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Alex Zülle: "Im Inneren bin ich erleichtert, ich bedauere die Lügen"

26.07.98 - Die Schweizer Festina-Profis Armin Meier und Alex Zülle gingen am Wochenende nach ihren "EPO-Geständnissen" am Freitag (RADSPORT-NEWS.COM berichtete) nicht auf Tauchstation, sondern schilderten in verschiedenen Medien ihre Sicht der Dinge. "Ich weiß was passiert, die Rennfahrer, die Sportdirektoren, die Organisatoren, die Funktionäre, die Journalisten wissen es. Ich hatte zwei Möglichkeiten", so Alex Zülle in der Schweizer "Sonntagszeitung". "Nachzugeben und mitzumachen, oder aufzuhören und in meinen alten Beruf als Maler zurückzugehen."

"Ich wäre nicht überrascht, wenn wir eine Lawine losgetreten hätten", so Armin Meier in der "Sonntagszeitung". "Vielleicht muß die UCI mehr als 100 Rennfahrer nach der Tour suspendieren." An eine Generalamnestie glaube er nicht, so Meier.

Alex Zülle: "Im Inneren bin ich erleichtert. Der große Druck ist weg." Und: "Ich weiß was passiert, die Rennfahrer, die Sportdirektoren, die Organisatoren, die Funktionäre, die Journalisten wissen es. Ich hatte zwei Möglichkeiten. Nachzugeben und mitzumachen, oder aufzuhören und in meinen alten Beruf als Maler zurückzugehen."

Über seine Zukunft ist sich Zülle noch nicht klar. "Ich brauche im Moment Zeit, um mich zu besinnen. Aber wenn ich weitermache, dann um wieder Erfolg zu haben und gute Leistungen zu bringen."

Zülle, der letzten Donnerstag zusammen mit 8 Teamkollegen von der Polizei in Lyon festgesetzt worden war und erst freigelassen, wurde, nachdem er Dopingmißbrauch zugab, meinte weiter: "Ich bedauere insbesondere meine Lüge. Aber ich konnte nichts anderes machen." Er habe, sagt er, nicht der "Verräter" des Teams sein wollen und er habe auch an den Sponsor gedacht und an die Familienväter, die für Festina arbeiten.

Er sei nie zum Dopinggebracu gezwungen worden: "Es war meine freie Entscheidung." Zülle sagte, er habe unter ärztlicher Aufsicht EPO genommen seit Januar, als er zu Festina kam. "Mit EPO kann man auch keinen Ackergaul zum Rennpferd machen", so Zülle, der beim Giro einen damals etwas rätselhaften, immensen Einbruch in den Dolomiten hatte, den damals bereits einige Beobachter als mögliches Indiz für eine fehlgeschlagene Manipulation deuteten.

Zur Behandlung durch die Polizei in Lyon meinte Zülle: "Ich übertreibe nicht, ich bin behandelt worden wie ein Tier." In 24 Stunden habe man ihm nur ein Glas Wasser gegeben. Seine Brille sei konfisziert worden. Er habe sich nackt ausziehen müssen und man habe eine Leibesvisitation durchgeführt.

Unterdessen sagte Marc Briver, Direktor der Sportmanagementfirma IMG, die u.a. die Interessen von Armin Meier, Alex Zülle und Laurent Dufaux vertritt, in der französischsprachigen Schweizer Tageszeitung "Le Matin": "Persönlich bin ich enttäuscht von Richard Virenque. Ich habe ebenso wie die neun Festina-Rennfahrer die Aufzeichnungen des Doktors gesehen, wo Namen genannt sind. Es erscheint schwer verständlich, so etwas offensichtliches zu leugnen."


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