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Drama um Chris Boardman überschattet Zabels Triumph in Gelb

13.07.98 - Jan Svorada (Mapei) gewann am Montag die zweite Etappe der Tour de France, aber neben dem Sprintsieg des tschechischen Meisters werden auch andere Dinge nach dieser denkwürdigen Tour-Etappe in Erinnerung bleiben. Der Träger des Gelben Trikots Chris
Boardman (Gan) mußte nach einem Sturz die Tour de France aufgeben noch bevor die Tour französischen Boden erreichte. Zum Zeitpunkt von Boardmans Sturz lag jedoch rechnerisch bereits ein anderer an der Spitze des Gesamtklassements: Erik Zabel hatte bei den Zwischensprints unterwegs fleißig Sekunden gesammelt. Als Zabel am Ende der Etappe das heißersehnte Gelbe Trikot überstreifen durfte, war es schließlich auch unerheblich, daß Zabel und Telekom beim Finalsprint wieder nicht gut ausgesehen hatten.

55 Kilometer vor dem Ziel geschah Boardmans Sturz. Nach Aussagen von Boardmans Teamkollegen Eros Poli berührte Boardman das Hinterrad von seinem vor ihm fahrenden Teamkollegen Frederic Moncassin. "(Boardman) stürzte ins Kiesbett am Rand der Straße",
so später Tour-Direktor Jean Marie Leblanc, der aus seinem Fahrzeug heraus Augenzeuge des Unfalls war. "Er ist dann kopfüber auf einen Markierungspfosten aus Holz gestürzt."
Was zunächst die schlimmsten Befürchtungen hervorrief --Boardman blieb am Boden scheinbar bewußtlos liegen-- stellte sich dann jedoch als nicht ganz so schlimm heraus. Boardman wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Ein Bild, das sicher lange in Erinnerung bleibt, war der Krankenwagen, der mit dem Träger des Gelben Trikot darin , das Feld der Rennfahrer überholte. Im Krankenhaus wurde Boardman gründlich untersucht. Im medizinischen Tour-Communiqué gab es am frühen Abend dann Entwarnung. Chris Boardman zog sich "nur" eine schwere Gehirnerschütterung zu, kann aber aller Voraussicht bereits am Dienstag das Krankenhaus verlassen.

Für Boardman ist das vorzeitige Tour-Aus besonders bitter, da er bereits schon einmal nach einem Sturz früh der Tour adieu sagen mußte. 1995 stürzte der 5malige Tour-Prologsieger bereits beim Tourauftakt nach wenigen Kilometern.

Nach Boardmans Sturz war das Peloton sichtlich geschockt. Das Feld rollte fast ratlos vor sich hin. Schnell verbreitete sich unter den Rennfahrern die Nachricht, daß das Gelbe Trikot schwer gestürzt war. Bei dem ein oder anderen Rennfahrer dürften Erinnerungen an den tragischen Unfall von Fabio Casartelli von 1995 aufgekommen

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Irisches Publikum Selten hat man so viele begeisterte und begeisternde Zuschauer gesehen wie an den drei irischen Tour-Tagen. Und das obwohl es keinen einzigen irischen Tour-Teilnehmer gibt.

Mannschaftsgeist bei Gan Als Kapitän Boardman verletzt ausgeschieden war, attackierten Francois Simon und Eddy Seigneur zu Ehren ihres Chefs. Zeugt von tollem Teamgeist.

Flop

Tour-Papparazzi - Wann immer ein Sturz passiert, stürzen sich Dutzende Tour-Fotografen ins Gewimmel der am Boden liegenden Rennfahrer, knipsen die Verletzten. Nicht selten noch bevor ärztliche Hilfe da ist. Ein unwürdiges Schauspiel.

Undurchsichtige "Kämpferwertung" Die Wertung der Combativité, also des kämpferischsten Fahrers (rote Startnummer) ist eine schöne Sache- aber die Bewertungskriterien der Fach-Jury sind einfach zu subjektiv und nebulös: Am Montag gewann übrigens Christophe Agnolutto (Casino) die Wertung, aber insgesamt führt weiter Jacky Durand (Casino) in der Wertung mit 27 Punkten. Zweiter Paul Van Hyfte (Lotto) mit 15 Punkten.

sein. Erst als nach und nach klar wurde, daß Boardman noch glimpflich davongekommen war, löste sich die Anspannung.

Erik Zabel: "Det Trikot hat mir noch jefehlt!"
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Zwei Teamkameraden von Boardman, Eddy Seigneur und Francois Simon prägten dann in der letzten Stunde das Renngeschehen. Ihr Kapitän wird sich sicher gefreut haben über diese schöne Geste seines Teams, aber 15 km vor dem Ziel war der Fluchtversuch des Gan-Duos vorüber, das Peloton wieder komplett.

Kurz nachdem Simon und Seigneur vom Feld geschluckt worden waren, sorgte ein erneuter Massensturz im Feld für Aufregung. Unter den Opfern wiederum prominente Namen: Andrej Tchmil, Abraham Olano, Laurent Brochard, Richard Virenque- sie alle kamen zu Fall, verletzten sich aber nicht, konnten gleich weiterfahren und fanden schnell wieder den Anschluß ans Feld.

Als das Feld 8km vor dem Zielstrich die Stadtgrenzen von Cork erreichte, waren die taktischen Spielchen der Sprintvorbereitung schon voll im Gange. Früh, wohl zu früh setzte sich Telekom an die Spitze des Feldes. Zwei Kilometer vor dem Ziel lösten dann andere Teams Telekom ab, TVM und Saeco-Trikots dominierten nun an der Spitze des Feldes. Zabel lag zunächst noch gut an ca. 15. Position und heftete sich auf der Zielgerade an das Hinterrad von Frederic Moncassin. Vorne führte 200 Meter vor dem Ziel der Etappensieger des Vortags, Tom Steels. Als Steels begann langsamer zu werden kam aus seinem Windschatten sein Teamkollege Jan Svorada, der schließlich einen ungefährdeten Tageserfolg herausfahren konnte. Zweiter mit gut einer Länge Rückstand wurde Robbie McEwen (Rabobank) vor Mario Cipollini (Saeco).

Erik Zabel mußte ebenso wie Moncassin den Anstrengungen im Kampf um die Zwischensprints des Tages Tribut zollen. Aber für Zabel waren dies gut angelegte Anstrengungen: Aufgrund der angesammelten Zeitbonifkationen konnte der Deutsche Meister am Ende das Gelbe Trikot des Gesamtbesten überstreifen.
"Sicher, ich hätte mich gern etwas besser plaziert im Schlußsprint, aber ich war unterwegs fleißig und dieses Trikot fehlte mir noch", freute sich Zabel. "Es ist ein großer Moment für mich. Mein Sportdirektor hat zu mir gesagt, dies sei eine verdiente Belohnung für meine Arbeit im Team, selbst wenn ich es nur für einen Tag tragen sollte."


Ergebnisse: Tour de France - 2. Etappe

12.07.98 Steels schlägt Zabel, Cipollinis Träume zerplatzen 9km vor dem Ziel
11.07.98 Der Prolog-König schlägt wieder zu: Chris Boardman gewinnt Tour-Prolog








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