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12.07.98 - Tom Steels (Mapei) gewann am Sonntag mit einem
überzeugenden Schlußsprint die 1. Etappe
der Tour de France vor Erik Zabel (Telekom). Während
sich Steels mit seinem Triumph in Dublin für seine
Disqualifikation nach dem berühmt-berüchtigten Flaschenwurf
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der Tour 97 rehabilitierte, fehlte dem Team Telekom
bei der Sprintvorbereitung noch ein wenig der Feinschliff. Mario Cipollini, der große Favorit
des Tages, konnte unterdessen nach einem Sturz 9km vor dem Ziel
nicht in die Entscheidung eingreifen und "SuperMarios" Träume
vom Gelben Trikot sind nach einem Minuten-Rückstand ausgeträumt.
Auch Erik Zabel ärgerte sich darüber, das begehrte Maillot Jaune
knapp verpasst zu haben.
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Die Etappe, die im Dubliner Vorort Dundrum, dem Heimatort des irischen Toursiegers von 1987
Stephen Roche, gestartet wurde, begann zunächst mit der erwarteten
Nervosität. "Bei der Tour wird in der neutralen Phase schneller
gefahren, als bei anderen Rundfahrten insgesamt nicht", flachste Erik Zabel
nach der Etappe. Erst als sich nach 56 Kilometern auf Initiative des
Franzosen Jacky Durand (Casino) eine 7köpfige Ausreißergruppe
bildete, beruhigte sich die Situation im Feld etwas.
An Durands Fersen hefteten sich Stefano Zanini (Mapei), Paul Van Hyfte (Lotto),
Mirco Crepaldi (Polti), Francisco Benitez (Vitalicio), Juan Jose de los Angeles (Kelme)
sowie als Aufpasser für seinen in Gelb fahrenden Kapitän
der Berliner Jens Voigt (Gan). Diese Siebenergruppe harmonierte sehr gut und hatte bei KM 90 bereits
einen Vorsprung von 3:09 Minuten.
Zu diesem Zeitpunkt lag Jens Voigt, der mit 18 Sekunden Rückstand in die
Etappe gegangen war, rechnerisch an
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Top
Paul van Hyfte (Lotto), der Mann des Tages.
Machte viel Tempoarbeit in der Ausreißergruppe und
hatte am Schluß noch Kraft und Moral für eine
Attacke. Klasseleistung.
Großes Zuschauerinteresse: Am für eine
"Flachetappe" überraschend steilen Berg der dritten Kategorie,
dem Wicklow Cap im Hinterland von Dublin jubelten Tausende
von Fans den Rennfahrern zu. Tolle Stimmung, fast wie in den Alpen.
Auch bei den Zwischensprints und im Ziel viele, viele Zuschauer
Flop
"Fat Boy Ullrich" hatten englische Boardman-Fans auf
die Straße gemalt...
Eine besonders geschmacklose Bemerkung gelang Eurosport-Kommentator
Angermann: "So wie man AIDS nicht besiegen kann, wird auch Doping
immer ein Problem bleiben."
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der Spitze der Gesamtwertung. "Voigt-
Maillot Jaune virtuel", vermeldete der Streckenfunk.
Als die Ausreißergruppe die Bergwertung des kurzen, aber steilen
Wicklow Cap erreichte, machte Voigt, der sich bis dahin aufgrund
mannschaftstaktischer Zwänge,
--sein Kapitän Boardman wollte sein Gelbes Trikot verteidigen und
war nicht an einem Durchkommen der Fluchtgruppe interessiert--,
nicht an der Führungsarbeit beteiligt hatte, Anstalten, um
die Bergwertungspunkte mitzusprinten. Das war dann den erfahreneren
Stefano Zanini und Francisco Benitez doch zuviel und sie machten dem
jüngeren Voigt gestenreich klar, daß sich Voigt nach
kilometerlangen Mitfahrens gefälligst aus dem Sprint
herauszuhalten habe.
Im Feld hatten Saeco und andere Sprinterteams unterdessen für ein
hohes Tempo gesorgt. An der Bergwertung des Wicklow Cap, knapp 70 Kilometer vor dem Ziel,
betrug der Vorsprung des Flucht-Septetts nur noch 1:51 Minuten
und in der Folge schmolz der Vorsprung immer mehr zusammen.
In Blessington, gut 40km vor Schluß lag die Gruppe bereits
weit unter einer Minute vor dem Feld und es war nur noch eine Frage der Zeit,
wann das Feld wieder geschlossen sein würde.
Als der Zusammenschluß bereits in der Luft lag, attackierte
Paul Van Hyfte noch einmal. Altmeister Jacky Durand folgte dem Belgier,
während sich der Rest der Gruppe zurück in den Schoß des
Pelotons fallen ließ.
Doch auch das Abenteuer von Durand und Van Hyfte dauerte erwartungsgemäß
nicht sehr lange. Bei einer Tour-Etappe geht es eben um viel zu viel, als daß
die Sprinterteams es einer Fluchtgruppe so leicht machten, ins Ziel zu kommen.
Das Feld, in dem neben Saeco nun auch Telekom, Riso Scotti (für Minali),
Polti (für Martinello) und TVM (für Bljlevens) arbeiteten,
schloß schließlich 17km vor dem Ziel zu Durand und Van Hyfte
auf. Das Peloton war wieder komplett und ein ganz neues Rennen begann.
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Die Sprinterteams hielten wie gewohnt das Tempo hoch und das Feld
erreichte in rasender Fahrt die irische Hauptstadt.
Mario Cipollini und sein Saeco-Team befanden sich 9km vor dem Ziel
in Lauerstellung im vorderen Teil des Feldes,
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als ganz plötzlich Cipollini zu Fall kam und 9 andere Fahrer
mitriß. Glücklicherweise gab es bei keinem der Beteiligten
ernstere Verletzungen. Damit waren "Cipollas" Träume
von Etappensieg und Gelbem Trikot ausgeträumt.
"Ich bin nicht ernstaft verletzt", so Cipollini, der schließlich
3:40 Minuten nach dem Sieger ins Ziel kam.
"Es ist nur ein Traum verflogen und das macht mich besonders traurig.
Ich habe für mein Ziel gearbeitet, und das war das Gelbe Trikot.
Und dafür wäre es notwendig gewesen, schnell eine Etappe
zu gewinnen."
In Abwesenheit von Cipollini und seinen Saecos, nahm an der Spitze
des Rennens auf den letzten Kilometern zunächst Telekom das Heft in die
Hand. Daneben drängelten sich auch alle anderen verbliebenen
Sprinterteams vorn im Peloton. Als es auf die letzten 1.000 Meter
ging, sah es für Erik Zabel zunächst noch sehr gut aus.
Doch dann verlor "Ete" den Kontakt zu seinem "Startblock" Rolf Aldag
und wurde auf der linken Straßenseite eingeklemmt. 500 Meter
vor dem Ziel schien alles verloren für Zabel. Dann konnte
sich Zabel doch noch irgendwie aus der Klemme befreien, aber da rechts und
links kein Platz mehr war, blieb ihm nur die Flucht nach vorne.
So lag schießlich Zabel bereits über 100 Meter vor dem Zielstrich
vorne und im Wind. Tom Steels konnte sich in aller Ruhe das Hinterrad des
Deutschen suchen und aus dem Zabels Windschatten heraus den Sprint
für sich entscheiden.
"Ich war im Nachhinein gesehen viel zu früh an der Spitze", so
Zabel nach dem Rennen. "Der Sprint war schon etwas merkwürdig.
Erst ging es bergauf, dann wars wieder flacher. Ich mußte
zu einem ganz schlechten Zeitpunkt im Sprint umschalten."
Zabel ärgerte sich jedoch weniger über den entgangenen Tagessieg.
Zu Etappensiegen hat der gebürtige Berliner noch eine ganze Reihe von
Chancen, die Möglichkeit, das Gelbe Trikot überzustreifen
(die Zeitbonifikationen eines Etappensieges hätten Zabel am Sonntag
gereicht) , dürfte jedoch nicht mehr allzu oft kommen.
Zabel: "Das Team hat für mich gearbeitet, vor allem wegen
des Gelben Trikots." Und Toursieger Jan Ullrich meinte:
"Schade für Erik. Wir haben alle im Team dafür gearbeitet,
daß er das Gelbe Trikot holt."
Etappensieger Tom Steels war hingegen wunschlos glücklich.
"Ich wollte nicht mit Worten, sondern mit meinen Pedalen auf
meinen Ausschluß im letzten Jahr antworten", so Steels
nach der Siegerehrung. Bei der Tour 1997 hatte Steels beim Sprintfinale
in Marenne
aus Ärger mit einer Trinkflasche nach einem Konkurrenten geworfen
und war später deswegen disqualifiert worden.
Steels zum Sprintfinale am Sonntag: "Ich blieb lange am Hinterrad
von Zabel, weil ich ihn am stärksten eingeschätzt
habe. Ich habe mit meinem Antritt bis ganz zum Schluß gewartet
und konnte dann (Zabel) überholen."
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Im Gesamtklassement behielt Prolog-Sieger Chris Boardman zu seinem
eigenen Erstaunen die Führung. "Ich dachte eigentlich nicht
daran, das Gelbe Trikot behalten zu können. Was uns
gerettet hat, ist, daß die Bonifikationen an verschiedene
Rennfahrer gingen."
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Am Montag sagt die Tour Irland schon wieder adieu. Nach der
zweiten Etappen, die über 205km von Enniscorthy nach Cork führt,
wird in einer logistisch nicht ganz einfachen Operation der gesamte Tour-Troß
per Flugzeug und Schiff nach Roscoff in der Bretagne verfrachtet.
In Roscoff wartet unterdessen die Polizei auf das Festina-Team.
Die Behörden wollen u.a. Festina-Teamchef Bruno Roussel
zu den skandalösen Machenschaften eines Festina-Masseurs
befragen. Der Festina-Helfer war am Donnerstag mit einer ganzen
Wagenladung von Doping-Substanzen verhaftet worden
(RADSPORT-NEWS.COM berichtete).