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Heppner durchkreuzt die französischen Hoffnungen am Nationalfeiertag

14.07.98 - Jens Heppner (Telekom) gewann am Dienstag die dritte Etappe der Tour de France. "Heppe" hatte sich in einen spannenden Finish aus einer neunköpfigen Ausreißergruppe absetzen können, nachdem er unterwegs als Aufpasser in der Fluchtgruppe hatte Kräfte schonen können. "Mit 34 Jahren
ist dies sicher der schönste Sieg meiner Karriere", so Heppner, der auch ein wenig an die ominöse Jury-Entscheidung bei der Tour im Vorjahr dachte, als ihm ein guter Tageserfolg gestohlen worden war. In der Gesamtwertung verlor Erik Zabel bereits nach einem Tag sein Gelbes Trikot an Bo Hamburger (Casino). "Heute war es für mich paradoxerweise leichter, das Gelbe Trikot zu holen als den Tagessieg", wunderte sich Hamburger nach der Etappe.

Bereits am Start im schön gelegenen Badeort Roscoff hatte am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, eine ausgelassene und fröhliche Atmosphäre geherrscht. Vereinzelte bretonische Fahnen und unzählige Tricolore-Fahnen wurden geschwenkt und neben der Anfeuerung für die Rennfahrer wurde hie und da auch noch ein Hochruf auf den WM-Sieg der französischen Nationalmannschaft laut. Von Start bis ins Ziel feierten die Bretonen, von denen es heißt, sie seien das radsport-verrückteste Volk in Frankreich, ein Riesenfest.

Diese Atmosphäre färbte auch auf die Rennfahrer ab, obwohl natürlich von vornherein klar war, daß am Juillet 14 französische Fahrer mit aller Macht ihr Glück versuchen würden. "Daß heute eine Fluchtgruppe früh gehen würde war sicher wie das Amen in der Kirche", meinte später Erik Zabel, der es als Träger des Gelben Trikot am Start sichtlich genoß, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen.

Bereits nach 29 Kilometern bildete sich die erste Fluchtgruppe. Auf Initiative von Christophe Agnolutto (Casino) setzten sich 15 Rennfahrer vom Feld ab. Aus dieser Gruppe schälte sich dann wenig später nach dem ersten Zwischensprint in Commana (KM 39,5) die neunköpfige Gruppe heraus, die schließlich einen Vorsprung aufs Feld bis ins Ziel halten sollte. Bo Hamburger, Pascal Chanteur (beide Casino), der US-Meister George Hincapie (US Postal), Stuart O'Grady (Gan), der bretonische Lokalmatador Xavier Jan (FdJ), Pascal Herve (Festina), die Spanier Cabello (Kelme) und Garcia-Acosta (Banesto) sowie Jens Heppner kamen schnell vom Peloton weg. Die Gruppe arbeitete gut zusammen, wobei sich natürlich Heppner als Aufpasser nicht an der Führungsarbeit beteiligen konnte. "Ich wollte das Gelbe

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Der am Montag schwer gestürzte Chris Boardman konnte am Dienstag bereits die Uni-Kinik in Cork verlassen. der 29jährige erlitt keine größeren Verletzungen, auch keine Knochenbrüche. An den Unfall konnte er sich nicht mehr erinnern: "Ich habe nicht die geringste Idee, was passiert ist. Ich erinnere mich, daß wir eine Windkante fuhren- dann war ich auch schon im Krankenwagen." Und Boardman weiter: "Wenn ich schon bewußtlos wurde mit Helm, dann möchte ich gar nicht daran denken, was mir ohne Helm passiert wäre. Das war eine echte Lektion für mich."

Die Zuschauer in der radsportverrückten Bretagne: Am französischen National-Feiertag gab es unglaubliche Zuschauermassen. Unter den begeisterten Schaulustigen war sogar ein frisch vermähltes Brautpaar...

Flop

PR-Gag nur auf dem Papier... "Zu Zabels Ehren trug am Dienstag sogar ganz Telekom Gelb. Die Mitarbeiter aller T-Punkte Deutschlands waren neu eingekleidet worden", hieß es am Dienstag in einem Agentur-Bericht. RADSPORT-NEWS.COM fragte am Dienstag in mehreren T-Punkt-Läden nach. Ergebnis: Niemand wußte etwas von der Aktion.

Trikot von Erik Zabel vetreidigen", so Heppner nach seinem Sieg. "Da ist es normal, daß ich in der Gruppe nicht arbeite."

Bei der Verpflegung bei KM 102 betrug der Vorsprung der Neunergruppe bereits sieben Minuten auf das Feld,

wo man zunächst nicht reagiert hatte. Dann jedoch nahm im Peloton Telekom das Heft in die Hand und der Vorsprung begann drastisch zu schrumpfen. "Bjarne kam zu mir und fragte 'was sollen wir machen'", erinnert sich Zabel. "Dann haben Bjarne und ich entschieden, daß wir Tempo machen, um eventuell das Gelbe verteidigen zu können."

Als sich neben Telekom auch Teams wie ONCE, Riso Scotti und Polti an der Nachführarbeit beteiligten, wurde das Tempo im Peloton höher und höher. Wie an der sprichwörtlichen Perlenschnur aufgereiht zog sich das Feld auseinander und der Vorsprung der Ausreißer wurde kleiner und kleiner. 20 Kilometer vor dem Ziel lagen die neun Führenden noch 3 Minuten vor dem Feld.

Aber dieser Vorsprung reichte, nicht zuletzt auch weil sich die Ausreißer in dieser Phase nie unsicher wurden und nicht wie sonst so oft in solchen Fällen, vor lauter bangen Blicken zurück das Fahren vergaßen.

In den Straßen von Lorient begann dann ein spannendes Finish. Vicent Garcia-Acosta trat als erster an und versuchte sein Glück. Als der Spanier wieder von seinen Mitausreißern eingefangen war, versuchte es Pascal Herve. Jens Heppner fuhr das Loch zu. Dann trat Xavier Jan an. Wieder konterte Heppner. "Der Jan hat sich schon auf den letzten Kilometern immer noch hinter mich gesetzt", schilderte Heppner nach der Etappe seine Gedanken in der Situation. "Aber ich durfte ja wegen unserem Gelben Trikot nicht Tempo machen. Als der dann am Schluß antrat, dachte ich, nee, Hauptsache der gewinnt nicht."

Heppner heftete sich an das Hinterrad des Franzosen und hinter den beiden tat sich gleich ein großes Loch auf. Heppner ging 500 Meter vor dem Ziel an Jan vorbei und ließ sich die Führung nicht mehr nehmen und gewann zum ersten Mal in seiner Karriere eine Tour-Etappe.

Zum Stellenwert dieses Erfolgs meinte Heppner, der schon einmal eine Tour de France als Gesamtzehnter abschließen konnte: "Ein Etappensieg ist schon das Größte. Danach kommt eigentlich nur noch der Gesamtsieg."

Mit dem Erfolg hat Heppner, der in Gera geboren wurde ist und heute in Belgien lebt, auch das Kapitel "Dijon" geschlossen. Bei der Tour de France 1997 war Jens Heppner in einem "Ellbogen-an-Ellbogen"-Sprint von Bart Voskamp geschlagen worden, aber später abenso wie Voskamp in einer absolut unverständlichen Jury-Entscheidung deklassiert worden. "Ich habe an diesen Sprint gedacht", so Heppner in Lorient.

Mit Heppners Sieg konnte man sich beim Telekom-Team mehr als hinwegtrösten über den Verlust des Gelben Trikots, das Bo Hamburger übernahm. Der Däne sagt, er sei seit der Geburt seiner Tochter Ende letzten Jahres ein neuer Mensch. Und der Fleche Wallone-Sieger hat bei dieser Tour
noch große Ziele. Am Ende möchte der 28jährige im Gesamtklassement unter den fünf Besten sein.


Stimmen

Jens Heppner: "Heute bin ich nur defensiv gefahren. Es hat gereicht, 800 Meter vor dem Ziel anzugreifen um zu gewinnen... Ich habe das Gelbe Trikot von Erik Zabel verteidigt, da war es ganz normal, daß ich in der Fluchtgruppe nicht geführt habe. Mit 34 Jahren da ist dies wirklich der schönste Sieg meiner Karriere. Umso mehr, als ich letztes Jahr in Dijon deklassiert wurde nach diesem Sprint damals."

Bo Hamburger (Casino), Neuer Träger des Gelben Trikots: "Heute war es für mich paradoxerweise leichter, das Gelbe Trikot zu holen als den Tagessieg. Ich wußte, daß ich gegen Hincapie und einige andere keine Chance hatte. Daher habe ich ein paar Sekunden bei den Zeitbonifikationen der Zwischensprints mitgenommen. Mein Traum ist es, das Gelbe Trikot bis zum Zeitfahren zu behalten. Das ist nicht unmöglich, aber ich werde kämpfen müssen. Für unser Team wird es von jetzt an einfacher, denn wir haben eines unserer Ziele schon erreicht."

Xavier Jan (FdJ), Zweiter der Etappe: "Ich habe es versucht... Ich versuchte an Heppner dranzubleiben, als er antrat. Ich sagte mir: warum nicht? Aber ich wußte, daß ich keine großen Chancen hatte, auch wenn ich mich am Schluß etwas geschont hatte. (Heppner) hatte mich immer unter Kontrolle. Ich bin auch mehr ein Bergspezialist."


Ergebnisse: Tour de France - 3. Etappe

13.07.98 Drama um Chris Boardman überschattet Zabels Triumph in Gelb
12.07.98 Steels schlägt Zabel, Cipollinis Träume zerplatzen 9km vor dem Ziel
11.07.98 Der Prolog-König schlägt wieder zu: Chris Boardman gewinnt Tour-Prolog








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