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87.Tour de France
Juristischer Teilerfolg für "Delatour"-Equipe
Französischer Verbandspräsident muss Nichteinladung begründen

23.06.00 - Der französische GS-II-Rennstall "Jean Delatour" hat einen Teilerfolg erzielt in seinem Bemühen, eine Zulassung zur am 1. Juli beginnenden Tour de France per Gerichtsbeschluss nachträglich zu erzwingen. Das Tribunal de grande instance (Landgericht) von Nanterre bei Paris entschied am Freitagnachmittag auf Antrag des Teams, dass der Präsident des französischen Radverbandes, Daniel Baal, bis Montag darlegen muss, wieso "Delatour" von den Rennorganisatoren nicht eingeladen wurde.

Der Präsident der Fédération française de cyclisme (FFC) Baal, der in der Sache vermitteln will zwischen Rennstall und Organisatoren, muss bis kommenden Montag um 12:00 Uhr dem Gericht schriftlich darlegen, nach welchen Kriterien die Veranstalter der Tour de France die letzten drei Teams (Kelme, Bonjour und Memorycard) am 31. Mai ausgewählt haben.

Der Hauptsponsor des "Delatour"-Rennstalls, die Juwelierkette "Jean Delatour" ist der Auffassung, dass die Nichteinladung zur Frankreich-Rundfahrt einem ungerechtfertigten "Ausschluss" gleichkäme. Das Unternehmen beantragte, dass Baal "alle Erklärungen" zusammentragen solle, die der Entscheidung der Société du Tour de France bei der Teamauswahl zugrunde lagen.

Das Gericht in Nanterre gab diesem Antrag statt und bat Baal insbesondere zu prüfen, "ob alle eingeladenen Mannschaften die Kriterien (der Société) in Bezug auf Doping erfüllen". Insbesondere sei man "in diesem Punkt am (eingeladenen) Team Memory Card interessiert". Ferner soll der FFC-Präsident Auskunft darüber geben, "inwieweit die sportlichen Gesichtspunkte, insbesondere die UCI-Teamwertung (bei der Wildcard-Vergabe) am 31. Mai 2000 berücksichtigt wurden" und "ob andere Kriterien von der Société du Tour de France angewandt worden sind".

Vor dem Beginn der mündlichen Verhandlung am Freitagmorgen hatte "Delatour"-Anwalt Alain Jakubowicz vor Journalisten erklärt, das Team sei "in unkzeptabler Weise und ohne objektive Gründe" nicht zur Tour de France zugelassen worden. "Man hat an unserer Stelle die dänische Memorycard-Mannschaft eingeladen, deren Leader vor wenigen Wochen bei der Flandern-Rundfahrt wegen eines erhöhten Hämatokritwertes ausgeschlossen wurde", sagte der Anwalt in Anspielung auf den Ausschluss von Nicolai Bo Larsen im April. "Doping oder nicht spielt hier gar keine Rolle. Die Sociéte braucht win dänisches Team wegen der TV-Übertragungen in Dänemark", so der Anwalt weiter.

Die Anwältin der Société, Fabienne Fajgenbaum, erinnerte daran, dass die Tour-Organisation ein "Unternehmen des privaten Rechts" sei. "Bei den Einladungen der ersten 17 Mannschaften hat die Société ihre Wahl in enger Abstimmung mit den verschiedenen Radsportverbänden getroffen. Bei den letzten drei Einladungen hat sich Direktor Jean-Marie Leblanc das Recht vorbehalten, nach freier Entscheidung die Fahrer (Teams) einzuladen, die er gern bei der Tour de France sehen möchte", sagte Frau Fajgenbaum.

Tourchef Jean-Marie Leblanc, der bei der Verhandlung am Freitagnachmittag anwesend war, aber keine Aussagen machte, zeigte sich beim Verlassen des Gerichtsgebäudes erbost über die Entscheidung. "Ich bin zwölf Jahre an der Spitze der Tour de France", so Leblanc. "Dies ist das erste Mal, dass ich mir sagen lassen muss, ich sei inkompetent, unehrlich und käuflich."

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