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11.07.98 - Der Brite Chris Boardman (Gan) gewann am Samstag das
Prolog-Zeitfahren der 85. Tour de France und konnte nun bereits
zum dritten Mal in seiner Karriere das Gelbe Trikot des Tour-Gesamtbesten
überstreifen. Zweiter hinter Boardman wurde Abraham Olano (Banesto),
der 9 Hundertstel schneller war als der Zeitfahrweltmeister Laurent Jalabert (ONCE).
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Der große Tour-Favorit Jan Ullrich (Telekom) fuhr genau nach Plan und
kam mit 5 Sekunden Rückstand auf Platz 6.
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Unbeeindruckt von dem Riesen-Skandal, den der in Lille verhaftete
Festina-Masseur auslöste, zeigte sich das Festina-Team um Richard Virenque
und Alex Zülle. Virenque fuhr ein für seine Verhältnisse
geradezu sensationelles Zeitfahren und beendete den besten Prolog
seiner Karriere auf Platz 14. Zülle kam mit neun Sekunden Rückstand
auf Platz 7, direkt vor seinem Teamkollegen und Landsmann Laurent Dufaux.
Für keinen der Favoriten gab es auf dem 5,6km langen Parcours nenneswerte
Zeitverluste. Eine Ausnahme bildete Marco Pantani (Mercatone), der
auf Platz 181 kam und bereits am allerersten Tag immerhin 48 Sekunden
Rückstand aufweist.
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Top
Tourlegende Miguel Indurain, der als Co-Kommentator des
spanischen Fernsehens an den ersten drei Tagen die Tour begleitet,
drückte seinem Bruder Prudencio Indurain (Vitalicio) im
Teamfahrzeug die Daumen.
Mario Cipollini im Werbespot für Kaffeemaschinen-Hersteller
Saeco (auf Eurosport). Schlägt den nervigen Nescafe-Italiener
("Isch habe gar kein Auto") um Längen...
Flop
Ullrich-Interview in der ARD Während ARD-Reporter Jürgen
Emig scheinbar glaubt, Szene-Nähe beweisen zu können, indem
er jeden seiner Interviewpartner anfasst, waren seine Fragen an
Ullrich anbiedernd, nichtssagend und langweilig.
Peinlich: "ARD-Radsport-Experte" Rudi Altig drängte sich in das Interview
mit Mini-Analysen ("Gutes Zeichen, daß Ullrich schon erholt ist").
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Toursieger Jan Ullrich war hingegen hochzufrieden mit seiner Leistung.
"Nur 5 Sekunden auf Boardman zu verlieren ohne daß ich irgendein ein
Risiko eingegangen bin, ist nicht schlecht", so Ullrich. "Es war sehr wichtig
für mich, eine gute Zeit zu fahren. Ich wollte nicht unbedingt
gewinnen wie Boardman. Aber ich wollte in einer guten Position im Vergleich zu meinen
Rivalen sein. Dieses Resultat gibt mir Selbstvertrauen. Ich bin da, wo ich
sein muß."
Nicht nur zufrieden, sondern euphorisch war der Tagessieger
Chris Boardman. "Es ist eine große
Überraschung für mich", so der Engländer, der seit Ende 1997
eine schwere verletzungsbedingte Formkrise überstehen mußte.
"Ich dachte nicht, daß ich in der Form war, um heute zu gewinnen."
Boardman bedankte sich nach dem Sieg speziell bei seiner Frau.
"Ich spreche sonst nie über meine Familie. Aber heute
möchte ich ganz bewußt meiner Frau Danke sagen. Ohne sie wäre ich heute
nicht hier", so Boardman, ohne näher auf die Hintergründe
einzugehen.
Boradman wird nun mit dem Gelben Trikot die erste Etappe bestreiten.
Diese führt am Sonntag über 180,5km mit Start und Ziel
in Dublin.
Reaktionen
Chris Boardman: (Etappensieger):
"Es ist eine große
Überraschung für mich, ich dachte nicht, daß ich
in der Form war, um heute zu gewinnen. Es stimmt, ich habe mich
nicht so unter Druck gesetzt wie sonst. Ich war sehr ruhig und ich habe nicht
so schnell angefangen, was ich sonst immer mache.
Es war der beste Prolog, den ich je gefahren bin. Der Prolog der Tour
ist praktisch die Weltmeisterschaft in dieser Disziplin."
Jan Ullrich (6. Platz, 5 Sek. Rückstand): "Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis.
Nur 5 Sekunden auf Boardman zu verlieren ohne daß ich irgendein ein
Risiko eingegangen bin, ist nicht schlecht. Es war sehr wichtig
für mich, eine gute Zeit zu fahren. Ich wollte nicht unbedingt
gewinnen wie Boardman. Aber ich wollte in einer guten Position im Vergleich zu meinen
Rivalen sein. Dieses Resultat gibt mir Selbstvertrauen. Ich bin da, wo ich
sein muß."
Bjarne Riis (23. Platz, 14 Sekunden Rückstand):
"Ich bin ganz zufrieden, ich bin gut gerollt.
Ich bin zufrieden mit dem Tour-Start."
Mario Cipollini (18. Platz, 13 Sekunden Rückstand):
"Es ist immer schwer auf einer so kurzen Distanz schon gleich am Anfang
sein Maximum zu bringen. Ich bin zufrieden mit meiner Leistung.
Ich bin auf einem guten Platz nach dem Prolog, das ist ein gutes
Zeichen... Ich will das Gelbe Trikot holen!"
Alex Zülle: "Ich bin noch nicht in der Form, in der
ich zu dieser Zeit im Vorjahr war. Ich bin nicht enttäuscht
darüber, nicht gewonnen zu haben oder besorgt, weil ich
auf dem letzten Kilometer etwas eingebrochen bin. Ich habe nur
80 Prozent meiner Normalform. Ohne das Gelbe Trikot wird
meine Mannschaft weniger arbeiten müssen. Ich benutze die nächsten
Etappen, um wieder ganz in Form zu kommen."