Serie: 100 Jahre Tour de France (Teil IV)
Der Mythos läßt die Kasse klingeln
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25.06.03 (dpa) - Für den Direktor der Tour de France ist die Sache
klar. «Die Tour ist ein wesentliches Element der nationalen Einheit»,
sagt Jean-Marie Leblanc und schwärmt von der kommunikativen, der
sozialen, der menschlichen Dimension des Medienspektakels. Trotzdem
sollen natürlich auch nicht überhörbar die Kassen wieder klingeln.
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«Ich bin
stolz, die Verantwortung für dieses Monument zu tragen, das den
Menschen Glück bringt, sie ihre Unterschiede vergessen und sie
einfach miteinander leben lässt.» «Menschliche Wärme» ist für Leblanc
eines der herausragenden Merkmale des nach den Olympischen Spielen
und der Fußball-WM bedeutendsten Sportereignisses weltweit.
in ihren Bann ziehen als in den vergangenen Jahren. Wenn sich die 22
Teams in Paris auf die 20 Etappen umfassende, 3361 Kilometer lange
Strecke machen, ist eines jedoch genauso klar Die Tour soll wieder
ein Riesengeschäft werden - für Frankreich und den Rest der
kommerzialisierten Welt. Der Kasseninhalt der Sociéte du Tour de
France bleibt das gut gehütete Geheimnis der Muttergesellschaft
Amaury Sport Organisation. Die französische Wirtschaftszeitung «La
Tribune» schätzte den Tour-Gewinn auf rund 16 Millionen Euro.
Die französische Supermarktkette Champion zum Beispiel, einer der
vier Hauptsponsoren des gigantischen Spektakels, hat ihren Vertrag im
April bereits um weitere drei Jahre verlängert. Das Unternehmen mit
einem Jahresumsatz von rund 13,5 Milliarden Euro erwägt sogar, in
zwei weitere Radsport-Ereignisse der Sociéte zu investieren Paris-
Nizza und Paris-Roubaix. Auch den Managern der Großbank Crédit
Lyonnais scheint ein werbewirksames Engagement bei der Tour durchaus
lohnenswert Sie verlängerten ihren Vertrag mit den Veranstaltern bis
2008. Die Verhandlungen mit Nestlé und Fiat dauern noch an.
«Bei der Tour ist es wie im Geschäft», lautet auch das Motto von
Yoshizo Shimano, Chef des japanischen Fahrradzulieferers, der im
vorigen Jahr elf der damals 21 Mannschaften ausgerüstet hatte. «Nur
wer vorne mitfährt, macht sich einen Namen.» Denn in kaum einem
anderen Sport - von Hochsee-Regatten und Formel 1 einmal abgesehen -
werden die Namen der Sponsoren öffentlich so häufig werbewirksam ins
Bild gerückt wie bei der Tour de France. Der frühere Telekom-Chef Ron
Sommer wusste überdies ein Lied davon zu singen, dass private Treffen
der Sponsoren am Rande eines so prestigeträchtigen Sportereignisses
geschäftlichen Kontakten überaus förderlich sein können.
Für Frankreich, das weltweit stets zu den beliebtesten Reisezielen
gehörte, hat der internationale Rummel um die Tour noch eine weitere
geschäftliche Dimension. Denn wenn Lance Armstrong & Co. im
Hochsommer über spektakulär gelegene Pässe, durch malerische
Landschaften und schließlich über einen prachtvollen Pariser
Boulevard namens Champs Elysées ins Ziel strampeln, wird hoffentlich
allerorten Reiselust geweckt.
Durch Börsenkrise, schwächelnde Konjunktur sowie die Zurückhaltung
amerikanischer Touristen nach den Terroranschlägen vom 11. September
und den Irak-Krieg arg gebeutelt, ist Frankreichs Tourismus-Industrie
jede Werbung hoch willkommen. «Wir haben nicht damit gerechnet, dass
der Aufschwung so lange auf sich warten lässt», sagt Jean-Philippe
Pérol, Chef des Maison de la France, das im In- und Ausland für
Frankreich als Reiseziel wirbt. Vielleicht kann die bevorstehende
Jubiläums-Tour ein wenig dabei helfen, seine Sorgen zu zerstreuen.
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