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87.Tour de France
Laurent Jalabert will es noch einmal wissen
"Die Tour hat mir mehr Schlechtes gebracht, als Gutes" / Neunte Teilnahme

29.06.00 - Neben Weltcup-Spitzenreiter Erik Zabel ist der Franzose Laurent Jalabert einer der ganz wenigen heutigen Tour de France-Stars, die ihre Saison nicht nur auf den Juli konzentrieren. Der ONCE-Profi war fünf Jahre lang die Nummer 1 der Welt, bis ihn vor ein paar Wochen Casagrande verdrängte. Aber "Jaja" und die Tour, das ist eine lange, bewegte Geschichte mit dunklen Kapiteln. Bei seinem neunten Start bei der "Großen Schleife" will es der 32-Jährige noch einmal allen zeigen, die sagen, die Tour sei einfach nicht sein Rennen.

Mit der Tour de France verbindet Laurent Jalabert eine intensive Hassliebe. Den spektakulären Sturz in Armentière bei der Tour 1994 wird der Südfranzose ganz sicher sein Leben lang nicht vergessen. Jalabert war damals noch ein reiner Sprintspezialist. Ein Polizist, der vor dem Absperrgitter 50 Meter vor dem Zielstrich ein Foto vom heranjagenden Feld machen wollte, hatte damals einen Massensturz ausgelöst, bei dem der Belgier Wilfried Nelissen und Jalabert schwer verletzt wurden. Die Zielgerade der ersten Etappe sah aus "wie ein Feldlazarett", wie es damals
in Agenturberichten hieß. Jalabert hatte sich schwere Verletzungen im Gesicht, ein gebrochenes Nasen- und Jochbein sowie Frakturen der vorderen Gesichtsknochen zugezogen, einen Schulterbruch erlitten und mehrere Zähne verloren. Fünf Stunden musste er am Gesicht operiert werden. Kein Wunder also, dass Jalabert heute, sechs Jahre später, sagt: "Die Tour hat mir mehr Schlechtes gebracht, als Gutes."

Acht Mal hat der ONCE-Profi aus Mazament im südfranzö- sischen Department Tarne an der Frankreich-Rundfahrt teilgenommen, aber nur zwei Mal konnte er mit seiner


Laurent Jalabert
Tour zufrieden sein, 1992 und 1995, als er je eine Etappe gewann und das Grüne Trikot. Neben dem Sturz von Armentière war die Skandaltour 1998 das zweite dunkle Kapitel in der ewigen Geschichte "Jalabert und die Tour". Jalabert zettelte einen Fahrerstreik gegen die Polizeieingriffe an und stieg dann mit seinem ONCE-Team ebenso wie die anderen spanischen Mannschaften demonstrativ aus dem Rennen aus. "Es sind immer die gleichen Wortführer, die machen nur Scheiße, nur Streit", so Rolf Aldag damals. "Jalabert ist doch schon an der Tour de France zerbrochen."

Dass es Jalabert nun im Jahr 2000 dennoch noch einmal wissen will, hat vor allem mit seinen Erfahrungen beim Giro d'Italia 1999 zu tun. Überraschend wurde er da Gesamtvierter und holte außerdem auch noch drei Etappen. "Meine beste große Rundfahrt seit meinem Vueltasieg 1995", sagt Jalabert.

Beim Giro 99 war es für Jalabert selbst eine neue Erfahrung, dass er im Hochgebirge mithalten konnte mit den Besten. Die ganz hohen Berge stellten für ihn bislang die unüberwindliche Hürde dar für eine Platzierung ganz vorn Gesamtklassement. 1995 war Jalabert bereits einmal Gesamtvierter bei der Tour. In diesem Jahr spekuliert er auf einen Podiumsplatz. "Beim Giro 99 bin ich ein schlaueres Rennen gefahren", sagt Jalabert. "Ich bin älter geworden und habe mich in der Ausdauer verbessert. Das gibt mir Zuversicht für die Tour, deshalb habe ich mir dieses Jahr Zeit genommen, mich richtig auf die Tour vorzubereiten. Ich glaube, ich kann im Gesamtklassement eine Rolle spielen."

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