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87.Tour de France
Tourneuling Niermann besorgt nur der "Rummel"
"Einfach nur in Paris ankommen, ist mir zu wenig" / Rabobank will ihn halten

29.06.00 - Für Grischa Niermann wird ein Traum wahr. Als erster Niedersachse seit mehr als 50 Jahren nimmt der 24-jährige Radprofi aus Hannover am Sonnabend im westfranzösischen Themenpark Futuroscope die Tour de France in Angriff. «Davon habe ich geträumt, seit ich mein erstes Radrennen gefahren habe», fieberte Niermann seinem bisherigen Karriere-Höhepunkt entgegen.

Der Sieger der Hessenrundfahrt von 1998 schaffte im Vorjahr mit dem Erfolg bei der Regio-Tour den internationalen Durchbruch. Er zählt im niederländischen Team Rabobank, 1999 immerhin Nummer eins der Weltrangliste, zu den wichtigsten Helfern von Kapitän
Michael Boogerd. Vor allem in den Bergen soll Niermann die holländische Tour-Hoffnung unterstützen.

Neben den Kletter-Qualitäten gab die Zeitfahrstärke von Grischa Niermann den Ausschlag für Rabobank-Teamchef Jan Raas, den jungen Niedersachsen für die Schleife durch Frankreich zu nominieren. «Die wissen, was sie an mir haben. Mir wurde gerade eine zweijährige Vertragsverlängerung zu deutlich verbesserten Bezügen angeboten», berichtete der Tour-Debütant. Er wird seit einiger Zeit vom Schweizer Ex-Profi und Eurosport-Kommentator Tony Rominger gemanagt.

Auch das Team Telekom hat bereits ein Auge auf das 63 Kilogramm schwere «Leichtgewicht» geworfen. «Walter Goodefroot wollte mich unbedingt haben, aber ich denke, dass ich bei Rabobank wesentlich mehr Ruhe haben werde, um zu reifen», erklärte der selbstbewusste aber auch bescheidene Profi. «Vor dem Rennen selbst habe ich keinen Bammel. Das wird nicht schwerer als die Spanien-


Foto: Rabobank

Grischa Niermann
Geb. 3. November 1975 in Hannover, Wohnort: Hildesheim, ledig

Profi seit 1996
Teams: Continentale (96-98), Rabobank (seit 99)

Größte Erfolge: Regio Tour 1999, Etappe Algarve-Rundfahrt 1998, Hessen-Rundfahrt 1998.
Rundfahrt oder die Tour de Suisse. Mehr Sorgen bereitet mir nur der erheblich größere Rummel bei der Tour», fügte er hinzu.

Niermann, der mit 15 Jahren beim HRC Hannover zum Radsport kam, beendete zuletzt die schwere Rundfahrt durch die Schweizer Alpen als zweitbester Deutscher nach Jan Ullrich auf Platz 16. In Frankreich will er ein Wörtchen im Kampf um das weiße Trikot für den besten Nachwuchsfahrer mitreden: «Einfach nur in Paris ankommen, das ist mir als Ziel zu wenig. Ich denke, ein Platz unter den ersten 40 der Gesamtwertung ist realistisch.»

Unmittelbar nach der Tour de France wird Grischa Niermann, der zurzeit in Hildesheim wohnt, nach Hannover-Badenstedt umziehen. Mit Freundin Sandra, einer 27-jährigen Architektur-Studentin, hat er eine Doppelhaushälfte gekauft. Die Fans in seiner Heimatstadt können ihn am 4. August bewundern. Der Start bei der «Nacht von Hannover» ist fest eingeplant.

Michael Kramer, dpa

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