21.10.99 - Telekom-Kapitän Jan Ullrich, Toursieger von 1997,
meldete sich am Donnerstag telefonisch aus Florida, wo er derzeit Urlaub macht mit
Freundin Gaby. Der Vueltasieger und Zeitfahr-Weltmeister sagte, er freue sich
sehr, dass die Tour im nächsten Jahr praktisch bei ihm zuhause in Merdingen
vorbeiführt, wenn Freiburg am 20. und 21. Juli Etappenort
ist, zwei Tage bevor die Tour in Paris ankommt.
"Das wird ein Superfinale, toll dass die Tour an meiner Haustür vorbeiführt.
Ich hoffe nur, dass ich in Form bin und eine gute Rolle spielen kann",
so der 25-jährige Ullrich, der in diesem Jahr wegen einer Knieverletzung
die Tour absagen musste.
Weitere Stimmen zur Tour de France 2000:
Richard Virenque (Fra/Polti): "Letztes Jahr war ich nicht
willkommen. Dieses Mal wurde ich zur Präsentation
eingeladen. Mein Verhältnis zu den Organisatoren
hat sich verbessert. Ich mag den Kurs der Tour 2000. Sie
liegt mir besser als die letztes Jahr. Es ist ein Profil
bei dem ich gewinnen kann, wenn ich mich in einem grossen Moment
befinde, so wie in der Vergangenheit einige Male. Die Orte
sind mythisch. Sie inspirieren mich. Das letzte Chrono wird vermutlich
nicht mehr sehr viel verändern. Es wird die Plazierungen
der Alpen bestätigen."
Mario Cipollini (Ita/Saeco), 1999 vierfacher Etappensieger:
"Es ist eine schöner Kurs. Bei der Tour gibt es immer Platz für alle,
die Sprinter, die Kletterer, die Zeitfahrer. Jeder hat seine Chance.
Zu gewinnen ist schwer, aber Siege zu wiederholen ist noch schwerer.
Ich will noch gar nicht daran denken. Ich habe mich ja noch gar nicht
von den Anstrengungen diesen Jahres erholt!"
Miguel Indurain (Esp), fünffacher Toursieger (1991-1995):
"Die letzte Woche sieht sehr schwer aus. Es ist eine Tour
für Kletterer. Ein Teamzeitfahren ist eine sehr schwere Disziplin,
selbst wenn man ein Rouleur ist. Es ist notwendig, dass alle in guter Form
sind und man hat keinerlei Anhaltspunkte. Man fährt dies praktisch
nur einmal im Jahr."
Fernando Escartin (Esp/Kelme), Gesamtdritter 99:
"Die Berge sind vergleichbar mit denen in diesem Jahr. Kletterer wie
ich müssen in den Alpen attackieren, um ein paar Minuten Vorsprung
beim Zeitfahren zu haben. Am Mont Ventoux wird es vermutlich keine grossen Abstände
geben zwischen den Favoriten. Auf dem Papier sieht die Etappe zwischen
Draguignan und Briançon am schwersten aus, aber die Etappe
in Courchevel, wo Virenque 1997 gewonnen hat, könnte entscheidender
werden."
Jean-Cyril Robin (Fra/Bonjour), WM-Dritter:
"Ich freue mich, dass die Tour bei mir zu Hause in Nantes
vorbeiführt. Ich schulde mir und den Fans eine Revanche nach meinem
Sturz bei der Passage des Gois in diesem Jahr, wo ich alle
meine Chancen früh verlor. Was das Teamzeitfahren angeht, habe ich eine
Mannschaft, die da gut fahren kann. Wenn ich auf die Berge der ersten
Alpenetappe schaue (mit Allos, Var und Izoard, die Red.), bekomme
ich wackelige Knie."
Johan Bruyneel (Bel/US Postal), Sportdirektor von Lance Armstrong:
"Das Profil ist gar nicht so entscheidend. Man hat schon schwere
Tours gehabt, bei denen die Abstände sehr klein waren und umgekehrt.
Ich denke nicht, dass das Mannschaftszeitfahren entscheiden wird.
Aber wir sind in dem Punkt ohnehin nicht in Sorge. Wir haben exzellente
Rouleurs. Den Kletterern kommt das Teamzeitfahren entgegen, denn
man verliert weniger Zeit beim Mannschaftszeitfahren als beim Einzelzeitfahren.
Lance hat bewiesen in diesem Jahr, dass er in den Bergen gut zurecht kommt.
Im Prinzip werden wir das gleiche Vorbereitungsprogramm machen wie
letztes Jahr. Für die Amerikaner sind die Tour und die Olympischen Spiele
im kommenden Jahr das Nonplusultra."
Walter Godefroot (Bel/Telekom), Sportdirektor von Jan Ullrich:
"Ein Kurs für Kletterer? Kein Problem. Jan ist in jedem Terrain exzellent,
wenn er in Form ist. Man hat gesagt, die Vuelta in diesem Jahr sei zu schwer für ihn und
er ist darüber geflogen. Das Mannschaftszeitfahren bedeutet
(für einen Sportdirektor) viel Stress..."
Manolo Saiz (Esp/Once) Sportdirektor von Abraham Olano und Laurent
Jalabert, Präsident der Vereinigung der Sportgruppen AIGCP:
"Im Moment kann ich zu den Plänen (von ONCE) noch nichts sagen, ich
habe noch nicht mit Jalabert gesprochen, wo er sein Saisonhöhepunkt sieht.
Es ist ein sehr wichtiges Jahr für ihn. Er ist 31 Jahre alt, die Nummer
eins in der Welt. Es ist das Jahr mit Olympischen Spielen und der
WM in Frankreich. Wenn die Tour seine Form und seine Siegchancen bei
WM und Olympia beeinträchtigt, zwei Rennen die er gewinnen kann,
dann kommt er nicht zur Tour."