Andrea Tafi gewinnt 86.Flandern-Rundfahrt
Die alte "Locomotiva" steht noch unter Dampf
Tafi: "Jetzt bin ich noch motivierter für Roubaix" / Weltcup: Cipollini weiter vorn

Foto: Roth
07.04.02 (rsn) - Auch der Sieger
des zweiten Weltcup-Klassikers der
Saison 2002 ist ein 35 Jahre alter Italiener:
Nach Mario Cipollinis "classicissima"-Triumph
vor zwei Wochen gewann am Sonntag in Meerbeke Mapei-Routinier
Andrea Tafi die 86.Auflage der Flandern-Rundfahrt.
Am Ende der "Ronde" über 264km
attackierte er aus einer fünfköpfigen Spitzengruppe
heraus und gewann als Solist. Es
war Tafis dritter Sieg
bei einem der "Monumente" des Radsports.
und Peter Van Petegem (Lotto)
auf die Plätze verweisen.
Tafi bekreuzigte sich,
als er über die Ziellinie fuhr.
21 Sekunden später sprintete
der Rest der ursprünglichen Fünfergruppe
um die weiteren Podiums-Plätze.
Museeuw wurde Zweiter vor Van Petegem,
dem Amerikaner George Hincapie (US Postal)
und dem Italiener Daniele Nardello (Mapei).
|
"Ich bin sehr enttäuscht", sagte
Museeuw. "Ich habe mehrmals attackiert,
kam ein paar Meter weg, aber
Tafi und Nardello hingen jedesmal an
meinem Hinterrad. Ich habe alles gegeben."
Peter Van Petegem gab seinem
Landsmann recht: "Johan (Museeuw)
und ich haben das Rennen gemacht.
Aber wir sind nicht
belohnt worden für unsere Arbeit.
Gegen die zwei gefährlichen Mapeis war
nichts zu machen.
Als Tafi angetreten ist,
habe ich einen Moment gezögert,
der Italiener wusste das zu nutzen.
Es ist wirklich schade, denn ich hatte
gute Beine",
so Van Petgem, der
von einem zweiten "Ronde"-Triumph
geträumt hatte.
Mit rund drei Minuten Rückstand
gewann Cipollini den Sprint des
Hauptfeldes um Platz 9
vor Erik Zabel (Telekom).
Der Mailand-San Remo-Sieger baute
damit seine Führung im Weltcup aus.
"Ich bin gut über den Koppenberg gekommen",
sagte Zabel. "Aber ich habe
doch zuviel Kraft
gelassen und konnte
nicht in der Spitzengruppe mitgehen.
Der Sprint mit Cipollini
war ein bißchen Prestigesache,
aber ich habe dem
|


Museeuw ärgerlich...

Tafis Antritt

Zwei unglückliche Gesichter auf dem Podium...
Fotos: Roth
|
nicht zuviel Bedeutung beigemessen.
Es ging ja nur um Platz 9.
Ich denke jetzt an Paris-Roubaix,
das letzte Abenteuer im Radsport.
Ich spreche nicht vom Sieg,
dafür habe ich zuviel Respekt
vor dem Rennen."
16km vor Schluß, am vorletzten von 16 Anstiegen,
der berühmten "Mauer" von Geraardsbergen
waren der Däne Rolf Sörensen,
"Ronde"-Sieger von 1997,
sowie die Italiener Enrico Cassani und Gabriele Missaglia
aus einer Spitzengruppe zurückgefallen,
die sich 45km vor dem Ziel gebildet hatte.
Tafi nutzte im Finale
perfekt die zahlenmäßige Überlegenheit von Mapei,
das somit alle Trümpfe
in der Hand hatte. Museeuw und
van Petegem saßen in der Falle,
als Tafi attackierte. Mit einem Konter hätten sie
die entscheidenden
Körner gelassen für den Sprint.
"Bis 25 km vor dem Ziel haben Daniele Nardello und
ich ausgemacht, mitzufahren, um den Vorsprung vor den Verfolgern
zu halten und auszubauen. Dann kam unser Sportlicher Leiter Serge
Parsani und sagte, wir sollten abwechselnd attackieren, um die
beiden Belgier in die Falle gehen zu lassen. Das hat funktioniert. Ich
habe es ausgenutzt, als Museeuw und Van Petegem, aber auch
Hincapie, den ich sehr gefürchtet hatte, mal ganz kurz nicht
aufgepasst haben. Dann bin ich angetreten. Erst unter der flamme
rouge, als ich meinen Vorsprung sah, habe ich an den Sieg
geglaubt",
so ein überglücklicher Tafi nach dem Rennen.
Bei strahlendem Sonnenschein
hatten die Flamen bei der "Ronde"
wieder ein riesiges Radsportfest gefeiert.
Vier Rennfahrer waren
bei kaltem Gegenwind
schon nach 30km
ausgerissen, darunter neben Rodriguez, Thijs und Kuyckx
auch Gerolsteiner-Profi Ronny Scholz.
Das Quartett kam auf
einen Vorsprung von 20 Minuten,
der jedoch - erwartungsgemäß -
immer kleiner wurde,
als es im Finale zur Sache ging.
19km vor Schluss wurde der
letzte verbliebene Ausreißer,
der Belgier Erwin Thijs eingeholt
nach 235km an der Spitze.
Das mit einigen Hoffnungen und
der Doppelspitze Zabel/Wesemann ins Rennen gegangene Team Telekom
spielte keine Rolle am Sonntag.
"Nach einem Sturz ging
mein Schuh kaputt und mein Rad war hin. Ich kam danach nicht mehr
nach vorne - für mich war alles gelaufen. Hoffentlich läuft es für
mich bei Paris-Roubaix am Sonntag besser", sagte Wesemann,
der im
Vorjahr in Roubaix wegen Problemen an den Pedalen im Finale alle
Sieg-Chancen eingebüßt hatte.
Andrea Tafi, 35 Jahre alt,
gewann zum dritten Mal in
seiner Karriere ein "Monument"
nachdem er bereits bei Lombardei-Rundfahrt
(1996) und Paris-Roubaix (1999) triumphieren konnte.
Bei der "Ronde" war
er in diesem Jahr zum elften Mal am Start.
In den letzten Jahren
war er in Flandern meist
mit Helferaufgaben betraut
für Museeuw oder Bartoli,
die nun nicht mehr bei Mapei fahren.
Auch am Sonntag ging er in Brügge
zunächste als Helfer an den Start:
"Aber jedes Rennen hat seine eigene Geschichte. Hier lief
es am Ende perfekt für mich und ich konnte meine ausgezeichnete
Form ausnutzen", meinte
er nach dem Rennen.
Tafi nutzte die "Ronde"
oft als Vorbereitung
für Paris-Roubaix,
das eine Woche später im Rennkalender
steht.
"Physisch bin ich in Topform. Und mental bin
ich für Roubaix noch mehr motiviert nach dem Sieg heute",
sagte Tafi am Sonntag.
Diesen Artikel versenden
Übersicht: Flandern-Rundfahrt
|