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83.Flandern-Rundfahrt
Ein großer Tag für die Belgier
04.04.99 - Der Flame
Peter van Petegem (TVM) gewann am Ostersonntag in Meerbeke die 83. Ausgabe
der Flandern-Rundfahrt vor dem Wallonen Frank Vandenbroucke (Cofidis) und dem flämischen
Volkshelden Johan Museeuw (Mapei). Das diesjährige Rennen des 86 Jahre alten "Monuments"
entschied sich wie so oft an der berüchtigten "Muur van Geraardsbergen", wo
sich Van Petegem und Museeuw 16 km vor dem Ziel vorentscheidend absetzen konnten. Als moralische Sieger
der "Ronde" fühlen können sich auch Vandenbroucke, der während des ganzen Rennens
sehr aktiv war und mehrmals stürzte, und der dreimalige Ronde-Sieger Museeuw, der ein Jahr nach
seinem lebensgefährlichen Sturz bei Paris-Roubaix 98 wieder das Podium "seines"
Rennens erreichte.
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Die Flandern-Rundfahrt 1999 wurde wieder einmal an einem ihrer berühmtesten
Anstiege entschieden. An der Muur van Geraardsbergen, jener mythischen
825 Meter langen, bis zu 20 Prozent steilen Kopfsteinpflaster-Straße unweit
des Hauses von Telekom-Sportdirektor Rudy Pevenage, machten sich Peter Van Petegem
und Johan Museeuw 16 Kilometer vor dem Ziel auf und davon. Die beiden hartgesottenen Flamen
erklommen im Sattel sitzend die Muur, an der schon Weltmeister vom Rad absteigen mußten.
Der Jubel der
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Ausgeschlafen
Nachdem
die UCI-Dopingkontrolleure bei Milan-San Remo vor zwei Wochen unter
heftige Kritik gerieten, weil sie einige Rennfahrer, darunter Erik Zabel, zum obligatorischen
Hämatokrit-Bluttest bereits um 4:30 Uhr aus dem Schlaf rissen, kamen die
"Vampire" (Rennfahrer-Jargon) am Sonntag morgen vor der Flandern-Rundfahrt
zu etwas zivileren Zeiten. Um 6:25 Uhr wurde 14 Rennfahrern (8 Fahrer von Lampre,
sechs von Vitalicio) Blut abgenommen. Alle Tests waren negativ, alle
Fahrer zum Start zugelassen. |
zahlreichen Fans, die gelb-schwarze flämische Fahnen schwenkten,
kannte keine Grenzen.
Museeuw und Van Petegem profitierten davon, daß am Fuß der Muur, beim
Einbiegen von der Hauptstraße, einige Mitfavoriten zu Sturz kamen. Michele Bartoli (Mapei) und
vor allem Andrej Tchmil (Lotto) büßten da all ihre Chancen ein an diesem grauen, nebligen Tag.
Auch Frank Vandenbroucke, der bereits auf den 249km vorher einige Male zu Fall kam, war
vor der "Mauer" gestürzt, doch auf den weiteren Kilometern kämpfte
sich "VDB" dank einer enormen Willensstärke wieder heran an das Führungsduo.
Vandenbroucke mußte im Sprintfinish am Ende jedoch für diese Kraftanstrengung bezahlen.
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Peter Van Petegem
geb. 18.01.70 in Opbrakel
Profi seit 1992
Teams: PDM (92), Lotto (93), Trident (94), TVM (seit 95)
Größte Erfolge:
Flandern-Rundfahrt 99, Omloop Het Volk 1997 und 1998,
GP E3 1999, Drei Tage van De Panne 1999, GP de l'Escaut 1994, Trofeo Luis Puig 1996,
Flämischer Meister 1997, Vize-Weltmeister 98 in Valkenburg
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Das Trio mit Vandenbroucke, Museeuw und Van Petegem hielt sich auf den letzten
fünf Kilometern sehr gut, obgleich die drei nicht immer den Eindruck von
Harmonie machten und im Verfolgerfeld vier Rabobank-Profis
(Markus Zberg, Den Bakker, Wauters und van Bon) in Manier eines Mannschaftszeitfahren
versuchten, wieder heranzukommen. Vergebens.
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Der Sprint des Spitzen-Trios war am Ende für den zweimaligen "Het Volk"-Sieger
Van Petegem eine Formalität. Zu sehr hatte sich Vandenbroucke in seiner
Aufholjagd nach der Muur verausgabt und Museeuw fehlte nach seinem schweren Sturz von vor
einem Jahr
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die Spritzigkeit. "Ich (bin) nicht so explosiv, wie früher", so
Museeuw, der jedoch keineswegs enttäuscht war über seinen dritten Platz:
"Wenn ich daran denke, von woher ich komme..."
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Auch Museeuws Sportdirektor Patrick Lefevre, der im letzten Jahr mit
seinem Mapei-Team die beiden ersten Plätze (1. Museeuw, 2. Zanini) geholt hatte,
war überhaupt nicht enttäuscht, im Gegegnteil: "Was für ein glänzendes Rennen!",
rief der Belgier unmittelbar nachdem TVM-Profi Van Petegem als Erster über die Ziellinie gefahren war.
Die Ronde 99 war von Beginn an ein großer taktischer Kampf zwischen Museeuws Mapei, Vandenbrouckes
Cofidis und Rolf Sörensens Rabobank. Van Petegems TVM-Team, das wegen der Verwicklungen in die
Dopingskandale der Tour de France keine Einladung für Flèche Wallone erhalten hatte,
zeigte sich trotzig absolut ebenbürtig und der Sieg von Van Petegem muß auch als
Teamleistung anerkannt werden.
Peter Van Petegem, 29 Jahre alt, hat keine gradlinige Karriere hinter sich.
1994 wurde der Mann aus dem Ort Brakel, den die Flandern-Rundfahrt im Finish passiert,
vom Topteam TVM aus dem bescheidenen "Trident"-Team geholt. Bei TVM hatte er
zumeist Helferdienste zu verrichten, ein Siegfahrer war er nicht. Das änderte sich,
als Van Petegem 1998 bei der Weltmeisterschaft nach einer formidablen Leistung
Zweiter wurde. "Da habe angefangen zu glauben, daß ich so ein Rennen (wie die Flandern-Rundfahrt) gewinnen kann",
so Van Petegem, der mit seinen dunklen Haaren so gar nicht wie ein Flame wirkt.
Vor einigen Jahren hatte Peter Van Petegem nach der "Ronde" gesagt, er hoffe, nur
an einem "einzigen Tag meiner Karriere die Kraft und Renn-Intelligenz von meinem Vorbild Johan Museeuw"
zu vereinen. Dieser Tag war zweifellos gekommen an diesem Ostersonntag zwischen Brügge und Meerbeke.
Stimmen zur 83. Flandern-Rundfahrt
Van Petegem: "Ich bin der glücklichste Mensch"
04.04.99 -
Stimmen zur 83. Flandern-Rundfahrt:
Peter Van Petegem (Bel/TVM), Sieger:
"Ich bin der glücklichste Mensch. Zu Beginn der Saison habe ich dieses Rennen zu meinem
Ziel gemacht. Es hätte nicht besser laufen können. Wenn ich vor dem Rennen
ein Szenario hätte erträumen wollen, es wäre so gewesen, daß wir zu dritt ankommen und
ich dann siege. Auf dem letzten Kilometer habe ich es einmal kurz mit einer Attacke
versucht, aber ich habe gesehen, daß Vandenbroucke sofort reagiert hat. Da
habe ich dann meine Kräfte gespart für den Sprint. Ich habe angefangen zu glauben,
daß ich so ein Rennen gewinnen kann, nachdem ich Zweiter geworden war bei der WM im letzten Jahr.
Der Weltcup? Ich werde Paris-Roubaix und Lüttich-Bastogne zu meinen Zielen machen.
Danach schauen wir mal."
Frank Vandenbroucke (Bel/Cofidis), Zweiter:
"Es lief gut bis zur Muur van Geraardsbergen. Dann mein Sturz am Fuße der Muur und alles war
in Frage gestellt. Ich konnte nicht wie geplant attackieren. Ich mußte
alles geben, um wieder (an die Spitze) zurückzukommen und im Sprint habe ich dafür
bezahlt."
Johan Museeuw (Bel/Mapei), Dritter:
"Ich muß mehr als zufrieden sein, wenn ich schaue, woher ich komme. Ich sehe jetzt das Leben
anders, als vor dem Sturz bei Paris-Roubaix (1998). Für mich ist, von daher gesehen, der dritte
Platz genug. Jeder konnte sehen, daß ich im Sprint zu kurz war, daß ich nicht so explosiv bin,
wie früher. Van Petegem war an der Muur van Geraardsbergen und am Bosberg der Stärkste.
Es ist normal, daß er gewonnen hat."
Michele Bartoli (Ita/Mapei), Vierter: "Es war ein eigentümliches Rennen. Ich habe mich geschont
für die Muur, weil ich dachte, daß das Rennen da ausgespielt wird.
Aber ich war durch ein Sturz gehandicapt. Als Vandenbroucke dann angetreten ist, war ich eingeklemmt.
Ich mußte nicht mitgehen, Museeuw war vorn und ich respektiere ihn zu sehr, als daß ich es riskieren würde,
andere mit nach vorn zu bringen. Ich werde jetzt nach Italien heimfahren und mich auf Flèche
Wallone und Lüttich-Bastogne- Lütich vorbereiten."
Erik Zabel (Ger/Telekom), Platz 22:
"An der Muur van Geraardsbergen war bei mir sonst immer der Moment,
wo die Lichter ausgingen. Da habe ich mich (heute) im Grunde genommen noch gerade
so drüber gequält und ich hatte dann auch wieder den Kontakt zur Spitze, aber
am allerletzten Berg, dem Bosberg, da wußte ich schon was mir blüht
und so ist es dann auch gekommen, da kam ich dann nicht mehr mit. Ich bin mit
der Flandern-Rundfahrt aber insgesamt ganz zufrieden. Ich bin das siebte Mal hier gefahren,
das siebte Mal auch angekommen. Meine Leistung hier war eigentlich immer stetig
steigend, ich bin immer weit vorne angekommen, der Zeitabstand zum
Sieger wird immer enger und ich weiß nicht, wenn ich noch 20 Jahre
hier fahre, komme ich vielleicht mit dem Sieger an."
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Übersicht: 83. Flandern-Rundfahrt
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