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25.07.98 - Nachdem Staatsanwälte und Ermittler im Wochenende
sind, konnte am Samstag auch das sportliche Geschehen endlich wieder
ganz im Mittelpunkt stehen. Und die |
13. Etappe bot gleich eine ganze
Reihe von interessanten Stories. Der vierte Tagessieg für Mapei durch
Daniele Nardello war nur eine davon. Spannend war auch, wie Luc Leblanc
attackierte, als keiner damit rechnete, und wie abgebrüht Telekom
unter der Anleitung von Bjarne Riis darauf reagierte.
Das Renngeschehen begann nach 55km mit einer Attacke von 12 Rennfahrern
aus 10 Teams. Andrea Tafi und Daniele Nardello Mapei),
Koos Moerenhout und Maarten den Bakker (Rabobank), Vicente Garcia-Acosta
(Banesto), Francois Simon (Gan), Massimiliano Mori (Saeco),
Stephane Heulot (FdJ), Fabio Roscioli (Asics), Marty Jemison (US Postal),
Nicola Minali (Riso Scotti) and Serguei Ivanov (TVM) kamen gut weg
und bei KM 107 lagen die Zwölf 5:15 Minuten vor dem Feld.
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Im Peloton machte zunächst Telekom, die Mannschaft mit dem
Gelben Trikot die Arbeit. | Später gesellte sich Cofidis
an der Spitze des Feldes zu den Männern um Jan Ullrich
und Bjarne Riis hinzu. "Wir haben mit Telekom zusammengearbeitet, weil wir
nicht wollten, daß die Fluchtgruppe zuviel Zeit holt",
so Cofidis-Sportdirektor Quilfen zu seiner Taktik. "Wir wollten den zweiten
Platz von (Bobby) Julich verteidigen."
Nach ca. 150km begann die Spitzengruppe aufzusplittern.
Zuerst fiel Nicola Minali den ständigen Attacken
und Tempoverschärfungen von Andrea Tafi zum Opfer,
nach und nach verkleinerte sich die Fluchtgruppe auf
ein Sextett mit Tafi, Nardello, Moerenhout, Jemison, Garcia.Acosta
und Heulot. Vor allem Tafi, der wieder einmal in seiner urtypischen
Art, -Griff oben am Lenker, aber dennoch den Kopf ganz unten-, die Lokomotive
machte, sorgte für ein hohes Tempo. 28km vor dem Ziel lagen Tafi und Co. 4:22
Minuten vor dem Feld und ein Durchkommen der Flucht zeichnete sich ab.
Am Anstieg zum einzigen Berg des Tages, dem Col de Murs 23km vor dem Ziel,
attackierte im Feld völlig überraschend
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Am Rande
Viel Arbeit hatten am Samstag die Streckenhelfer,
die etwa Strohballen an gefährlichen Stellen auslegen und
Warnhinweise für die Fahrer vor engen Kurven, Verkehrsinseln
usw. anbringen. Allein über 50 Kreisverkehre mußten
abgesichert werden zwischen Frontignan, Montpellier, Nimes und Carpentras.
Die Männer in orange begannen ihr Tagwerk bereits um 3 Uhr in der Frühe...
Ehrungen Mit der Erinnerungsmedaille der Tour de France wurden
am Samstag der Journalist Jean-Yves Donor (Le Figaro) und der
Ex-Rennfahrer Roger Pingeon ausgezeichnet. Donor begleitet die Tour
bereits seit 1967, dem Jahr übrigens, in dem Roger Pingeon,
der heute fürs Schweizer Fernsehen die Tour kommentiert,
die Frankreich-Rundfahrt gewann.
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Luc Leblanc (Polti), der
als Gesamtsechster mit 4:16 Min. Rückstand für das Gelbe Trikot
gefährlich war. Eine Attacke des Gesamtsechsten der Tour
bei einer Flachetappe sieht man nicht allzu oft. "Ich habe nichts zu
verlieren, also habe ich einfach mal etwas versucht, als es niemand erwartet hat",
so Luc Leblanc im Ziel.
Die Art und Weise, wie das Team Deutsche Telekom auf die sehr gefährliche
Attacke reagierte, zeugte von großer Klasse und vor allem von
mannschaftlicher Geschlossenheit und taktischer Abgeklärtheit.
Als Leblanc aus ca. 10. Position wegging, schauten sich Aldag, Henn und Heppner,
die ganz vorn im Feld die Arbeit machten, sofort um zu Bjarne Riis, dem
erfahrensten Telekom-Profi, der inzwischen 150prozentig für den
jungen Ullrich ackert.
Die "klassische" Lösung in dieser Situation wäre es eigentlich
gewesen, daß sofort ein Telekom-Fahrer nachsteigt und sich ans
Hinterrad von Leblanc hängt. Riis entschied anders.
"Wir mußten ruhig bleiben, auch als Leblanc angetreten ist. Es
war wichtig, zusammen zu bleiben, nicht in Panik zu geraten", so Riis
später. Riis behielt recht. Die geschlossene Telekom-Mannschaft
behielt an der Spitze des Feldes ihren gleichmäßig hohen
Rhythmus und Leblanc kam nicht viel weiter als 30 Sekunden weg.
Nach einigen Kilometern gab der Ex-Weltmeister sein Unterfangen auf.
Gleichwohl muß man auch Leblanc ein Riesenkompliment machen.
Diese Überraschungsattacke zeugte von einer tollen Moral. In den Alpen
dürfte man noch öfter zu sehen bekommen, wie "Lucho"
attackiert. Bei Leblanc sieht es zwar immer furchtbar aus, wie
er mit einer Riesenübersetzung sein Rad den Berg hoch drückt,
aber dennoch ist der Franzose an richtig hohen Bergen für Ullrich
eine ähnliche Gefahr wie Pantani.
Unterdessen fuhr die weiterhin sechsköpfige Spitzengruppe, die
mit 3:00 Min. Vorsprung vor Leblanc und 3:39 Min. vor dem Feld über
den Col de Murs (Kat.2) fuhr. In der Gruppe gab es auf den nächsten Kilometern
zwar noch die ein oder andere Attacke, mal von Heulot, mal von Tafi,
aber letztlich erereichten die Sechs gemeinsam die Stadtgrenzen des
Zielorts Carpentras.
Zwei Kilometer vor dem Ziel, der Vorsprung der Ausreißer betrug
immer noch reichlich 3 Minuten, begannen die taktischen Spielchen der
Spitzengruppe, in der sich niemand mit besonders guten Sprintfertigkeiten befand.
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Man belauerte sich bis kurz vor den Zielstrich. Stepane Heulot zog
schließlich den Sprint an, Nardello kam aus seinem Windschatten und
zog vorbei. Am Ende war es aber ganz knapp, erst das Zielfoto zeigte,
daß Nardello vor Garcia-Acosta und Tafi gewonnen hatte.
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"Es ist der größte Erfolg meiner Karriere", freute sich
der 25jährige Nardello, der 1994 seine Profi-Karriere bei Mapei
begann und aus der italienischen Radsporthochburg Varese stammt.
Das Hauptfeld mit dem Gelben Trikot und knapp 90 weiteren Rennfahrern
kam 2:51 Minuten nach dem Sieger ins Ziel. Den Sprint des Feldes
gewann Erik Zabel, aber viel interessanter als Zabels 11. Platz war,
daß er der einzige Sprinter war, der am Schluß
in dieser Gruppe noch mitgehen konnte. Ein weiteres Indiz dafür,
daß sich Zabel in einer Entwicklung vom reinen Sprinter zum mehr kompletten
Fahrer á la Laurent Jalabert befindet.

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Nichtsdestotrotz trägt aber Zabel weiterhin das Grüne Trikot
des besten Sprinters, und so ganz allmählich sieht es so aus, als
könne er dieses auch bis nach Paris tragen. Dies wäre
noch weit höher zu bewerten als sein |
Gewinn der Punktwertung
1996 und 1997, da er in diesem Jahr beim Sprinten fast ganz ohne
Mannschaftshilfe auskommen mußte. Auch das Gelbe Trikot
bleibt im Besitz von Telekom. Jan Ullrich führt die
Gesamtwertung weiter an vor Bobby Julich und Marco Pantani.
Stimmen:
Daniele Nardello (Mapei), Etappensieger:
"Es ist der größte Erfolg meiner Karriere. Es ist gut gelaufen
mit Andrea (Tafi). Am Ende war es auch so eine kleine Revanche
für die Italienische Meisterschaft,
wo er mich geschlagen hat. Ich glaube, ich bin ein kompletter Rennfahrer,
und wenn ich gut über die Alpen komme, erhoffe ich mir in
Paris einen Platz unter den ersten Zehn."
Luc Leblanc (Polti): "Ich habe nichts zu verlieren, also habe ich
einfach mal etwas versucht, als es niemand erwartet hat. Ich war vorn im Peloton
und ich hatte gute Beine. Aber es hat nicht gereicht, um bis ins Ziel durchzukommen.
Die Strecke kannte ich von Paris-Nizza, aber
ich war selbst überrascht, als ich so gut wegkam. In den Alpen werde ich
noch mal etwas probieren. Wenn ich wegkomme am Berg, dann kann eigentlich
nur Marco (Pantani) mich holen, Ullrich hätte da schon mehr Probleme,
vor allem, wenn ich in guter Form bin."
Bjarne Riis (Telekom): "Es war sehr gut, wie es heute gelaufen ist.
Wir wußten, daß wir ruhig bleiben mußten, gerade auch als
Leblanc angetreten ist. Es war wichtig, zusammen zu bleiben, nicht
in Panik zu geraten. Ich bin wirklich sehr zuversichtlich."
Walter Godefroot, Telekom Sportdirektor:
"Es lief sehr gut für uns heute. Die Jungs mußten
heute nicht ganz soviel arbeiten wie gestern, aber sie mußten
auch was tun. Ich hoffe, sie haben in den letzten zwei Tagen
nicht zuviel Kraft gelassen. Das waren keine Übergangsetappen."
Bernard Quilfen, Cofidis-Sportdirektor: "Wir haben am Ende
mit Telekom zusammengearbeitet, weil wir nicht wollten, daß die
Fluchtgruppe zuviel Zeit holt. Wir wollten den zweiten Platz
von (Bobby) Julich verteidigen. Es war nur eine Allianz aufgrund der Umstände.
In den Alpen werden Ullrich und Bobby wieder voll gegeneinander fahren."