Radsport-News.com
  Nachrichten durchsuchen Chat Diskussions-Foren
 
Index
News-Übersicht
Ergebnisse
Teams
Rennkalender
Features
Archiv

Tour de France
Giro d'Italia
Vuelta a España
Deutschland-Tour
Friedensfahrt
Tour de Suisse
Weltcup
UCI-Rangliste
Sixdays

Downloads
Feedback


Das Tour-Tagebuch von Marcel Wüst

Amazon.de - Buecher und CDs


Serie: Gesichter der Tour de France (4)
Mont Ventoux: 33 Jahre nach dem Tod von Simpson

12.07.00 - Am Freitag, dem 13. Juli 1967, spielte sich drei Kilometer vor dem Gipfel des 1.912 Meter hohen Mont Ventoux, diesem kargen einsamen Bergriesen in der Provence, eines der größten Dramen der Tour de France-Geschichte ab. Auf den Tag genau 33 Jahre später endet an diesem Donnerstag die Tour de France zum insgesamt zwölften Mal an dem mythischen "windigen Berg".

Am 13. Juli 1967 startete das Peloton am späten Morgen bei Temperaturn von bereits 45 Grad Celsius in Marseille zu dem 211km langen Teilabschnitt, bei dem kurz vor dem Ziel in Carpentras der Mont Ventoux auf dem Programm steht. Bei sengender Hitze klettert der Engländer Tom Simpson in den ersten Reihen neben dem Spanier Julio Jimenez und dem Franzosen Raymond Poulidor die Kehren des Ventoux hoch.

Simpson ist 29 Jahre alt und bei seinen Kollegen als ein lustiger Bursche sehr beliebt. Simpson, der 1965 Strassen-Weltmeister geworden war (vor Rudy Altig), galt als einer der Geheimfavoriten der Tour 1967, die mit Nationalmannschaften ausgetragen worden war. Fünf Kilometer vor dem Gipfel des Ventoux versucht der Brite zunächst anzutreten, fällt dann jedoch
wieder zurück. Hin und her, in Zickzacklinien beginnt Simpson plötzlich zu fahren. Es fällt zunächst gar nicht so auf, denn zu diesem Zeitpunkt dieser heißen und anstrengenden Etappe sehen alle bereits sehr mitgenommen aus.

Doch Simpsons Schlangenlinienfahrt wird immer wilder, hundert Meter kommt er noch voran, da sackt er zusammen am Strassenrand, vor den Füßen vieler schockierter Zuschauer. "Ein Gendarme kam zu mir und rief, da vorn ist einer umgekippt!", erzählte später der damalige Tourarzt Dr. Dumas, der im vorigen Jahr verstarb. "Ich wusste sofort, dass es ernst ist. Er war schon tot als wir hinkamen, aber wir haben anderthalb Stunden um sein Leben gekäpft mit Mund-zu-Mund-Beatmung, Herzmassagen, alles."

Tom Simpson war 1962 der erste Brite, der das Gelbe Trikot der Tour de France trug.
Dr. Dumas sorgte damals dafür, dass schnell die Ursache des Todes des Athleten bekannt wurde und der Mythos des gesunden Athleten, der mit Mineralwasser die Herausforderungen besteht, sich als hohl herausstellte. Dumas übergab der Polizei ein Fläschchen mit Amphetaminen, Aufputschmitteln, die er bei dem Rennfahrer gefunden hatte. Später ergab eine Obduktion, dass Simpson randvoll war mit Amphetaminen.

Am Tag nach dem Tod von Tom Simpson überfährt in Sete der Simpsons britischer Teamkollege Barry Hoban (der später Simpsons Witwe heiratet) symbolisch als erster die Ziellinie. Ein bekannter französischer Radsportkolumnist schrieb an diesem Tag: "Der größte Strassenradsportler, den England jemals hervorgebracht hat, ist dort gestorben, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat. Er starb vermutlich, weil er zu gut fahren wollte."

Traditioneller Radfahrer-Brauch ist es, bei der Pass-Überfahrt am Gedenkstein für Tom Simpson (Foto) eine "Opfergabe", etwa eine Trinkflasche oder ein Schlauch, zu hinterlassen. Auch das gehört zum Mythos des "windigen Berges". Foto: Mario Stiehl

Serie: Gesichter der Tour de France - Teil 1: Die Karawane
Teil 2: Der Tag an dem Fabio Casartelli starb
Teil 3: Lächeln und Bussi: Deutsche Glücksfee bei der Tour

Tour de France - Übersicht



Copyright © 1996-2000 by RADSPORT-NEWS.COM
Alle Rechte vorbehalten.
www.radsport-news.com