24.01.02 (dpa) - Bruno Risi und Kurt Betschart sind in der
Stuttgarter Schleyerhalle in die Geschichtsbücher des Radsports
gefahren. Der Sieg beim Sechstagerennen war für die beiden Schweizer
der 29. in ihrer gemeinsamen Karriere auf der Bahn. Damit übertrafen sie
sie den Rekord des legendären Dortmunder Duos Gustav Kilian
und Heinz Vopel aus den 50er Jahren.
«Das
ist ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist», sagte Kurt Betschart
sichtlich gerührt am frühen Donnerstagmorgen.
Die «Uri-Stiere» haben sich damit ihr eigenes Denkmal gesetzt. Oft
wollten die Veranstalter die beiden trennen und mit anderen Partnern
fahren lassen. Betschart erschien ihnen zu schwach, doch die Sturheit
der beiden hat sich nun endgültig ausgezahlt. «Eigentlich ist das
nicht so wichtig», sagte Risi, «aber es ist natürlich eine
Bestätigung für uns als Team. Wir haben großen Respekt vor der
Leistung des anderen. Wir sind ein Markenzeichen geworden.»
Zeit zum Feiern bleibt den Weltrekordlern allerdings nicht,
bereits am Donnerstag stand die Fahrt zum Berliner Sechstagerennen
auf dem Programm. Risi und Betschart hatten in der schwäbischen
Landeshauptstadt in der fünften Nacht die Führung übernommen und
profitierten in der letzen Nacht auch vom Ausfall von Andreas Kappes,
der sich bei einem Sturz Dienstagnacht das Schlüsselbein gebrochen
hatte. Der Kölner wird beim Berliner Sechstagerennen durch
Olympiasieger Robert Bartko ersetzt.
Am Schlusstag konnten Risi/Betschart die in der letzten Jagd
zwischenzeitlich führenden Australier Scott McGrory/Matthew Gilmore
noch knapp mit 303 zu 289 Punkten schlagen. «Vielleicht wäre es mit
Kappes noch schwerer gewesen», meinte Risi. Auf einen guten dritten
Rang kam der Sindelfinger Lokalmatador Gerd Dörich mit seinem Partner
Andreas Beikirch (Kaarst).
Zuschauer-Plus
Die Bilanz der sechs Tage in der Schleyerhalle fällt positiv aus.
«Wir haben tollen Sport gesehen mit einem alles überragenden
Siegerpaar», sagte Sportdirektor Winfried Holtmann. Knapp 50 000
Zuschauer besuchten die Rennen, im vergangenen Jahr waren es 48 600
gewesen. Klaus-Dieter Heldmann, Geschäftsführer der veranstaltenden
Stuttgarter Messe- und Kongressgesellschaft (SMK), rechnet daher
nicht mit roten Zahlen. Man sei weiter bemüht, an einer Optimierung
der Veranstaltung zu arbeiten. «Es gibt einen Wandel in der
Zuschauerstruktur. Die Sixdays werden immer mehr zum In-Event», sagte
Heldmann.