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18.07.98 - Es war wohl einer der merkwürdigsten Tage, den die
Tour je gesehen hat. Stunden nach der Disqualifikation
aller neun Festina-Rennfahrer, die teilweise wie die schlimmsten
Verbrecher behandelt wurden, feierten Hunderttausende Fans
ein Radsportfest. Bei dem 58km-Einzelzeitfahren der 7. Etappe der
Tour de France hatten indes die Telekom-Fans den meisten Grund zur Freude:
Jan |
Ullrich gewann überlegen die Etappe und schaffte die besten
Voraussetzungen für eine Titelverteidigung. Und nicht nur
das: Telekom führt nun mit Ausnahme der Berg- und "Kämpfer"-Wertung
in allen Klassements der Tour.
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Unter den Augen des französischen Staatspräsidenten
Jacques Chirac war Ullrich beim Zeitfahren wieder einmal
eine Klasse für sich. An seine Zeit von 1h 15:25,77 (46,143 km/h) kam
niemand näher als eine Minute heran. Damit übernahm Jan Ullrich
auch die Führung in der Gesamtwertung. "Jetzt haben wir
das Gelbe Trikot", so Ullrich im Ziel. "Wir wissen, daß
wir jetzt viel Arbeit bekommen. Aber wir sind bereit."
Hinter Ullrich kamen
völlig überraschend nicht Bjarne Riis, Zeitfahrweltmeister
Laurent Jalabert oder der favorisierte Abraham Olano auf die Plätze,
sondern zwei US-Amerikaner. Tyler Hamilton (US Postal), 27,
aus New England, fuhr das Zeitfahren seines Lebens und kam am Ende
auf einen sensationellen zweiten Platz. Dahinter kam Bobby Julich (Cofidis),
der im letzten Jahr die Tour auf einem vorzüglichen 17. Platz
abschloß, auf Platz Drei.
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Top
Vive le Tour Die Zuschauermassen an der Strecke
bewiesen, daß der Radsport lebt. Souvenir-Verkäufer
erlebten sogar einen Run auf Virenque-Pins und Poster.
Die Eltern von Laurent Roux (TVM), die einen Gasthof
in der Gegend von Correze haben, verkosteten Fans und Journalisten
am Rande der Strecke. Roux' Fanclub half eifrig mit.
Flop
Das Mapei-Team wäre beinahe zu spät zum
Start gekommen. Mapei logierte im selben Hotel wie
Festina. Die Belagerung des Hotels durch Reporter verursachte
ein solches Verkehrschaos, daß die Mapei-Teamfahrzeuge
kaum durchkamen.
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Laurent Jalabert (ONCE) fuhr noch mehr oder weniger ein gutes Zeitfahren, kam
auf Rang vier mit 1:24 Rückstand auf Ullrich.
Abraham Olano (Banesto), den viele als den großen Favoriten des
Tages gesehen hatten, enttäuschte hingegen. "Ich habe nicht die
Leistung gebracht, die ich erhofft hatte", so der Baske nach
der Etappe. Dennoch sah Olano noch durchaus hoffnungsvoll in die Zukunft:
"Ich denke, ich werde in den Bergen weniger Probleme haben. Ich habe heute
mit Ausnahme von Ullrich eigentlich auf keinen meiner Rivalen um den
Gesamtsieg Zeit verloren."
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Form-Barometer
Jan Ullrich +++
Bo Hamburger ++
Bobby Julich ++
Jens Heppner ++
Fr. Casagrande +
Luc Leblanc +
Marco Pantani +
Laurent Jalabert +/-
Abraham Olano -
Bjarne Riis -
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Für Bjarne Riis, der als "Co-Kapitän" von Telekom
gestartet war, ist der Kampf um eine Wiederholung seines Toursiegs
von 1996 jedoch erst einmal vorbei. Mit 3:44 Rückstand
kam der Däne nicht über einen 22. Platz hinaus.
Der Zeitfahrer Riis blieb damit noch hinter dem Bergfahrer
Jens Heppner (Telekom), der mit der Perspektive eines Platzes
unter den ersten 10 im Gesamtklassement der Tour voll fuhr.
Bei "Heppe", der bereits einen Etappensieg bei der Tour 98
verbuchen konnte, kam am Ende eine Super-Zeit heraus.
Platz 18 mit 3:25 Min. Rückstand bedeutete für den
Käsehändler aus Gera gleichzeitig Rang 10 im Gesamtklassement.
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Damit kann nun das Team Deutsche Telekom nach sieben Etappen
eine einzigartige Bilanz vorweisen. Neben dem Gelben Trikot
von Jan Ullrich, Heppners 10. Platz in der Gesamtwertung,
und zwei Etappensiegen ist auch Zabels Grüne Trikot
des Punktbesten im Team. Und als ob das noch nicht genug wäre,
liegt das Telekom-Team auch noch vorn in der Mannschaftswertung.
Ullrichs erster Platz in der Wertung des besten Nachwuchsfahrers
ist da kaum noch der Rede wert.
Doch ist dies nur natürlich nur eine Zwischenbilanz.
Wenn Einzelkämpfer Erik Zabel, den das "berglastige" (Zabel)
Telekom-Team bei den Sprints nur mangelhaft unterstützen kann, das
Trikot des Punktbesten nach Paris bringen könnte, wäre
dies für die echten Sprinterteams wie Saeco, TVM oder Gan
ein Debakel.
Und auch Ullrichs Kampf um den Gesamtsieg hat erst begonnen.
"Drei Minuten Vorsprung sind in den Bergen keine große
Sache", erklärte Ullrich am Samstag. Die erste große
Bergetappe steht am kommenden Dienstag auf dem Programm.
Bis dahin dürfte Erik Zabel noch einmal zwei Chancen für
einen Sprint-Etappensieg bekommen.
Stimmen:
Jan Ullrich, Etappensieger und neuer Träger des Gelben Trikot:
"Ich denke, ich war in guter Kondition. Ich habe die richtige Wahl
getroffen mit dem neuen Zeitfahr-Rennrad von Pinarello.
Die Strecke war sehr bergig und die Straße war nicht gut.
Ich hatte Angst, wegen eines Defekts Zeit zu verlieren. Wie morgens
beim Einfahren, als ich auch Defekt hatte. Es ist meine dritte Tour
und ich habe bewiesen, daß ich mich richtig vorbereiten
kann, entgegen der ganzen Kritik. Ich habe zwar heute gewonnen,
aber die Tour ist deswegen noch lange nicht vorbei. In den Bergen sind
drei Minuten keine große Sache. Jetzt haben wir das Gelbe Trikot.
Wir wissen, daß wir jetzt viel Arbeit bekommen. Wir sind bereit."
Abraham Olano: "Ich habe nicht die
Leistung gebracht, die ich erhofft hatte.
Ich denke, ich werde in den Bergen weniger Probleme haben. Ich habe trotz allem
heute mit Ausnahme von Ullrich eigentlich auf keinen meiner Rivalen um den
Gesamtsieg Zeit verloren."
Marco Pantano (Mercatone Uno): "Ich habe heute nicht alles gegeben,
weil ich Angst habe, daß ich später für meine
Anstrengungen bezahlen muß. Ich bin nicht in perfekter Form,
weil ich zwischen meinem Erfolg beim Giro
und dem Tourstart nicht gefahren bin. Meine Tour beginnt am Dienstag
in den Bergen."