Index
News-Übersicht
Ergebnisse
Teams
Rennkalender
Features

Tour de France
Giro d'Italia
Vuelta a Espana
Weltcup
UCI-Rangliste

Newsletter









Rekord-Ablösesumme: 4,8 Mio. DM für einen Nachwuchsfahrer?

21.01.98 - In Spanien erhitzt die Gemüter zur Zeit ein Streit, wie man ihn sonst nur vom Profi-Fußball her kennt: Es geht um eine vorzeitige Vertragsauflösung und um Ablösesummen. Santiago Blanco, ein 23jähriger, zwar mit vielversprechender Zukunft aber noch ohne große Erfolge, könnte zum teuersten Radrennfahrer aller Zeiten werden.

Die Affäre begann im September 97, während der Vuelta, als Santi Blanco seine vorzeitige Trennung von Banesto verkündete. Blanco, der sich bei seiner Vertragskündigung auf eine Bestimmung im Regelwerk der UCI berief, die unter bestimmten Bedingungen eine vorzeitige Vertragsauflösung erlaubt, unterschrieb sodann einen Vertrag beim neuen spanischen Team Vitalicio Seguros. Nun, vier Monate später, hat Blanco allerdings immer noch keine Freigabe von der UCI. Der Radsportweltverband verweigert sein OK, da das Team Banesto seinen Widerspruch erklärt hat, Banesto verlangt eine -in solchen Fällen durchaus übliche- Ausgleichszahlung als Entschädigung für Blancos Weggang. Der Steit zwischen Vitalicio und Banesto geht nun allerdings über die Höhe einer solchen Ablösesumme.

Banesto gibt sich zwar sehr kordial und weist den Verdacht, man wolle Rache für einen Verrat, weit von sich, doch dürften bei Banesto-Teamchef Jose Miguel Echavarri, der bereits Ende 96 den nicht allzu harmonischen Abschied von Miguel Indurain zu verkraften hatte, auch verletzte Gefühle eine Rolle spielen.

Die juristische Situation ist verzwickt. Im Kern des ganzen ist ein Gentleman's Agreement der spanischen Profirennställe, dem "Oviedo-Pakt" von 1991, worin sich die Teams verpflichteten, in Fällen wie dem jetzigen "Fall Santi Blanco", wenn ein Team also einen Fahrer eines anderen Teams weglockt, eine Art Konventionalstrafe zu zahlen ist. Diese soll nach der damaligen Vereinbarung 20 Millionen Peseten (240.000 DM) betragen für jedes Jahr, das der Rennfahrer bei seinem alten Team fuhr.

Zu diesen 20 Mio. Peseten kommen noch eine ganze Reihe anderer Posten, die sich zu astronomisch anmutenden Summen addieren. Banesto fordert von Vitalicio eine Ablöse von ca. 300 Millionen Peseten (3,6 Mio. DM). Dazu kämen noch einige zusätzliche Ausgleichzahlungen, so daß am Ende Vitalicio möglicherweise 400 Mio Peseten (4,8 Mio. DM) für den 23 Jahre alten Santi Blanco berappen müßte. Soviel hat noch nie jemand für einen Radrennfahrer bezahlt. Weder in Spanien noch im Rest der Welt.

Beim Team Vitalicio Seguros gibt man sich dennoch gelassen. Man glaubt, Banesto wolle mit seiner Maximalforderung erst einmal eine Ausgangsbasis für Verhandlungen schaffen. Verhandlungen die sich in die Länge ziehen: Vitalicio-Sprecher Landi: "Wir schreiben jetzt schon Briefe hin und her seit September. Banesto hat sich für eine Verzögerungstaktik entschieden. Es ist deren Recht, wir müssen eben Geduld haben. Wir wissen, daß wir etwas zahlen müssen, aber deren Forderung ist zu hoch... Wir sind nicht in Eile, wir brauchen Santi Blanco erst bei der Tour."

Santi Blanco, der an diesem Freitag bei der Team-Präsentation von Vitalicio anwesend sein wird, ist die Ruhe selbst. Er sagt, ihn mache die ganze Angelegenheit nicht nervös. Auf die Frage, was er denn nun zu tun gedenke, meint er: "Trainieren und essen. Ich bin ganz entspannt, ich glaube nicht, daß ich ein Jahr aussetzen muss. Meine Sorge gilt zur Zeit nur meinem Schlaf, meinem Training und meiner Ernährung. Ich verliere nicht meine Ruhe, -naja außer vielleicht wegen dem FC Barcelona!"

[El Pais]





Copyright © 1996, 1997, 1998 by Kersten Volk
Alle Rechte vorbehalten.
www.radsport-news.com