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Ullrich mit Demonstration der Stärke - Für Pantani beginnt die Tour

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21.07.98 - Mit einer eindrucksvollen Demonstration der Stärke unterstrich
Titelverteidiger Jan Ullrich (Telekom) am Dienstag bei der ersten schweren
Bergetappe der Tour de France über 196,5km | und vier schwere Pyrenäenberge
von Pau nach Luchon, daß er der absolute Favorit der Rundfahrt ist.
Der Titelverteidiger konnte nicht zuletzt auch aufgrund einer sehr
starken Mannnschaftsleistung wieder das Gelbe Trikot überstreifen.
Ein kleines Feuerwerk brannte auch Marco Pantani (Mercatone) ab. Der "Pirat", der in der ersten Tour-Woche
fast aufreizend lässig unterwegs war, "tanzte" den letzten Berg des Tages
hoch und brachte Etappensieger Rodolfo Massi (Casino) am Schluß noch
um ein Haar um die Früchte seiner bravourösen Tagesleistung.
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Tagessieger Rodolfo Massi war der Mann des Tages. Bereits am Anstieg
zum 1.709m hohen L'Aubisque (Ehrenkategorie), dem ersten Berg des Tages
stahl sich Massi gemeinsam mit seinem Teamkollegen Alberto Elli
aus dem Feld davon. Kurz darauf gesellte sich Cedric Vasseur (Gan)
hinzu. "Als ich mit Elli wegging und Vasseur nachkam, dachte ich
überhaupt nicht an einen Etappensieg. Ich fuhr für Hamburger",
so Massi später.
Das Trio fuhr einen Husarenritt über L'Aubisque und
Tourkultberg Tourmalet (2.115m/Ehrenkat, KM 120) und ging dann
in den Anstieg zum Aspin (1.489m/1.Kat., KM 150).
Kurz vor dem Aspin hatten Massi und Co. über 7 Minuten Vorsprung vor dem
immer kleiner werdenden Feld mit den Favoriten. Dort machte Ullrichs Telekom-Team eine
vorzügliche Arbeit, allen voran Frattini, der seine späte
Hineinnahme am Dienstag absolut rechtfertigte. Neben Bölts,
Frattini und Totschnig zeigte sich auch Bjarne Riis sehr aktiv.
"Es ist wie eine Wiedergeburt", freute sich der Däne, der nach
dem Zeitfahren am Samstag enttäuscht war.
"Ich bin mit den besten mitgefahren und habe für Ullrich gearbeitet."
Damit scheint die Frage, wer Kapitän bei Telekom ist, wohl auch
beantwortet.
Der starke Rhythmus von Telekom trieb lange Zeit allen in der Gruppe
Gedanken an eine mögliche Attacke aus. Laurent Jalabert (ONCE)
versuchte es einmal, mußte aber später dafür bezahlen,
als er am letzten Berg das Tempo der Spitze nicht mehr halten konnte.
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Am Rande
Schwarzen Humor beweisen einige Fans:
Neben den Namen der Könige der Landstraße
war am Dienstag einige Male "EPO" auf die Straße gepinselt worden...
Der Mann am Streckenfunk war bei der 10. Etappe etwas verwirrt.
Die Vornamen von Massi änderten sich stündlich: Adolfo,
Roberto, Alberto- Nur selten wurde der Etappensieger mit seinem richtigen
Namen "Rodolfo" genannt.
Tomatenwurf Das Gan-Teamfahrzeug mit Roger Legeay am Steuer wurde von
einem Zuschauer mit Tomaten beworfen... Gründe für die
"Meinungsäußerung" sind nicht bekannt...
Kein Glück hatte Jaan Kirsipuu (Casino) mit seinem Meistertrikot.
Erst am Montag war das Trikot des estnischen Meisters in Frankreich angekommen,
am Dienstag mußte der Sprinter bei der 10. Etappe das Rennen aufgeben.
L'Autobus kam an:
Es gab zwar bei der schweren Pyrenäenetappe viele Aufgaben (u.a.
der Mitfavorit Francesco Casagrande/Cofidis und Zabels Sprintkonkurrent
Fred Moncassin/Gan), aber unter der altbewährten Führung
von "Busfahrer" Eros Poli kam das grupetto 31:45 Minuten
nach dem Sieger und damit locker im Zeitlimit an.
Starkes Team: Cofidis wurde bei der 10. Etappe
zunächst arg gebeutelt: Ihr Mann fürs Gesamtklassement
Francesco Casagrande stürzte bei der Nebel-Abfahrt vom ersten Berg,
dem L'Ausbique (Ehrenkat./KM 54). Teamkollege Desbiens, Träger
des Gelben Trikots, wartete, aber der Italiener
mußte später verletzt das Rennen aufgeben, ebenso
wie auch Phillippe Gaumont. Cofidis ließ sich aber nicht hängen,
im Gegenteil: Bobby Julich (4.), Kevin Livingston (14.), Roland Meier (17.),
Christophe Rinero (31.) fuhren ein formidables Rennen und Cofidis holte
die Führung in der Teamwertung. Julich ist außerdem
Zweiter im Gesamtklassement.
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Am nicht ganz so steilen, stufenförmigen Peyresourde-Anstieg
bot sich zunächst das gleiche Bild wie beim Aspin vorher. Vorne
Massi, Elli und Vasseur, dann hinter einigen versprengten Ausreißern
die Gruppe Ullrich. Der Titelverteidiger selbst machte einen ausgezeichneten
Eindruck. 7km vor der
| Passhöhe des Peyresourde führte er selbst
souverän die kleine Gruppe an, als seine Helfer ihre Arbeit getan hatten und
ausgepumpt zurückfielen, und hatte dabei
alles unter Kontrolle. Prominentes Opfer von Ullrichs Fahrstil war Abraham Olano,
der zurückfiel und damit wohl seine Hoffnungen auf den Gesamtsieg
begraben muß.
Eine erlesene Gruppe bildete sich hinter Ullrich: Saecos Leonardo Piepoli
(Vierter der Tour de Suisse), Italiens große Hoffnung Giuseppe Di Grande (Mapei),
Fernando Escartin (Kelme), Marco Pantani (Mercatone), Bobby Julich (US Postal),
Luc Leblanc (Polti), Laurent Madouas (Lotto), Michael Boogerd (Rabobank),
Jose Maria Jimenez (Banesto), Cyril Robin (US Postal) und Bjarne Riis.
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Form-Barometer
Jan Ullrich +++
Marco Pantani +++
Bobby Julich ++
Michael Boogerd ++
Giuseppe Di Grande ++
Jose Maria Jimenez ++
Bjarne Riis +
Evgeny Berzin +
Fernando Escartin +
Luc Leblanc +
Bo Hamburger -
Laurent Jalabert -
Abraham Olano -
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Zwei Kilometer vor der Passhöhe attackierte Marco Pantani.
Wie bei den Bergetappen der Tour 97 machte Ullrich nicht die
geringsten
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Anstalten, dem "Piraten" nachzugehen, weil er in der Gesamtwertung
keine Bedrohung in ihm sieht.
Pantani brannte sein Feuerwerk ab, das Appetit auf mehr machte.
"Il Pirata" tanzte die Anstiege hoch und zeigte einmal mehr, warum
er so viel Leidenschaft bei seinen Fans weckt. Nach weniger
als 1km hatte Pantani bereits 40 Sekunden auf seine Verfolger geholt.
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"Mir ging es nicht gut", so Pantani über seine späte Attacke.
"Ich hatte Probleme mit dem Magen, weil wir gestern zuviel getrunken
haben bei der Hitze. Daher war mein Plan zunächst, defensiv zu fahren,
aber auch wenn ich geschwächt bin, ist es kein Problem, 2km vor
der Passhöhe anzugreifen. Ich wollte einfach nur mal sehen..."
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An der Spitze des Rennens hatte inzwischen Rodolfo Massi attackiert
und lag alleine vorn, während Vasseur und Elli weit zurückfielen.
Mit dem Etappensieg vor Augen fuhr Massi, als sei der Teufel hinter ihm her
und Pantani hatte keine Chance mehr in der rasenden, 15km langen Abfahrt vom
Peyresourde hinunter ins Ziel in Luchon an Massi heranzukommen,
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auch wenn
Massi keine waghalsigen Manöver unternahm. "Ich bin ein durchschnittlicher
Abfahrer", meinte der Etappensieger im Ziel. "Ich war vorsichtig, weil ich
Angst habe bei Abfahrten."
Massi kam dennoch 36 Sekunden vor Pantani ins Ziel. Der Tour-Etappensieg
ist für den 32jährigen Massi, der seit 1987 Profi ist,
der größte Erfolg seiner Karriere. Massi übernahm
auch noch das gepunktete Trikot des in der Bergwertung führenden.
Auch Jan Ullrich, der mit den anderen der kleinen Gruppe
59 Sekunden nach Massi ins Ziel kam, hatte einen großen Tag.
Zum zweiten Mal bei der Tour 98 konnte Ullrich wieder
"sein" Gelbes Trikot anziehen. Und dieses Mal wird
er es wohl nicht so bald wieder abgeben. Nach seiner
Demonstration bei der ersten Pyrenäen-Etappe, wobei er
nicht einmal im entferntesten an seine Grenzen gehen mußte,
ist ihm eigentlich der Toursieg bereits kaum noch zu nehmen.
Vor der zweiten schweren Bergetappe am Mittwoch sorgt sich der
Titelverteidiger jedenfalls überhaupt nicht:
"Wegen der Ankunft in Plateau de Beille habe ich keine Sorgen.
Ich bin da gut gefahren bei der Route du Sud.
Die Konkurrenz ist jetzt zwar eine andere, aber ich kenne die Strecke."
Stimmen:
Rodolfo Massi (Casino), Etappensieger und neuer Träger des
Bergtrikots:
"Als ich mit Elli wegging und Vasseur nachkam, dachte ich
überhaupt nicht an einen Etappensieg. Ich fuhr für Hamburger,
aber dann ließ ich die Gelegenheit auch nicht vorübergehen.
Ich hatte einen kleinen Einbruch am Tourmalet. Als Elli nicht
mehr konnte am letzten Anstieg habe ich 6km vor der Passhöhe
attackiert. Bei der Abfahrt, hatte ich ein bißchen Angst,
daß mich Pantani noch einholt. Ich bin ein durchschnittlicher
Abfahrer. Ich war vorsichtig, weil ich Angst habe bei Abfahrten.
Ich habe zwar das Bergpreistrikot, aber jetzt wird wieder
für (Casino-Kapitän Bo) Hamburger gekämpft."
Jan Ullrich (Telekom), neuer Träger des Gelben Trikot:
"Es war der härteste Tag für mich bis jetzt.
Am Dienstag ging es ohne Übergang aus der Hitze in die
Kälte. Wegen der Ankunft in Plateau de Beille morgen habe ich keine Sorgen.
Ich bin da gut gefahren bei der Route du Sud.
Die Konkurrenz ist jetzt zwar eine andere, aber ich kenne die Strecke."
Marco Pantani (Mercatone Uno), Etappenzweiter:
"Mein zweiter Platz war nicht so der Rede wert, wie meine Magenprobleme.
Mir ging es nicht gut, weil wir gestern zuviel getrunken
haben bei der Hitze. Daher war mein Plan zunächst, defensiv zu fahren,
aber auch wenn ich geschwächt bin, ist es kein Problem, 2km vor
der Passhöhe anzugreifen. Ich wollte einfach nur mal sehen..."
Bobby Julich (Cofidis), Zweiter der Gesamtwertung:
"Ich habe an meinen Fähigkeiten am Berg
nicht gezweifelt. Ich werde es bestätigen müssen.
Ich würde gern eine Etappe gewinnen, aber die Konkurrenz
ist hart. Ullrich hat mich mit seiner Kraft beeindruckt,
Pantani mit seiner Schnellkraft, Diese beiden sind die stärksten
der Tour."
Ergebnisse: Tour de France - 10. Etappe
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