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17.07.98 - Fast scheint es, als habe Erik Zabel das Sprinten verlernt.
Wie bereits am Vortag trat der Deutsche Meister bei
der sechsten Etappe der Tour de France viel zu früh an und verhalf
so seinem größten Rivalen Mario Cipollini (Saeco) abermals
zu einem Triumph. "Mit fehlt momentan das Gefühl für die Distanz
zur Linie", so Zabel, der weiterhin das Grüne Trikot des Punktbesten
trägt. In der Gesamtwertung konnte der Australier |
Stuart O'Grady (Gan)
seine Führung ein weiters Mal behaupten. "Es waren drei Tage wie
im Traum", freute sich "Stu", der beim schweren Zeitfahren am Samstag das gelbe
Trikot aller Voraussicht nach abgeben werden muß.
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Nach dem Start in La Chatre rollten sich die 182 verbliebenen Rennfahrer zunächst
im kompakten Peolton ein. Auch nach dem ersten Zwischensprint bei KM 26,5,
den Jan Svorada (Mapei) vor Erik Zabel gewann, herrschte zunächst
noch Ruhe im Feld. Eine 13köpfige Fluchtgruppe bildete sich zunächst,
u.a. mit den Festina-Fahrern Armin Meier und Christophe Moreau,
sowie Jens Heppner (Telekom) und Jens Voigt (Gan), die von ihren
Mannschaften als Aufpasser mitgeschickt wurden. Als diese Gruppe
etwa bei KM 100 vom Feld wieder eingeholt war, konterte Cedric Vasseur (Gan).
Max Sciandri (FdJ) und Jose Rodriguez (Kelme) gingen mit.
Die Taktik von Gan war klar: Indem Vasseur ausriß, brauchte
die Mannschaft im Feld nicht für ihr Gelbes Trikot zu arbeiten
und konnte Kräfte schonen. "Cedric hatte gute Beine", so
Stuart O'Grady, der Gesamtführende später. "Und es wäre
kein Problem für mich gewesen, wenn er das Trikot geholt hätte."
Die Gruppe ging gut, bis zu sechs Minuten konnte das Trio auf das Feld herausfahren
und bei Vasseur kamen Erinnerungen an die Tour 97 hoch, als er in Chatre
nach einer 147km-Flucht Etappensieg und Gelbes Trikot holte.
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Am Rande

"Wenn man ihn als Rennfahrer sieht, dann weiß man,
daß es nicht mehr weit ins Ziel ist. Aber angenehm ist
das nicht, wenn da einer neben Dir herrennt mit einer Gabel
in der Hand." -- Eurosport- Co-Kommentator Tony Rominger
über Didi Senft, der seit Jahren als Teufel verkleidet
10 km vor dem Ziel bei allen wichtigen Rennen an der Strecke
steht.
"Bon Dopage" - Fan-Transparent bei der 6. Etappe.
Persönliche Glückwünsche übermittelte der
australische Premier-Minister John Howard
an Stuart O'Grady am Freitag. "Als erster Australier seit 1982,
dem die außergewöhnliche Leistung gelang, das Gelbe Trikot
zu erringen, können Sie mit Recht stolz auf sich sein",
schrieb der Premier.
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Bei der Tour 98 jedoch wiederholte sich die Geschichte nicht.
Im Feld taten die Teams der Sprinter ihre Pflicht und der
Vorsprung schmolz kontinuierlich zusammen.
10 Kilometer vor dem Ziel waren die Träume von Vasseur
ausgeträumt, das Feld wieder komplett.
In der Folge versuchten noch eine Reihe von Rennfahrer kurz
vor dem Ziel eine Last-Minute-Attacke, aber das Feld zeigte
sich aufmerksam. Die Entscheidung mußte im Massensprint
fallen.
Zunächst sah es gar nicht gut aus für Mario Cipollini,
als er drei Kilometer vor dem Ziel sein Helfer Mario Scirea,
der normalerweise eine wichtige Rolle beim Anfahren des Sprint für seinen
Kapitän spielt, verlor. Erik Zabel sprang unfreiwillig in
Cipollinis Helferrolle, als er schon weit vor dem Zielstrich antrat.
"Cipolla" brauchte sich nur an Zabels Hinterrad zu halten.
"Ich sah das erste mal, daß ich wohl gewinnen könnte,
als ich 800 Meter vor dem Ziel Zabels Hinterrad hatte",
so Cipollini.
Zabel war sich nachher seines groben Schnitzers wohl bewußt.
"Ich habe auch irgendwie nicht mehr das Gefühl
zur Distanz zur Linie", so Zabel, der auch verunsichert ist,
weil ihm sein Team auf dem letzten Kilometer
überhaupt keine Unterstützung geben kann. Nachdem
Telekom auf die Mitnahme von Giovanni Lombardi verzichtete,
fehlt Zabel der so wichtige "Startblock" im Finish.
Cipollini ließ sich das Geschenk unterdessen nicht entgehen.
Kurz vor dem Zielstrich ging der Italiener aus Zabels Windschatten
und fuhr einem ungefährdeten Sprintsieg heraus. Zabel
kämpfte verbissen bis zum Schluß, aber auch der
allerbeste Sprinter kann seine End-Höchstgeschwindigkeit einfach nicht
fast 1 km lang halten. Das Paradoxe an der Entscheidung: Zabel war
eigentlich der stärkste Sprinter des Tages, aber das half nichts,
sein Timing war vollkommen daneben.
Trost für Zabel: Er hatte das Grüne Trikot des Punktbesten
wieder verteidigen können.
Stimmen:
Mario Cipollini (Saeco), Etappensieger:
"Ich habe nicht gedacht, daß ich heute gewinnen könnte.
Die Strecke erschien viel schwerer als am Donnerstag. Glücklicherweise
haben Telekom und meine Teamkollegen dann die Pace gemacht. 800 Meter vor dem
Ziel habe ich Zabels Hinterrad genommen. 300 Meter vor dem Ziel
habe ich beschleunigt und ich habe gewonnen. Es war nicht leichter
als sonst. Ich hoffe, noch weitere Etappen nach dem Zeitfahren zu gewinnen."
Erik Zabel (Telekom), Etappenzweiter und Träger des Grünen
Trikots: "Es fehlt mir schon der Mann für den
letzten Kilometer. Aber ich habe auch irgendwie nicht mehr das Gefühl
zur Distanz zur Linie. Heute habe ich gemerkt, daß ich da Probleme
mit habe. Aber auch Anerkennung an Cipollini. Jeder Tag ist anders
bei der Tour und je länger die Tour dauert, desto größer
werden die Unterschiede zwischen den Fahrern, Ich hoffe, daß
ich in den Bergen weniger abbaue als andere."
Stuart O'Grady (Gan), Träger des Gelben Trikot:
"Die Taktik war, einen aus dem Team in eine Fluchtgruppe
zu bringen. So brauchten wir nicht zu arbeiten.
(Gan-Sportdirektor) Roger Legeay wollte nicht, daß
sich das Team aufreibt bei der Verteidigung des Gelben Trikots.
Ich habe drei Tage lang einen Traum erlebt und morgen habe ich die Ehre
das Zeitfahren als Letzter in Gelb fahren zu dürfen.
Ich weiß, daß es mein letzter Tag in gelb sein wird."
Jens Voigt (Gan):
"Es ist schon super-schwer mit dem Gelben Trikot im Team.
Jeder attackiert dich und keiner hilft dir. Aber es ist
schon eine große Ehre. Viel Feind, viel Ehr'...!"
Max Sciandri (FdJ), einer der drei Ausreißer des Tages:
"Es war die härteste Etappe bisher. Wir haben uns gut verstanden
bis 20 km vor dem Ziel. Da hat (Cedric) Vasseur aufgehört
zu führen. Zu zweit war es für uns aber zu schwer.
Ich habe die Taktik von gan heute nicht ganz verstanden."
Richard Virenque (Festina): "Die Aufmunterungen, die
wir heute den ganzen Tag über erhielten, haben mich
sehr getröstet nach all diesen schweren Tagen. Das gibt
mir zusätzliche Motivation."