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Tour de Farce
"Wilder Streik" gegen wildgewordene Justiz - ONCE, Banesto, Vitalicio und Riso Scotti steigen aus

29.07.98 - Nach zwei hochdramatischen Alpenetappen, die die Schönheit und Dramatik des Radrennsports in allen Facetten zeigten, kehrte am Mittwoch wieder das Chaos zurück: Nachdem die niederländischen TVM-Profis am Dienstag abend von den Doping-Ermittlern aus der
Dusche geholt wurden und im Krankenhaus von Albertville bis Mitternacht von der Polizei festgehalten worden waren, weigerten sich die Rennfahrer am Mittwoch aus Protest, ein Radrennen zu fahren. "Gestern TVM, heute könnten es wir sein", so Laurent Jalabert, der neben Luc Leblanc und Bjarne Riis einer der Wortführer bei der Aktion war. Doch an dem Bummelstreik, der mit einer symbolischen Zielüberfahrt des geschlossenen TVM-Teams endete, beteiligten sich längst nicht alle im Peloton aus Überzeugung.

Am Start der 17. Etappe der Tour de France am Mittwoch mittag in Albertville gab es im Fahrerfeld nur ein Gesprächsthema: die Vorkommnisse am Vorabend, als die komplette Mannschaft von TVM unmittelbar nach dem Ende der 16. Etappe aus ihrem Hotel von der Polizei ins Krankenhaus geführt wurde, wo man die Rennfahrer ausgiebig auf Dopinganzeichen hin untersuchte. Jeroen Blijlevens und seine Kollegen sollen dabei Leibesvisitationen unterzogen worden sein. Erst weit nach Mitternacht kamen die Profis des niederländischen Teams zur Ruhe - sicherlich keine angemessene Vorbereitung für eine weitere schwere Bergetappe.

Die Rennfahrerkollegen der TVM-Profis waren am Mittwoch mittag über das Geschehen erbost. Viele sahen sich "im falschen Film" oder sahen sich im Zentrum von politischen Intrigen. "Wir werden behandelt wie die Tiere", war der meistgehörte Satz.

Als Sergej Outschakov (TVM) vor dem Start viel mit anderen Rennfahrern, mit Laurent Jalabert, mit Marco Pantani, sprach, da deutete sich schon an, daß irgendeine Protestaktion in der Luft lag. Die Spannung war gereizt bis aufs Äußerste. TVM-Profi Steven de Jongh schüttelte eine Mineralwasserflasche durch und zielte beim Öffnen auf die vielen Kameras, die auf ihn gerichtet waren.

Jens Voigt: "Wir sind doch nur Radfahrer!"
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Dann ging es um 13:15 Uhr los, aber das Dahinrollen des Pelotons, das für die ersten 25km mehr als eine Stunde
brauchte, glich eher einem Trauerzug, als dem Beginn eines Radrennens. Kurz vor dem ersten Zwischensprint bei KM 32,5 in Saint Jorioz stoppte das Peloton ganz.

Es folgten zehn lange Minuten. Bjarne Riis wurde vom Peloton als Sprecher ausgeschaut. Riis: "Ich habe zu (Tourdirektor) Leblanc gesagt, wir haben genug. Die Rennfahrer wollen nicht mehr weitermachen. Die Polizei muß uns unbedingt in Ruhe lassen, wenn nicht, dann stoppen wir."

Leblanc setzte alle Hebel in Bewegung und kontaktierte per Handy die Ermittlungsbehörden, die seit die Tour de France nach dem Start in Irland französischen Boden erreichte, hinter den Rennfahrern her sind wie die mittelalterliche Inquisition hinter den Hexen. "Ich (habe) mich an die zuständigen Behörden gewandt", verkündete Tourdirektor. "Wir handeln derzeit. (Ich) bitte Sie, meine Herren Sportdirektoren, Fahrer, Freunde, sich wieder auf den Weg zu machen. Die Direktion der Tour de France ist an Ihrer Seite. Und ich verspreche, daß ich vielleicht in einigen Minuten Zusicherungen geben kann, sobald ich selbst die Zusicherungen über die Bedingungen habe."

Das Feld rollte weiter, um Leblanc Zeit zu geben, mit den Behörden zu verhandeln. Einige Kilometer weiter stoppte das Feld
wieder. Riis ging vor, um sich über die Ergebnisse seiner "Verhandlungen" informieren zu lassen. Leblanc erreichte die Zusage, daß die Ermittler künftig "würdevoller" ihre Untersuchungen durchführen wollten. Fahrersprecher Riis: "Leblanc hat die Parole ausgegeben, daß so etwas (wie bei TVM) nicht mehr passiert. Da habe ich gesagt, daß wenn das so ist, dann habe ich die Gruppe hinter mir, dann fahren wir weiter."

Da irrte sich Riis jedoch. Bei weitem nicht das ganze Peloton war mit dem Erreichten zufrieden.

Chronologie der Ereignisse

Montag, 18:30 Uhr - Die Fahrer des Teams TVM-Farm Frites werden von der Polizei in ihren Zimmern im "Hotel Milion" in Albertville abgeholt. "Ein bärtiger Mann, den ich als Polizisten erkannte, kam in unser Zimmer, Bart Voskamp stand gerade unter der Dusche," so TVM-Rennfahrer Jeroen Blijlevens. "Wir mußten ein Papier unterzeichnen und sie haben uns ins Krankenhaus gebracht."

Montag, 19.00 - ca. 23:30 Uhr - Die sechs TVM-Rennfahrer werden im Hospital von Alebertville untersucht, es werden Leibesvisitationen durchgeführt. Außerdem werden Urin-, Blut, und Haarproben genommen. "Die Tests wurden sehr unprofessionell durchgeführt. Wir sind wie Tiere, wie Verbrecher behandelt worden", so Jeroen Blijlevens. Die TVM-Fahrer kehren weit nach Mitternacht zurück in ihr Hotel, kommen erst gegen 02:30 Uhr zum Schlafen. TVM-Teammanager Guido Van Calster erklärt: "Trotz des Schlafmangels, werden wir am Morgen am Start sein."

Dienstag, 12:30 Uhr - Vor dem Start in Albertville sieht man viele Fahrer aufgeregt miteinander diskutieren. Sergei Outschakov (TVM) spricht lange mit dem Träger des Gelben Trikots

Dienstag, 13:15 Uhr - In der Avenue de Winnenden wird die 17. Etappe der Tour de France gestartet.

14:45 Uhr - Nach 32,5km stoppt das Peloton in St. Jorioz. Streik. Nach vielen Diskussionen geht die Fahrt nach 20 Minuten "aus Respekt vor dem Publikum" weiter. Bei der Weiterfahrt reißen die Rennfahrer die Startnummern ab, um eine Klassifikation am Tage zu verhindern. Marco Pantani, Träger des Gelben Trikot ist unter den Ersten, die den Startnummern-Aufkleber wegreißen.

ca. 15:30 Uhr - Erneuter Stop bei KM 46. Heiße Diskussionen vor allem zwischen Luc Leblanc und Bjarne Riis. Laurent Jalabert rollt langsam zum ONCE-Teamfahrzeug und setzt sich neben seinen DS Manolo Saiz. Wenig später hebt ein Mechaniker das Rad aufs Fahrzeugdach. Jalabert und alle anderen Rennfahrer steigen aus der Tour aus.

15:40 Uhr Das restliche Feld rollt weiter.

17:00 Uhr Tourdirektor Jean-Marie Leblanc fährt mit seinem roten Fiat vor das Peloton und verliest über Radio Tour und Lautsprecher eine Erklärung (s. Kasten unten)

17:30 Uhr Nach und nach wird bekannt, daß auch Banesto und Riso Scotti aus dem Rennen ausgestiegen sind. Nachrichten-Agenturen melden, daß Polizisten vor den Teamhotels von Casino und ONCE auftauchen.

19:30 Uhr Zielankunft in Aix-les Bains. Nebeneinander fahrend fassen sich die sechs TVM-Rennfahrer bei den Händen und fahren gemeinsam über die Ziellinie. Direkt dahinter rollen die Träger der Wertungstrikots Zabel (Grünes), Massi (Berg) und Pantani (Gelbes) über den Zielstrich.

19:40 Uhr Statt der üblichen Siegeehrung tauchen auf dem Sieger-Podest Zabel, Massi und Pantani auf.

Luc Leblanc (Polti) lieferte sich vor laufenden Fernsehkameras gestenreiche Wortgefechte mit Riis, Laurent Jalabert setzte sich aufs Rad und fuhr nach hinten zu seinem Teamfahrzeug, stieg vom Rad und ins Auto. ONCE-Sportdirektor Manolo Saiz rief wenig später auch
alle anderen ONCE-Profis zurück. ONCE war aus der Tour ausgestiegen. "Die Tour ist vorbei für uns", so Saiz.

Der Rest des Pelotons machte sich nach 10 Minuten auf, um im Spazierfahrttempo die restlichen 70km unter die Räder zu nehmen. Allerdings ohne Startnummer, um die Wertung der Etappe von vornherein auszuschließen. "Wir fahren weiter fürs Publikum, das ist alles", rief Luc Leblanc beim Losfahren Reportern zu.

Die Reaktionen des Publikums waren gespalten. Die Werbekarawane und die vorausfahrenden Fahrzeuge von Journalisten und offiziellen Begleitern wurden zum Teil mit Buh-Rufen, Pfiffen und obszönen Gesten quittiert. Die nachfolgenden Rennfahrer wurden überwiegend mit freundlichem Beifall bedacht, es gab aber erstmals auch vereinzelte Pfiffe.

Die Hexenjagd geht weiter

Die Behörden ließen sich vom Fahrerstreik überhaupt nicht beeindrucken. Am Mittwoch abend fanden in mindestens drei Teamhotels polizeiliche Durchsuchungen statt.

Im Novotel Chambery, wo die Teams Lotto, Polti und Casino logierten, wurden Zimmer der Teammitglieder durchsucht. Es hieß in ersten noch unbestätigten Meldungen sogar, Casino Sportdirektor Lavenu sei verhaftet worden. Ebenso wurden im Hotel der Mannschaft Francaise des Jeux Polizeibeamte gesehen.

Auch das Hotel der ONCE-Mannschaft, die bereits ihren Ausstieg aus der Tour erklärt hat, wurde durchsucht. Laurent Jalabert wurde vernommen, nach Auskunft der Ermittler "in Würde". ONCE-Teamchef Manolo Saiz: "Es ist eine Schande. Was soll dieser Eifer? Warum war denn keiner etwa bei der Fußball-WM?"

Der niederländische sowie der belgische Radsportverband hat gegen das Vorgehen der französischen Behörden im "Fall TVM" protestiert. "Der Zeitpunkt, der Ort und die Methoden des Vorgehens gegen die TVM-Mannschaft und ihre Leitung ist nicht gerechtfertigt", so der Niederländer Joop Atsma und der Belgier Laurent Debacker in einer gemeinsamen Erklärung.

An der Verpflegungskontrolle in Lescheraines (KM 80,5), die an diesem Tag wahrlich nicht nötig war, hatte die Banesto-Mannschaft genug. Auch sie zog ihre Rennfahrer aus der Tour de France zurück. Kurz darauf auch noch Riso Scotti. Und am Abend packte auch Vitalicio die Koffer. Das spanische Team wird am Donnerstag nicht am Start sein.

Die restlichen gut 100 Rennfahrer setzten ihre Tour de Farce fort. An den Bergen, die das Feld ganz gemächlich hochfuhr, lassen sich viele Rennfahrer von Motorrädern und Fahrzeugen ziehen. Erst gegen 19:30 Uhr traf das Feld schließlich in Aix-les-Bains ein.

Im Ziel inszenieren die Rennfahrer eine symbolische Zieldurchfahrt. Die TVM-Fahrer setzten sich an die Spitze des Feldes, fassten sich bei den Händen und fuhren nebeneinander über den Zielstrich. Direkt dahinter fuhren Marco Pantani, Träger des Gelben Trikots, Erik Zabel, Träger des Grünen und Rodolfo Massi, Träger des Gepunkteten Trikots nebeneinander ins Ziel.

Doch diese scheinbare Einigkeit im Peloton täuschte. Viele hatten bei der Streikaktion nur mitgemacht, um Scherereien aus dem Weg zu gehen. "Ich wollte ein Rennen fahren. Ich bin hier, um meinen Beruf auszuüben. Aber was soll ich machen? Soll ich meine Startnummer dranlassen und mich unterwegs mit Flaschen bewerfen lassen?", meinte etwa Udo Bölts. Teamkollege Erik Zabel hatte andererseits aus Überzeugung mitgemacht und sprach geich nach der "Etappe" von politischen Intrigen, die die Ursache darin hätten, daß die französische Sportministerin von einem "anderen politischen Ufer" komme als der Präsident der Societé du Tour de France.

Rolf Aldag, der ebenso wie Telekomsportdirektor Godefroot gegen die Aktion war, ließ richtig Dampf ab: "Da sind vielleicht 5 Wortführer von (Laurent) Jalabert bis (Luc) Leblanc. Ich sage mal, die sind alle schon an der Tour zerbrochen. Jalabert schon die letzten 5 Jahre. Leblanc verliert gestern 24 Minuten und hat Probleme mit seinem Vater, weil der seine Schwiegertochter nicht akzeptiert. Das sind immer die selben Wortführer, die machen nur Scheiße, nur Streit."

Bei all der Aufregung blieb bei den meisten Beobachtern vor allem Trauer zurück. Trauer darüber, daß bei der 85. Tour de France der Sport so weit in den Hintergrund gerückt ist. Trauer darüber, daß einige französische Politiker und Behörden bei ihrem in der Sache richtigen Kampf gegen das Doping vollkommen die Verhältnismäßkeit der Mittel aus den Augen verloren haben. Aber auch Trauer darüber, daß Sportfunktionäre vor allem der UCI in den letzten 30 Jahren nichts getan haben, um das Dopingproblem zu bekämpfen und Rennfahrer wie Profi-Teams jetzt alleine lassen. UCI-Präsident Hein Verbruggen konnte übrigens noch keine Stellungnahme abgegeben. Er befindet sich im Urlaub.


Reaktionen und Stimmen:

Marco Pantani (Mercatone Uno), Träger des Gelben Trikots: "Es ist völlig unakzeptabel, wenn die Polizei beispielsweise zu mir käme, und sie fände nur Vitamin C. Die verfolgen uns wie Mörder. Man muß uns respektieren. Wir riskieren bei Abfahrten unser Leben. Das ist ein sehr harter Sport. Wenn die Polizei zu mir kommt, werde ich die Koffer öffnen. Sie werden nichts finden, und dann fahre ich nach Hause."

Erik Zabel (Telekom), Träger des Grünen Trikots: "Es ist ganz klar: wir sind zum Spielball der Behörden und Ermittler geworden. Da ist irgendein politisches Spiel im Gange. Die französische Sportministerin macht hier die Polizisten scharf und dann passiert sowas wie mit TVM. Wir werden unmenschlich behandelt, und das geht zu weit. Einige von uns haben den Ruf unseres Sports geschädigt. Aber wir haben ein gutes System mit Blutkontrollen und künftig auch Gesundheitschecks."

Walter Godefroot Telekom-Sportdirektor: "Das war ein schwarzer Tag für den Radsport. Es war ein wilder Streik, angezettelt von einigen Fahrern aus verschiedenen Teams, ohne einen abgesprochenen Plan. So kann man unser Gewerbe nicht ausüben. ich bin sehr enttäuscht und ich weiß nicht, wie es weitergeht. Wenn sich jemand von der Polizei schlecht behandelt fühlt, soll er sich einen Anwalt nehmen."

Udo Bölts (Telekom): "Ich wollte ein Rennen fahren. Ich bin hier, um meinen Beruf auszuüben. Aber was soll ich machen? Soll ich meine Startnummer dranlassen und mich unterwegs mit Flaschen bewerfen lassen? Eine gewisse Kollegialität ist aber wichtig, man darf sich nicht absondern."

Jens Voigt (Gan): "Wir sind doch nur Radfahrer! Wir sind doch nicht angeklagt, irgendwelche schweren Verbrechen begangen zu haben."

Bjarne Riis (Telekom): "Ich habe zu Leblanc gesagt, wir haben genug. Die Rennfahrer wollen nicht mehr weitermachen. Die Polizei muß uns unbedingt in Ruhe lassen, wenn nicht, dann stoppen wir. Leblanc hat die Parole ausgegeben, daß es so nicht mehr passiert. Da habe ich gesagt, daß wenn das so ist, dann habe ich die Gruppe hinter mir, dann fahren wir weiter." (...) "Was die (Polizei) macht, ist nicht korrekt. Wir sind keine Tiere."

Rolf Aldag (Telekom): "Ich kann nicht für die Mannschaft sprechen, es ist nur meine Meinung: Aber ich will mich bei den Zuschauern entschuldigen. Hier wie ein Radtourist 150km durch die Alpen zu fahren ist lächerlich. Was immer da vorgefallen ist mit TVM, ich kann esnicht beurteilen. Sicher, es war unmenschlich mit TVM, aber das ist keine Sache des Radsports. Das Problem ist: da sind vielleicht 5 Wortführer von (Laurent) Jalabert bis (Luc) Leblanc. Ich sage mal, die sind alle schon an der Tour zerbrochen. Jalabert schon die letzten 5 Jahre. Leblanc verliert gestern 24 Minuten und hat Probleme mit seinem Vater, weil der seine Schwiegertochter nicht akzeptiert. Das sind immer die selben Wortführer, die machen nur Scheiße, nur Streit. Da hat man sehr viele, die schwimmen mit und dann gibt es viele, die haben keine Meinung, die bleiben auch mit stehen. Und dann kommen 1 Million Leute an die Rennstrecke und wollen ein Radrennen sehen und wir fahren wie die Idioten wie Radtouristen an denen vorbei."


Die Erklärungen von Tourdirektor Jean-Marie Leblanc während der 17. Etappe:

Ca. 15:15 Uhr - Nach dem ersten Streik-Stop in Saint Jorioz:

    "Die Fahrer sind verständlicherweise zweifellos geschockt von den Rahmenbedingungen, unter denen einige von ihnen gestern (Dienstag) abend vernommen worden sind, wie sie Kontrollen unterworfen worden sind, oder auch, wie ihre Koffer vom Zoll zurückgehalten und geöffnet wurden. Ich bedauere zutiefst die Art und Weise, unter denen diese Operationen abgelaufen sind. Ich verstehe ihre Erregung." (...)

    "Da es so scheint, daß es heute abend weitere Vernehmungen geben soll - und ich sage sehr wohl Vernehmungen -, habe ich mich aus diesem Grunde an die zuständigen Behörden gewandt, um alle Garantien und Vorkehrungen zu erreichen, damit diese Operationen dieses Mal unter würdigen Bedingungen ablaufen - ich wiederhole: Bedingungen, die Hochleistungssportlern würdig sind, nach fast drei Wochen des Rennens." (...)

    "Wir handeln derzeit, damit diese kleineren Operationen - wie man mir gesagt hat - in den besten Bedingungen für die Fahrer ablaufen. Deshalb bitte ich Sie, meine Herren Sportdirektoren, Fahrer, Freunde, sich wieder auf den Weg zu machen. Die Direktion der Tour de France ist an Ihrer Seite. Und ich verspreche, daß ich vielleicht in einigen Minuten Zusicherungen geben kann, sobald ich selbst die Zusicherungen über die Bedingungen habe, unter denen einige von Ihnen an diesem Abend vernommen werden sollen. Und das Rennen wird dann wieder sein Recht bekommen."

Ca. 17:00 Uhr, nach dem zweiten Streik-Stop bei KM 80,5 über Radio Tour:
    "Auch wir sind bewegt von der Art und Weise, wie die Rennfahrer der Tour de France, jedenfalls einige von ihnen, gestern abend in Albertville behandelt worden sind; durch die medizinischen Kontrollen und Leibesvisitationen im Krankenhaus, die bis spät in die Nacht dauerten und durch exzessive Durchsuchungen im Hotel. Wir verstehen die Erschütterung der Rennfahrer. Wir glauben auch, daß nach 18 Tagen Wettkampf die Hochleistungssportler zweifellos eine bessere und humanere Behandlung verdient hätten."

    "Darum haben die Fahrer momentan durch ihren Sprecher Bjarne Riis erklärt, daß wenn sich am Abend in Aix les Bains ähnliche Vorfälle ereigneten, die Fahrer die Tour aufgeben würden."

    "Wir haben dann die größtmögliche Zahl von Kontakten mit den Behörden gesucht. (...) Die Untersuchungen werden (in Zukunft) in größtmöglicher Würde durchgeführt., d.h. in den entsprechenden Teamhotels, nicht auf Polizeistationen, damit die Rennfahrer der Tour de France das Rennen in Paris beenden können, nicht wie Kriminelle, sondern mit Heiterkeit und einem sportlichen Umfeld."

    "Wir wissen nicht, ob die Etappe von Albertville nach Aix les Bains abgesagt wird. Aber wir denken, daß im Grunde des Herzens Sie, liebe Sportdirektoren, und Sie, liebe Rennfahrer, es verdienen, am Sonntag auf den Champs Elysées gefeiert werden. Wir werden alles tun, um das zu erreichen, selbst wenn es notwendig sein sollte, heute mit dem Unverständnis der Öffentlichkeit zu leben. Ich danke Ihnen."


Ergebnisse: Tour de France - 17. Etappe

28.07.98 "Reaktion eines Champions": Am Col de la Madeleine wird der Gejagte zum Jäger
27.07.98 Mit Pantani gewinnt am mythischen Galibier die Romantik - Auf den Spuren von Coppi
26.07.98 Bahnspezialist Stuart O'Grady gewinnt in der Sechstagerennen-Hochburg Grenoble
25.07.98 Daniele Nardello holt vierten Mapei-Etappenerfolg, Telekom weiter mit "Grün" und "Gelb"
24.07.98 Erst Streik, dann Hochgeschwindigkeit- Steels gewinnt eine denkwürdige Etappe
22.07.98 Pantanissimo! Ullrich "am Rande einer Katastrophe" -Unglaublicher Roland Meier
21.07.98 Ullrich mit Demonstration der Stärke - Für Pantani beginnt die Tour
20.07.98 Im Schatten der Pyrenäen ist Jens Voigt der Mann des Tages
19.07.98 Die "Lokomotive" zieht Durand zum Sieg, Ullrich läßt Desbiens den Vortritt
18.07.98 Jan Ullrich auf dem Weg zu Toursieg Nr. 2, Telekom dominiert die Tour
17.07.98 Erik Zabels fehlendes "Gefühl zur Distanz" verhilft Cipollini zu Sieg Nr. 2
16.07.98 Erik Zabel verliert den Sprint und gewinnt das Grüne Trikot
15.07.98 Festina-Skandal macht Sprintsieg von Blijlevens zur Nebensache
14.07.98 Heppner durchkreuzt die französischen Hoffnungen am 14. Juli
13.07.98 Drama um Chris Boardman überschattet Zabels Triumph in Gelb
12.07.98 Steels schlägt Zabel, Cipollinis Träume zerplatzen 9km vor dem Ziel
11.07.98 Der Prolog-König schlägt wieder zu: Chris Boardman gewinnt Tour-Prolog








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