Ex-Ski-Rennläufer Backstedt holt den ersten schwedischen Tour-Etappensieg
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31.07.98 - Magnus Backstedt (Gan) gewann am Freitag die 19. Etappe der Tour
de France. Der Schwede setzte sich bei einer typischen Übergangsetappe
über 242km von La Chaux de Fonds nach Autun durch im Sprint einer
Ausreißergruppe, die |
mehr als 220km lang an der Spitze des Rennens
lag und über 16 Minuten vor dem Hauptfeld mit allen Favoriten
ins Ziel kam. Das Feld der Rennfahrer, das nach dem Ausstieg der
demoralisierten TVM-Mannschaft nur noch 96 Rennfahrer groß ist,
hat es weiter eilig, nach Paris zu kommen. Trotz der Länge
der Etappe betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit am Ende
über 46km/h. An der Spitze des Gesamtklassements gab es am Freitag keine
Veränderungen. Vor dem großen Zeitfahren am Samstag
liegt Marco Pantani weiter mit über 5 Minuten Vorsprung
vor Bobby Julich (Cofidis) und Jan Ullrich (Telekom).
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Nach dem Start in der schweizerischen Grenzstadt La Chaux de Fonds am Morgen
erreichte die Tour bereits nach wenigen Kilometern wieder französischen Boden.
Jacky Durand (Casino), der souverän in der Wertung des kämpferischsten
Fahrers führt, zeigte sich auch am Freitag wieder als der aktivste
Fahrer. Bereits kurz nach dem Start attackierte Durand. Nach 17 Km
bekam er an der Spitze des Rennens Begleitung, als sich eine Fluchtgruppe
mit 12 Rennfahrern aus dem Feld absetzen konnte und schon bald
zum führenden Durand aufschloß.
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Die Fluchtgruppe mit Maarten Den Bakker (Rabobank), Magnus Backstedt (Gan),
Stuart O'grady (Gan), Eddy Mazzoleni (Saeco),
| Fabio Sacchi (Polti),
Alain Turrichia (Asics), Christophe Agnolutto (Casino), Laurent Desbiens (Cofidis),
Thierry Bourguignon (Big Mat), Thierry Gouvenu (Big Mat), Pascal Derame (US Postal),
und Frankie Andreu (US Postal) arbeitete konzentriert und bei KM 143
lag die Gruppe mit einem Vorsprung von 17:30 Min. vor dem Peloton.
Im Hauptfeld, wo Mercatone Uno das Tempo machte, war man froh,
nach den aufregenden letzten Tagen eine eher ruhige Etappe fahren zu können
und man begnügte sich, den Vorsprung der Ausreißer im Rahmen zu
halten.
15 km vor dem Ziel attackierten aus der Fluchtgruppe heraus
Backstedt, Den Bakker, Mazzoleni und Deramé. Das Quartett
löste sich relativ leicht von den Mitausreißern und
kam auf den nächsten Kilometern auf einen komfortablen Vorsprung.
Die Entscheidung mußte in dieser Vierer-Gruppe fallen.
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"Der neue Ballerini"
Etappensieger Magnus Backstedt ist ein in jeder Hinsicht
außergewöhnlicher Rennfahrer. Der 1,93m große
90kg-Mann begann seine sportliche Laufbahn ais Ski-Abfahrtsläufer.
Dabei war er überaus erfolgreich: 70 mal gewann er Rennen.
Bei der Vorbereitung auf die Wintersport-Saison setzte sich Backstedt
im Sommer aufs Rennrad und entdeckte seine Liebe zum Radsport.
In Belgien begann er vor zwei Jahren seine Profi-Karriere als Radsportler beim kleinen
Palmans-Team. Nach seinem Sieg
beim GP d'Isbergues 1997 wurde
Gan-Sportdirektor Roger Legeay auf ihn aufmerksam und verpflichtete
ihn auf der Stelle.
Der sympathische 23jährige hat noch eine große Karriere
vor sich. Denis Roux, Assistenz-DS bei Gan hält große
Stücke auf den Schweden: "Für mich ist er der neue Ballerini."
Beim Lieblingsrennen von Franco Ballerini hatte Backstedt in diesem Jahr
schon auf sich aufmerksam gemacht: Bei Paris-Roubaix 1998 wurde er 7.
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Drei Kilometer vor dem Zielstrich attackierte Pascal Derame. Der
Franzose aus dem US Postal-Team, dessen ungewöhnliche
blaue Haarfärbung ihn auch außerhalb von Radrennen
auffallen läßt, vertraute wohl nicht seinen
Sprintfertigkeiten. Aber schon bald war er von den anderen drei wieder
eingeholt.
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Auf der Zielgeraden hielt sich Backstedt lange
ganz hinten in der Gruppe und setzte auf den letzten Metern kraftvoll
an Mazzoleni und Deramé vorbei. Den Bakker, ein gelernter
Sprinter, versuchte es |
auf der linken Straßenseite,
aber Backstedt erwies sich als der bessere Sprinter an diesem
Tag und gewann mit mehreren Radlängen vor Den Bakker.
Der Rest der ursprünglichen Ausreißergruppe
erreichte 25 Sekunden nach dem Sieger das Ziel, auf das Hauptfeld
mußte man etwas länger warten. Erst nach 16:38 Min.
traf das Hauptfeld mit dem Träger des Gelben Trikots
und allen im Gesamtklassement vornplazierten ein. Den Prestige-Sprint
um Platz 14 gewann der Australier Robbie McEwen (Rabobank) vor
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Erik Zabel (Telekom). Zabel, der zwar mit seinen Ergebnissen in den Sprintfinals
bei der Tour 98 überhaupt nicht zufrieden sein kann, erwies
sich jedoch als der Konstanteste, was vordere Plazierungen und
Zwischensprints angeht und kann sich trösten mit dem Grünen Trikot
des Punktbesten, das ihm unter normalen Umständen nicht mehr
zu nehmen ist.
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Magnus Backstedt konnte sich indessen über seinen ersten
Etappenerfolg bei seiner ersten Tour-Teilnahme freuen. Gleichzeitig
war Backstedts Sieg der erste schwedische Etappensieg in der Geschichte
der Tour. Für sein Team Gan war es jedoch bereits Sieg Nr. 3
bei der Tour 98. Mit Etappensiegen von Stuart O'Grady
und Chris Boardman sowie den Gelben Trikots,
die sowohl O'Grady als auch Boardman einige Tage tragen konnten,
ist Gan eine der erfolgreichsten Mannschaften bei dieser Tour.
Weniger glücklich war die niederländische TVM-Mannschaft.
Am Morgen hatte der belgische Teammanager von TVM, Guido Van Calster,
erklärt, daß die Mannschaft nicht mehr starten werde.
Nach den Geschehnissen von Albertville
war bereits am Vortag Jeroen Blijlevens, der die 4. Etappe
gewonnen hatte, entnervt vom Rad gestiegen. Ohne Blijlevens
waren die verbliebenen 5 TVM-Profis völlig demoralisiert.
Serguei Outschakov, Servais Knaven, Bart Voskamp und Steven De Jongh
flogen noch am Freitag von Zürich aus nach Brüssel.
Am Montag nach der Tour werden sie jedoch ebenso wie Blijlevens
schon wieder in Frankreich sein. In Reims sollen sie dann
im Rahmen der französischen Dopingermittlungen vernommen werden.
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Für den Gesamtführenden Marco Pantani schlägt an diesem
Samstag die Stunde der Wahrheit. Pantani, der 5:56 Min. auf
Jan Ullrich, den großen Favoriten beim 53km-Zeitfahren am
Samstag, liegt, ist unter normalen Umständen sein
Gelbes Trikot nicht mehr streitig zu machen. Beim abschließenden
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Zeitfahren bei der Tour 97 (Disneyland) verlor Pantani auf 63km
3:50 Min. auf Ullrich, beim ersten Zeitfahren der Tour 98 in Correze
waren es auf 58km 4:21 Min. Aber Pantani kann das Zeitfahren natürlich
nicht auf die leichte Schulter nehmen. "Man wird das Zeitfahren nicht
locker nehmen", so Pantani am Freitag. "Man muß besonders konzentriert
bleiben."
Stimmen:
Magnus Backstedt (Gan), Etappensieger:
"Ich hätte wirklich nicht gedacht, daß ich bei meiner
ersten Tour eine Etappe gewinnen könnte. Es ist
ein wundervoller Moment. Ich glaube, ich habe den Sprint
am Schluß zu einem richtigen Moment angezogen.
Aufgrund meiner Körpergröße bin ich sehr
schwer über die Berge gekommen. Vor allem am Galibier,
wo ich sehr gefroren habe und einen Hungerast hatte.
Unser Team hat einen tollen Mannschaftsgeist. Jeder bekommt
seine Chance. Unsere Resultate beweisen es."
Marco Pantani (Mercatone Uno), Träger des Gelben Trikots:
"Auch wenn ich im Gesamtklassement einen großen Vorsprung habe,
vergesse ich nicht, daß Ullrich ein großer Rouleur
ist, ein großer Zeitfahrspezialist. Es ist notwendig,
daß ich konzentriert bleibe. Ruhig bin ich erst,
wenn ich auf den Champs Elysée über die Ziellinie
fahre. Am Samstag morgen werde ich die Strecke erkunden, teils
im Auto, teils auf dem Rad. Eine Stunde vor dem Start mache
ich mich warm."
Maarten Den Bakker (Rabobank), Etappenzweiter:
"Ich war gewarnt, daß die letzten Meter ein bißchen
hoch gingen, und ein Sprint sehr hart würde. Aber ich
war gut plaziert und ich glaubte an meine Siegchance, aber
Backstedt war heute wirklich sehr stark."
Ergebnisse: Tour de France - 19. Etappe
30.07.98 Die Karawane zieht weiter - Tom Steels gewinnt 18. Etappe
29.07.98 Tour de Farce: "Wilder Streik" gegen wildgewordene Justiz
28.07.98 "Reaktion eines Champions": Am Col de la Madeleine wird der Gejagte zum Jäger
27.07.98 Mit Pantani gewinnt am mythischen Galibier die Romantik - Auf den Spuren von Coppi
26.07.98 Bahnspezialist Stuart O'Grady gewinnt in der Sechstagerennen-Hochburg Grenoble
25.07.98 Daniele Nardello holt vierten Mapei-Etappenerfolg, Telekom weiter mit "Grün" und "Gelb"
24.07.98 Erst Streik, dann Hochgeschwindigkeit- Steels gewinnt eine denkwürdige Etappe
22.07.98 Pantanissimo! Ullrich "am Rande einer Katastrophe" -Unglaublicher Roland Meier
21.07.98 Ullrich mit Demonstration der Stärke - Für Pantani beginnt die Tour
20.07.98 Im Schatten der Pyrenäen ist Jens Voigt der Mann des Tages
19.07.98 Die "Lokomotive" zieht Durand zum Sieg, Ullrich läßt Desbiens den Vortritt
18.07.98 Jan Ullrich auf dem Weg zu Toursieg Nr. 2, Telekom dominiert die Tour
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16.07.98 Erik Zabel verliert den Sprint und gewinnt das Grüne Trikot
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