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Interview mit Erik Zabel
"Grünes Trikot? Etappensieg geht vor"

28.06.00 - Erik Zabel gehr nach seinem "zabelhaften Frühjahr", in dem er zum dritten Mal Mailand-San Remo gewann sowie Amstel Gold Race und damit im Weltcup für eine Vorentscheidung sorgte, braucht in diesem Jahr bei der Tour de France niemandem mehr etwas zu beweisen. Der 29-Jährige hat dennoch viel vor: Er peilt den ein oder anderen Touretappensieg an und das fünfte Grüne Trikot des Punktbesten in Folge...

dpa: Im Vorjahr war er für Sie unbezwingbar und gewann vier Etappen. Ist es schade, dass Mario Cipollini die Tour wegen seiner Trainingsverletzungen abgesagt hat?

Zabel: «Das Ding hat zwei Seiten. Erstens glaube ich erst daran, wenn, er nicht beim Prolog da ist, und zweitens macht das die Tour nicht leichter. Sein Team fehlt bei der Vorbereitung der Sprints ebenso wie das Lampre-Team, das für Svorada gearbeitet hätte. Damit wird es immer schwerer, einen Massensprint zu organisieren. Wir werden nicht so viel Arbeit investieren können, weil diesmal Jan Ullrich wieder dabei ist, und unser Team vor den Bergen Kraft sparen muss.»

dpa: Wer sind Ihre Hauptkonkurrenten in den zu erwartenden Massensprints?

Zabel: «Tom Steels, dessen Mapei-Team ist wohl in diesem Jahr am ehesten in der Lage, einen Massenspurt vorzubereiten. Stuart O'Grady ist in seinem Team Credit Agricole nicht die Nummer eins (das Team hat u.a. den Tourdritten von 1998, Bobby Julich dabei, die Red.), sie werden sich ähnlich wie wir nicht mit voller Kappelle reinklinken. Ansonsten muss man noch mit Jan Kirsipuu, George Hincapie und hoffentlich auch Zabel rechnen. Oh, sorry, Marcel Wüst hätte ich fast vergessen und Robby McEwen.»

dpa: Wenn sie die Wahl hätten: Etappensieg oder zum fünften Mal das Grüne Trikot in Serie, was wäre wichtiger?

Zabel: «Der Etappensieg, möglichst früh. Dann kann man mit freiem Rücken fahren und hat zudem bereits etliche Punkte für das Trikot auf dem Konto. So toll ist es auch nicht, jeden Tag


Foto: Frank Bodenmüller

Erik Zabel

Geb. 7.Juli 1970 in Berlin
1,76 m, 69 kg
Verheiratet mit Cordula, Vater eines Sohnes (Rik)
Wohnort: Unna

Profi seit 1993
Teams: Telekom (seit 1993)

Größte Erfolge: Milan-San Remo 1997, 1998 und 2000, Paris-Tours 1994, Amstel Gold Race 2000, Deutscher Meister 1998, Berner Rundfahrt 1993, Rund um Köln 1996, trofeo Luis-Puig 1997 und 2000, Scheldepreis 1997, Rund um Berlin 1997, Henninger Turm 1999, Etappensiege: Tirreno-Adriatico (7), Tour de Suisse (3), Quatre Jours de Dunkerque (3), Semana Catalana (5), Tour de l'Avenir (4), Katalonien-Rundfahrt (2)
Tour de France: 7 Etappen 2/1995 (Charleroi, Bordeaux), 2/1996 (Nogent/Oise, Gap), 3/1997 (Plumelec, Bordeaux, Pau), Punktewertung (Grünes Trikot) 1996, 1997, 1998 und 1999

unterwegs um die Hausecken zu rasen, nur weil es da noch ein paar Punkte gibt. Aber wie gesagt, Jan ist wieder dabei, Priorität hat in diesem Jahr die Gesamtwertung. Etappensieg geht vor Trikot.»

dpa: Was sagen Sie zur neunköpfigen Tour-Mannschaft?

Zabel: «Die ist Klasse. Aber ich bedaure es sehr, das Rolf Aldag nicht mit dabei ist. Das war die Entscheidung von Walter Godefroot, der nun einmal nur neun Fahrer schicken kann. Er hatte in diesem Jahr ein 'Luxus-Problem', zu viele gute Fahrer und sechs bereits im Vorfeld fest nominiert. Für Aldag ist es nicht einfach. Das Jahr 2000 ist für Rolf ein verlorenes Jahr. Ich wollte ihn gern an meiner Seite haben. Die deutsche Mesiterschaft war wenigstens ein kleiner Trost für ihn. Besonders beim Mannschaftszeitfahren wird er uns fehlen.»

dpa: Sie führen souverän im Weltcup, der geht nach der Tour weiter. Wird das in Frankreich eine Rolle spielen?

Zabel: «Ich werde versuchen, den Gedanken daran drei Wochen lang zu verdrängen. An den Weltcup denke ich wieder im August, da sind es dann zum Glück nur drei Einzelrennen, jeweils mit einer Woche Pause.

dpa: Sie haben ein sensationelles Frühjahr hinter sich, ist die Form überhaupt so lange zu konservieren?

Zabel: «Das geht, wenn man sich zu Pausen zwingt. Aber die waren mehr als kurz. Eigentlich wollte ich im Mai etwas kürzer treten. Aber wenn man die Deutschland-Rundfahrt fährt und sieht, was sich da am Straßenrand tut, dann geht das eben nicht. Du kannst nicht im Telekom-Trikot fahren und dabei etwas kürzer treten. Ich bin jetzt ein wenig angeschlagen. Bei der Katalonien-Rundfahrt hatte ich etwas Sorgen in den Bergen, musste mich quälen. Aber, vielleicht ist das ein gutes Omen. Im Vorjahr kam ich zwar besser über die Berge, aber da hat es eben nicht zum Etappensieg gereicht.»

Die Fragen stellte Jürgen Strauß

Tour de France - Übersicht



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