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Präsentation der 87. Tour de France
Tradition und Moderne: Die Tour 2000 will Brücke zwischen zwei Jahrhunderten sein

21.10.99 - Die Tour de France betritt ein neues Jahrtausend, doch gerade deshalb blieben die Organisatoren ihren Wurzeln und Legenden treu. Die 87. Ausgabe der grand boucle, die am Donnerstag in Paris offiziell vorgestellt wurde, wird auf einem traditionellen und ausgeglichenen Kurs ausgetragen, der allen drei letzten Toursiegern, dem amerikanischen Allrounder Lance Armstrong (Toursieger 1999), dem italienischen Kletterspezialisten Marco Pantani (1998) und dem deutschen Rouleur Jan Ullrich (1997) Hoffnungen auf einen zweiten Tourtriumph zu machen scheint.

Die Frankreich- Rundfahrt kehrt im kommenden Jahr zurück zu einer Reihe von Bergen, die zur Tourlegende wurden und lange nicht mehr im Profil der Rundfahrt waren. Wieder dabei ist der mythische Mont Ventoux, der 1.912m hohe Granitkegel in der Provence, der seit 1987 nicht mehr Schauplatz der Tour war. Seit den Tagen der Duelle zwischen Fausto Coppi und Gino Bartali, seit 1949 war die Bergtrilogie von Alpes du
Sud Allos (2.250m), Vars (2.109m) und Col d'Izoard (2.361m) nicht mehr im Tourprofil. Am 15. Juli, bei der 14. Etappe der Tour kehren diese Bergriesen wieder zurück: Die Tour 2000 als symbolische Brücke zwischen den Jahrhunderten.

Los geht es am 1. Juli 2000 im Themenpark Futuroscope bei Poitiers, wo die Tour 1990 schon einmal gestartet wurde, mit einem Zeitfahren, das wegen der Länge (16km) nicht als "Prolog" gilt, sondern gleich als erste Etappe. Der 21. und letzte Tagesabschnitt wird drei Wochen später ganz in Paris ausgetragen werden. Bevor die Tour ihre traditionelle Zielgerade auf den Champs Elysées erreicht, geht es durch die gesamte französische Metropole, der Start erfolgt am Eiffel-Turm.

Der Kurs der 87. Frankreich- Rundfahrt, die nach den Worten von Renndirektor Jean Marie Leblanc "hundertprozentig moralisch und eingerahmt von guten Absichten" sein soll, ist so geschnitten, dass bis zum Schluss Spannung herrschen dürfte. Statt zwei Zeitfahren wie in den letzten Jahren üblich, gibt es im kommenden Jahr nur noch ein längeres (59km), das zwei Tage vor Schluss ausgefahren wird. Gute Chancen also noch mal für die Rouleurs, eventuell in den Bergen verlorenen Boden auf die Kletterer gutzumachen.

Ausgleich für den Wegfall des einen grossen Zeitfahrens ist das Mannschaftszeitfahren, das am vierten Tag über 69km zwischen Nantes und Saint-Nazaire führt. 1995 hatte zum letzten Mal ein Teamzeitfahren auf dem Programm gestanden.

Die Kletterer wie Fernando Escartin oder Marco Pantani werden in den ersten neun Tagen kaum Gelegenheit haben zu glänzen, doch das wird sich ändern, wenn die Tour bei der zehnten Etappe ihren einzigen Abstecher in die Pyrenäen macht. Zwischen Dax und der Bergankunft in Hautacam sind Marie Blanque, Aubisque und Soulor zu bewältigen, alte "Bekannte" wie Col d'Aspin oder Tourmalet fehlen diesmal, dafür steht zwischen Pyrenäen und Alpen noch der Mont Ventoux in der Provence an. In den Alpen folgen zwei echte Bergetappen, Draguignan - Briançon (14. Etappe) und Briançon - Courchevel (15.).

Nach den Alpen macht die Tour nach einem Abstecher in die Schweiz, nach Lausanne, dem Sitz von Radsport-Weltverband UCI, am 20. Juli Station in Deutschland, in Freiburg im Breisgau, das nicht weit weg entfernt liegt von Jan Ullrichs Heimatort Merdingen im Schwarzwald. Der erste deutsche

Am Rande

  Tradition Die Rückwendung der Tour 2000 zu ihren Wurzeln wird auch daran deutlich, dass es nur zwei neue Etappeorte geben wird: Loudun und Draguignan. Zum Vergleich: 1999 waren nicht weniger als 13 Städte erstmals Etappenorte der Tour...

  Jubiläum Mit dem Etappenort Lausanne gratuliert die Tour de France dem internationalen Radsportverband UCI, der dort seinen Sitz hat, zum Geburtstag. Die Union cycliste internationale wird 100 Jahre alt.

  Zeitfahren Die Gesamtdistanz der Einzelzeitfahren der 87. Tour beträgt 75km, während es bei der Tour 99 118,5km waren. Allerdings kommen noch die 69km des Mannschaftszeitfahrens hinzu. Die interessante Disziplin war seit 1995 nicht mehr im Programm der Tour.

  Berge Sechzehn Berge der zweiten, ersten und Ehrenkategorie sind im Profil, 1999 waren es deren 23, doch die Zahl der Bergetappen stieg von vier auf fünf.

  Hoffnung Die Tour 2000 soll die "Tour der Hoffnung" werden nach der "Tour der Wiedergeburt" in diesem Jahr. Im französischen heißt Hoffnung "Espoir", und so heißt auch die Altersklasse der U23. Symbolisch: Das 1988 abgeschaffte weiße Trikot des besten Jungprofis (Espoir) kommt im nächsten Jahr zurück.

  Kurz Mit insgesamt 3.630 Kilometern ist die 87. Tour eine der kürzeren Frankreich- Rundfahrten, die in den letzten Jahren gewöhnlich zwischen 3.600km und knapp 4.000km lang waren.

Etappenort seit 1992, als Koblenz am Rhein einen Tag lang Gastgeber der Frankreich-Rundfahrt war, ist eine deutliche Verbeugung der Organisatoren vor Jan Ullrich, dem Toursieger von 1997. Immerhin: Miguel Indurain musste erst fünf Mal die Tour gewinnen, bis die Organisatoren 1996 Pamplona als Etappenort aufnahmen...

Ist die Tour 2000 nun also eine Angelegenheit für Kletterer oder nicht? Die Meinungen gehen auseinander. Der fünfmalige spanische Toursieger Miguel Indurain sagt, sie sei "günstig für Kletterer", sein Landsmann, der Bergspezialist Fernando Escartin, Dritter in diesem Jahr, glaubt, sie komme eher Rouleurs entgegen. Das Profil dürfte jedoch zumindest Marco Pantani, der erst vor wenigen Tagen Jan Ullrich den Fehdehandschuh hingeworfen hat, nicht ganz mißfallen. Zu den drei Bergankünften in Hautacam, am Mont Ventoux und in Courchevel kommen noch zwei Abschnitte, bei denen der letzte Berg nur wenige Kilometer vor dem Ziel liegen.

Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc erklärte am Donnerstag die erste Rundfahrt nach dem "Rennen der Wiedergeburt" in diesem Jahr zur "Tour der Hoffnung". Mit Hilfe der Mediziner und Wissenschaftler solle der Kampf gegen Doping nun endlich gewonnen werden, Betrügern das Handwerk gelegt werden. "Von allen Sportarten ist Radsport diejenige, die am schnellsten und am weitestgehendsten im Kampf gegen Doping gehandelt hat", so Leblanc.

Tour de France - Übersicht

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