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01.08.98 - Jan Ullrich (Telekom) gewann am Samstag das 53km-Zeitfahren
zwischen Montceau-les-Mines und Le Creusot. Der Toursieger des letzten Jahres
beeindruckte dabei nicht nur mit einer weiteren Klasseleistung
bei einem schweren Zeitfahren, sondern auch |
danach
mit einer großen sportlichen Haltung und einer heiteren, unbeschwerten
Lockerheit, die man bei Ullrich eigentlich so noch nie gesehen hat.
Ullrich machte im Gesamtklassement einen Platz gut, konnte aber dem
Gelben Trikot von Marco Pantani (Mercatone Uno) erwartungsgemäß
nicht mehr gefährlich werden. Der Italiener, der ein bemerkenswertes
Zeitfahren fuhr, ließ sich nur 2:35 Minuten abnehmen.
Damit steht Marco Pantani nun vor dem Double mit Gewinn von Tour und
Giro in einem Jahr. Dieses Kunststück gelang erst sechs Rennfahrern
in der Radsportgeschichte.
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Ullrich begann das Rennen hochkonzentriert, wenngleich er sich
hinsichtlich seiner Chancen im Gesamtklassement
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Zwischenzeiten
KM 16 KM 25 KM 32 ZIEL
Ullrich 19:21 31:48 38:59 1:03:52
Julich +0:27 +0:27 +0:33 +1:01
Pantani +0:49 +1:15 +1:29 +2:35
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keinen
Illusionen hingab. "Ich bin nicht 'relaxed' gestartet", so Ullrich.
"Ich wollte unbedingt gewinnen, aber ich wußte, daß ich Pantani
keine sechs Minuten abnehmen konnte."
Die Streckenerkundung am Morgen unternahm der Merdinger im Auto.
"Ich bin nicht mit dem Rad gefahren wegen des Regens und der Kälte,
ich bin aus dem Auto nicht ausgestiegen."
Trotz Regen und Kälte, die der "Sommermensch" (Ullrich) ja eigentlich
gar nicht mag, fuhr Ullrich dann aber ein ziemlich perfektes Zeitfahren.
Für die 52km benötigte Ullrich 1 Stunde, 3 Minuten und 52 Sekunden
(48,851 km/h), niemand kam dieser Zeit näher als eine Minute. Damit
schob sich der Vorjahressieger in der Gesamtwertung auf Platz zwei , von
dem er Bobby Julich verdrängte.
"Ich wollte unbedingt ein richtiges Spektakel für die Zuschauer
abliefern", so ein vollkommen gelöster Ullrich nach dem sechsten
Tour-Etappenerfolg seiner Karriere. "Nach all den außerhalb des Sports
liegenden Dingen, die die Tour getrübt haben, wollte ich dem Sport
bei der vorletzten Etappe die Ehre geben." Zum neuen Tour de France-Sieger
Marco Pantani sagte Ullrich: "Pantani ist ein großer Champion,
der den Sieg absolut verdient. Aber ich werde nächstes Jahr wiederkommen..."
Daß diese Aussagen mehr als Interview-Routine-Worte waren, bewies
eine kleine Anekdote, die Telekom-Teamchef Walter Godefroot erzählte.
"Vor ein paar Tagen kam Ullrich zu mir", so Godefroot. "Er sagte: nach
all dem, was Pantani durchgemacht hat, vor allem nach seinen Unfällen,
da bin ich zufrieden, daß er die Tour gewinnt. Und er hat sie sich
verdient."
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Der so gelobte Marco Pantani hatte auch ein vorzügliches Zeitfahren
abgeliefert. Der Kletterspezialist, der allein von seinen körperlichen
Voraussetzungen wahrlich nicht fürs Zeitfahren gemacht ist,
war nur 2:35 Min. langsamer als der Etappensieger und fuhr die drittschnellste Zeit des Tages.
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Zweiter hinter Ullrich wurde Bobby Julich (Cofidis), der auch im Gesamtklassement
hinter Ullrich rutschte. "Ich habe meinen zweiten Platz nicht
verloren", meinte aber der Amerikaner. "Ich habe den dritten Platz gewonnen.
Es ist eine Ehre, Dritter hinter zwei solch großen Champions wie
Ullrich und Pantani zu werden."
Bemerkenswert fuhr auch Christophe Rinero (Cofidis), der Träger des
Bergtrikots. Der Bergspezialist fuhr die siebtbeste Zeit des Tages,
und das, obwohl er sich einmal in einer Kurve versteuert hatte
und dabei viel Zeit verlor. Im Gesamtklassement hielt Rinero, eine
der "Entdeckungen" der Tour 98, mit seiner guten Leistung den vierten Platz.
Marco Pantani wird nun am Sonntag die Fahrt über 147,5km von Melun
nach Paris genießen können. Wenn er mit dem Gelben Trikot
auf den Schultern auf den Champs Elysées über die
Ziellinie fährt, wird er als siebter Rennfahrer in der Geschichte
des Radsports das Double mit Gewinn von Giro und Tour geschafft
haben. Die 85. Tour de France, bei der wohl die dunkelsten Kapitel der
Tour- und Radsportgeschichte geschrieben wurden, wird trotz allem einen
großartigen und strahlenden Sieger haben.
Stimmen:
Jan Ullrich (Telekom), Etappensieger:
"Ich wußte am Start, daß es nicht sehr wahrscheinlich war,
meinen Rückstand auf das Gelbe Trikot gutzumachen.
Nach all den außerhalb des Sports
liegenden Dingen, die die Tour getrübt haben, wollte ich dem Sport
bei der vorletzten Etappe die Ehre geben. Pantani ist ein großer
Champion, der den Sieg absolut verdient. Aber ich werde nächstes
Jahr wiederkommen..."
Marco Pantani (Mercatone Uno), Gelbes Trikot:
"Ich muß sagen, ich war vor dem Start sehr angespannt.
Ein Sturz, ein technisches Problem kann immer passieren. In Correze,
beim ersten Zeitfahren, habe ich vier Minuten verloren. Es ist ein
wichtiger Tag, ich glaube, ich habe dieses mal die Tour gewonnen.
Es ist auch so etwas wie Wiedergutmachung für mich, nachdem
ich so lange Zeit vom Pech verfolgt worden bin. Es ist wirklich
ein außgewöhnlicher Moment."
Bobby Julich (Cofidis), Etappenzweiter und Gesamtdritter:
"Ich habe heute nichts verloren, im Gegenteil. Ich habe
einen Platz auf dem Podium gewonnen. Ich bin sehr bewegt.
Für mich geht ein Traum in Erfüllung.
Ich verneige mich vor den beiden Champions vor mir.
Ich denke, ich kann stolz sein auf meine Leistung."
Christophe Rinero (Cofidis):
"Die Zuschauer haben mich angefeuert auf der gesamten Strecke.
Als Ullrich mich eingeholt hat, hatte ich ein bißchen Angst davor,
einzubrechen. Aber ich blieb dran. Siebter beim Zeitfahren,
Vierter in der Gesamtwertung und das gepunktete Trikot- diese
Ergebnisse geben mir Zuversicht für die Zukunft."
Roland Meier (Cofidis):
"Ich bin zufrieden mit meinem Zeitfahren. Es ist schade, daß
ich nach 25km einen Defekt hatte. Ohne das hätte ich vielleicht
noch den sechsten Platz von (Jean-Cyril) Robin gekriegt.
Aber ich beschwere mich nicht. Siebter (im Gesamtklassement) ist
super für mich. Wenn mir jemand in Dublin gesagt hätte,
daß ich unter die ersten zehn komme, hätte ich das nicht
geglaubt."