peloton. Abraham Olanos ONCE, sowie US Postal (Armstrong) und Casino (Vinokourov) reihten sich in der Folge an der Spitze des Feldes ein und machten Tempo.

In der zweiten Gruppe konnte man zunächst den Zeitverlust in Grenzen halten, vor allem wegen der Arbeit des Polti-Teams. Doch auf den letzten 50 Kilometern wurde der Abstand schließlich doch noch richtig groß.

Als das erste Peloton den Zielort erreichte, war das große Favoritensterben zu Beginn der Tour bereits abgeschlossen und auf den letzten Kilometern übernahmen die Sprinterteams, allen voran Telekom, das fünf Mann mit vorne hatte. Vier Kilometer vor dem Ziel setzten sich die Männer im Magenta-Dress an die Spitze und machten so viel Tempo, daß vereinzelte Attacken in der Schlußphase keine Chance hatten. Auf der 500 Meter langen Zielgeraden zeigte Erik Zabel gute Übersicht. Als der junge Jimmy Caspers (FdJ), der ihn bei der Deutschland-Tour vier Mal geschlagen hatte, etwa 200 Meter vor dem Ziel antrat, setzte sich Zabel sofort an dessen Hinterrad. Doch das half letztlich nichts. Auf der anderen Straßenseite, links von Zabel, fiel die Entscheidung zwischen Cipollini, Kirsipuu und Steels, der sich auf den letzten 10 Metern punktgenau durchsetzte, während Kirsipuu wohl gewonnen hätte, wenn das Rennen noch ein paar Meter länger gewesen wäre.

"Ich habe keinen Sprint mehr gewonnen seit Gent - Wevelgem im April. Aber der zweite Platz am Sonntag hinter Kirsipuu hat mir Selbstvertrauen gegeben", so Steels, der zum sechsten Mal eine Tour-Etappe gewann. Kirsipuu grämte sich nicht über den zweiten Platz, denn mit dem Gelben Trikot, das er aufgrund von Zeitbonifikationen Armstrong abnahm, plus dem Grünen Trikot, bei dem der Este seine Führung noch ausbaute, war Jaan Kirsipuu reichlich für den entgangenen Etappensieg erntschädigt.

Für den bisherigen Träger des Gelben Trikots war der Verlust der Gesamtführung auch leicht zu verschmerzen, da Lance Armstrong gegenüber seinen direkten Rivalen keine Zeit einbüßte und für jemanden mit Ambitionen auf den Gesamtsieg das Leader-Trikot in der Frühphase des Rennens eher eine Last bedeutet. Schwerer wiegt da für Armstrong der Verlust seines Leutnants Jonatahan Vaughters, der bei dem folgenschweren Massensturz an der Passage de Gois mit dem Kinn aufschlug und das Rennen aufgeben mußte.


Stimmen zur 2. Etappe
Steels: "Ein großer Moment"

06.07.99 - Stimmen zur 2. Etappe der 86. Tour de France:

Tom Steels (Bel/Mapei), Etappensieger: "Es war ein Sprint mit recht wenigen Fahrern und es war leichter, sich vorn zu plazieren. Gestern, als ich den zweiten Platz geholt habe, kam ich ziemlich nah an Kirsipuu heran und ich dachte, der Sieg war nicht weit. Heute habe ich es zum ersten Mal geschafft, an Cipollini vorbeizugehen. Es ist ein großer Moment. Es ist schön, zu
Beginn einer Tour zu gewinnen, man ist dann in der Folge entspannter. 1998 hatte ich zwei meiner vier Etappensieg in der letzten Woche erzielt. Das Grüne Trikot ist kein Ziel, denn das wäre zuviel Arbeit für die Mannschaft, die schon für Tonkov fährt. Man wird eine erste Bilanz ziehen nach dem Zeitfahren in Metz."

Jaan Kirsipuu (Est/Casino), Zweiter, Gelbes und Grünes Trikot: "Ich wußte, daß, es reichte, die Zwischensprints zu gewinnen, um das Maillot Jaune zu holen. Im Sprint um den Tagessieg habe ich mich ein bißchen zu früh vorn wiedergefunden. Ich war erst am Hinterrad von Michaelsen, 300 Meter vor dem Ziel war ich im Wind. Dann bin ich an 3, 4 Konkurrenten vorbei gefahren und 200 Meter vor dem Ziel konnte ich antreten. Unser Team hat mit Alexandre Vinokourov and Benoît Salmon, die aufs Klassement fahren, andere Aufgaben, als um jeden Preis das Gelbe Trikot zu verteidigen. Unsere Munition ist noch nicht verschossen."

Erik Zabel (Ger/Telekom), Vierter: "Ich habe schon so viele schöne Siege erzielt, da werde ich mich nicht über einen vierten Platz ärgern."

Lance Armstrong (USA/US Postal), bisheriges Gelbes Trikot: "Es war ein sehr nervöses Rennen heute. Die Passage de Gois kannten wir und es ar klar, daß der kleinste Fehler einen Sturz verursachen würde. Wir haben versucht, Kirsipuu zu kontrollieren, indem Hincapie bei den Zwischensprints mitgefahren ist, um zu verhindern, daß Kirsipuu zuviele Sekunden holt. Aber ich bin nicht enttäuscht, das Trikot abgegeben zu haben. Das Rennen ist noch lang..."

Alex Zülle (CH/Banesto), verlor sechs Minuten: "Es gab einen Sturz direkt vor mir. Die Zuschauer haben mich aufgefangen. Ich bin dann wieder losgefahren und habe zuerst versucht, alleine wieder zur ersten Gruppe aufzuschließen. Wegen dem Wind konnte ich das Loch nicht zu fahren und ich habe mich entschlossen, auf die Teamkollegen zu warten. Zusammen mit Polti haben wir gearbeitet. Unglücklicherweise ist der Abstand aber nur noch gewachsen."

Ivan Gotti (Ita(Polti), war auch in der zweiten Gruppe: "Es war ein bißchen meine eigene Schuld und ganz viel Pech. Fahrer sind vor mir gestürzt und ich konnte nicht ausweichen. Ich wußte, daß die ersten Etappe Fallen bergen können. Ob ich jetzt für Virenque arbeite? Lassen Sie uns warten bis zu den ersten Bergen. Das Pech wird ja nicht immer an meiner Seite sein."

Ergebnisse: 2. Etappe

Übersicht: Tour de France







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