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87.Tour de France
Viele alte Bekannte, aber auch viele offene Fragen
Ist EPO-Doping passee? Wer sind die Favoriten? Wie sind Ullrichs Chancen?

29.06.00 - Bei der am Samstag in Futuroscope bei Poitiers beginnenden Tour de France sind mit den Gesamtsiegern von 1997 (Jan Ullrich), 1998 (Marco Pantani) und 1999 (Lance Armstrong) die Gewinner der drei Vorjahre am Start. Dies gab es seit zehn Jahren nicht mehr. Doch auch mit den vielen alten Bekannten am Start, sind zu Beginn der 87. grande boucle dennoch viele Fragen offen, nicht nur die nach dem Namen des Gesamtsiegers.

Nachträgliche EPO-Tests

Zwei Jahre nach dem Festina-Dopingskandal von 1998, bei der die Tour haarscharf ihrem Abbruch entkam, ist beim EPO-Doping, das im Zentrum des Skandals stand, "die Wende geschafft", wie der Chef des Labors, das die neuen EPO-Nachweise entwickelt hat, glaubt. Zwar wird die Nachweismethode noch nicht bei der Tour de France Anwendung finden, weil die wissenschaftliche Anerkennung noch nicht "wasserdicht" ist. Die UCI fand jedoch eine salomonische Lösung, wie man dennoch das neue Verfahren nachträglich anwenden kann: Die Urinproben der Fahrer werden eingefroren und später getestet auf EPO. Dass das Verfahren in "ein, zwei Monaten" angewandt werden kann, davon ist Jacques de Ceaurriz, an dessen Dopinglabor in Chateny-Malabry das Verfahren entwickelt wurde, überzeugt: "Die Wissenschaft steht der Methode sehr positiv gegenüber. Die 'nachträgliche' Lösung ist eine Art juristische Vorsorgemaßnahme: Man will auch vor diesem Hintergrund alles hieb- und stichfest haben."

Zwar wird es auch mit einem neuen Nachweisverfahren wohl immer einzelne Fahrer geben, die mit EPO (oder mit anderen Mitteln) zu manipulieren versuchen, doch die epidemieartige Verbreitung des Dopinghormons Erythropoietin im Radsport gehört der Vergangenheit an. Die Tour 2000 verspricht eine der "saubersten" der letzten zwanzig Jahre zu werden.

Die Favoriten

Auf Zeitfahrspezialisten, Rouleurs, scheint die Tour 2000 auf den ersten Blick nicht zugeschnitten zu sein. Die beiden Einzelzeitfahren der Tour de France sind zusammen nur 75km (16km + 58,5km) lang, 1999 gab es insgesamt 118 km Einzelzeitfahren. Allerdings muß man in diesem Jahr das 70km lange Mannschaftszeitfahren mit dazurechnen, das voll in der Gesamtwertung zählt (bei einem maximalen Zeitverlust von 7 Minuten). Eine Besonderheit ist das lange Zeitfahren zum Auftakt, das wegen seiner Länge (16,5km) nicht Prolog heißt, sondern gleich die erste Etappe ist. "Da muß man schon aufpassen", sagt Jan Ullrich im Hinblick darauf. "Da kann man schon relativ viel Zeit verlieren."

"Pantani kann froh sein. da es nur ein großes Zeitfahren gibt", sagte Titelverteidiger Lance Armstrong, der ebenso wie Jan Ullrich seinen Vorsprung im Zeitfahren holen und in den Bergen verteidigen will. Armstrong sagt, das "Zeitfahren (der 19. Etappe zwischen Freiburg und Mulhouse über 58,5km) findet nicht weit von Ullrichs Heimatort statt. Aber ich glaube nicht, dass das soviel ändert", so der Amerikaner. Mit Armstrong, Ullrich und dem wie Phönix aus der Asche auferstandenen Marco Pantani hat die 87. grande boucle drei Favoriten, die alle in etwa die gleichen Chancen haben, zum zweiten Mal in ihrer Karriere das wichtigste Rennen der Welt zu gewinnen. Eine derartige Spannung versprechende Ausgeglichenheit gab es selten in der 97-jährigen Geschichte der Frankreich-Rundfahrt.

Neben den drei Topfavoriten gibt es noch eine Reihe Fahrer, die auch ganz vorn mitmischen wollen und die auch das Zeug dazu haben. Dazu gehört in erster Linie der Tourzweite des letzten Jahres, Alex Zülle, der in diesem Jahr alles auf die Tour ausgerichtet hat. Auch der Spanier Abraham Olano, der schon so oft Ehrenplätze bei großen Rundfahrten belegt hat und dessen Landsmann Fernando Escartin, im Vorjahr Dritter, haben das Potenzial, einen Podiumsplatz zu erobern, ebenso der Franzose Richard Virenque, der außerdem sein sechstes (!) Bergtrikot in Forlge anpeilt.

Mit Spannung wird man auch beobachten, wie sich Laurent Jalabert und Frank Vandenbroucke schlagen. Beide, der "alte" Franzose und der junge Belgier, wollen es bei der Tour 2000 beweisen, dass auch sie, die bei Klassikern schon viel Großes vollbracht haben, bei der "Großen Schleife" bestehen können.

Die voraussichtlichen Höhepunkte

Eine Vorentscheidung der Tour 2000 fällt bereits am 4. Juli beim Mannschaftszeitfahren, das erstmals seit 1995 wieder im Programm der Tour ist. Spannung verspricht die (einzige) Pyrenäenetappe am 10. Juli, bei der zwei Ehrenkategorie-Berge zu bewältigen sind. Nach den Pyrenäen folgen drei Alpenetappen, von denen es die erste besonders in sich hat: Bei der Monumentaletappe am 15. Juli folgen hintereinander Col d'Allos (2250 m/1.Kat), Vars, (2109m/1.Kat) und Izoard (2360m/Ehrenkat.). Die endgültige Entscheidung bei der Tour fällt bei der 19. Etappe, dem Zeitfahren zwischen Freiburg und Mulhouse.

Tour de France - Übersicht



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