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"Ein Beben" - Reaktionen auf die Festina-Disqualifikation

19.07.98 - Reaktionen auf die Disqualifikation des Festina-Reams:

"Ich bin ein bißchen schockiert darüber, daß das Festina-Team den Hut nehmen mußte und die anderen Sportdirektoren als die Tugendhaften durchgehen. Es wäre aber höchst verwunderlich, wenn (Festina) das einzige Team wäre, das Dopingprodukte genommen hat und die anderen nur mit Mineralwasser fahren. Ich denke, daß die Mehrheit der Teams bei der Tour dopen." --Phillipe Misrez, ehemaliger Tour-Arzt im französischen Fernsehen Fundsache

"An der Börse ist es so wie bei der Tour de France. Man muß flexibel auf die Gegebenheiten des Marktes reagieren."

--Inzwischen etwas mehrdeutige Botschaft eines Werbespots für einen Investmentfond, der während der Tourübertragungen auf Eurosport gezeigt wird.

"Wir bleiben dem Radsport treu. Wir sind sicher, daß bei uns alles sauber abläuft. Garanten dafür waren für uns von Beginn an Walter Godefroot und Prof. Keul, unter dessen ständiger medizinischer Kontrolle alle Fahrer stehen. Wir sind weiter davon überzeugt, daß nicht nur unser Team sauber ist, sondern auch die große Mehrheit im Radsport. Schwarze Schafe gibt es leider überall im Leben, auch in jedem Sport." --Jürgen Kindervater, Vorstandssprecher der Deutschen Telekom AG

"Es ist kein Problem des Radsports, es ist ein Problem des Sports insgesamt. Und ich sage das nicht um den Radsport zu verteidigen. Die heutige Pharmakologie arbeitet mit den entsprechenden Produkten jeden Tag. Es ist wie mit der Atombombe und der nuklearen Energie. Man kann es auf verschiedene Weise nutzen." --Francesco Conconi, Vorsitzender der medizinischen Kommission des Radsport-Weltverbands UCI und Mitglied des italienischen Olympischen Komitees.

"Man hat es vermutet, jetzt ist es sicher. (...) Dies ist die ernsteste Affäre in der Geschichte der Tour. Einer der größten Skandale des Sports. Ein Beben. Der Sportdirektor, der Teamarzt und der Masseur des besten Radteams der Welt hätten an diesem Morgen bei einem der ersten großen Tage der Tour, dem Einzelzeitfahren in Correze, sein sollen. Stattdessen sind sie im Gefängnis." --L'Equipe

Le Figaro hielt noch in der Nacht zum Samstag die Druckmaschinen an, um die Story vom Festina-Ausschluß auf die Titelseite zu bringen.

"Bruno Roussel hat mit dem Aufbau der besten Mannschaft der Welt die Lunte einer Atombombe gelegt. Gestern in Brive ist sie explodiert." --France Soir


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