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Feature: Ob Roslotto oder Chicky World,
Torsten Schmidt nutzt seine Chancen

RLP-Rundfahrt: Etappensieg für Torsten Schmidt, Armstrong im Gelben Trikot

01.07.98 - Lance Armstrong (US Postal) übernahm am Mittwoch bei der 33. Rheinland-Pfalz-Rundfahrt das Gelbe Trikot des Gesamtbesten. Bei der ersten Halbetappe des sechsten Tagesabschnitts über 97km von Simmern nach Wittlich war der Ex-Weltmeister in einer kleinen Fluchtgruppe mit 58 Sekunden Vorsprung ins Ziel gekommen und übernahm so die Gesamtführung. Bei der zweiten Halbetappe am Nachmittag, die über 49km von Wittlich nach Trier führte, kontrollierte dann Armstrongs Team das Feld und es gab keine Änderungen im Klassement. Den Etappensieg in Trier sicherte sich der Bonner Torsten Schmidt (Chicky World).

Bei der ersten Halbetappe am Morgen hatte sich 38km nach dem Start in Simmern eine kleine aber feine Fluchtgruppe gebildet. Neben dem Bayern-Rundfahrt-Sieger Steffen Kjaergaard (Chicky World), Roberto Pistore (Riso Scotti) setzten sich auch die beiden Weltmeister von 1993 und 1994, Lance Armstrong und Luc Leblanc (Polti) vom Feld ab. "Der Angriff war nicht geplant", so Armstrong später. "Ich kenne die Berge in dieser Gegend doch gar nicht."

Auch der Schlußanstieg kurz vor dem Ziel in Wittlich, die "Ellerer Hölle" (3km lang, 15 Prozent steil) brachte die Spitzengruppe nicht mehr in Gefahr. Das Quartett hatte schließlich einen Vorsprung von 58 Sekunden auf das Peloton heraus gefahren und Armstrong, der mit 23 Sekunden Rückstand auf den

Finale in Bad Neuenahr-Ahrweiler am Donnerstag

Der Streckenplan des Finishs der letzten Etappe:

13.10 Uhr Adenau, 13.22 Uhr Bergwertung auf der L 10, 13.27 Uhr Kaltenborn, 13.36 Herschbach, 13.45 Kesseling, 13.58 Uhr Bergwertung auf der L 85, 14.05 Ramersbach, 14.09 Vinxt, 14.12 Schalkenbach, 14.15 Uhr Königsfeld, 14.29 Uhr Ahrweiler, 14.33 Uhr 1. Zieldurchfahrt auf der Hauptstraße in Neuenahr, 14.50 Uhr Ramersbach, 14.54 Vinxt, 14.56 Uhr Bergwertung Höhe BP-Tankstelle, 14.57 Uhr Schalkenbach, 15 Uhr Königsfeld, 15.16 Uhr Ahrweiler, 15.18 Uhr Zielankunft.

Auch der Schlußanstieg kurz vor dem Ziel in in Wittlich, die "Ellerer Hölle" (3km lang, 15 Prozent steil) brachte die Spitzengruppe nicht mehr in Gefahr. Das Quartett hatte schließlich einen Vorsprung von 58 Sekunden auf das Peloton heraus gefahren und Armstrong, der mit 23 Sekunden Rückstand auf den bisher führenden Mariano Piccoli (Brescialat) in die Etappe gegangen war, übernahm das Gelbe Trikot, während die Halbetappe an Kjaergaard ging.

Am Nachmittag stand dann eine gerade mal 49km lange Halbetappe von Wittlich nach Trier auf dem Programm. Dabei hatte dann Armstrongs US Postal-Team erwartungsgemäß überhaupt keine Probleme, das Feld zu kontrollieren. Zur Hälfte des Teilabschnitts gelang es vier Rennfahrern, die in der Gesamtwertung keine Bedrohung für Armstrong darstellten, sich davonzustehlen. Den Sprint der kleinen Gruppe gewann der Bonner Torsten Schmidt (Chicky World). "Wo sich hier einige Leute auf die Tour vorbereiten, ist so ein Sieg schon hoch anzurechnen", freute sich Schmidt, der nicht glaubt, daß sich Armstrong den Gesamtsieg noch nehmen läßt. "Lance hat ja in Luxemburg gewonnen und die Rundfahrt ist nochmal 2 Kategorien höher angesiedelt. Ich glaube nicht, daß man Armstrong noch einmal wegfahren kann."

Die siebte und letzte Etappe der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt führt am Donnerstag über 172km von Bitburg nach Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo die RLP-Rundfahrt nach insgesamt 1.253km wieder den Startort erreicht.



Ob Roslotto oder Chicky World, Torsten Schmidt nutzt seine Chancen

Der Einstieg ins Profi-Geschäft von Torsten Schmidt aus Wuppertal-Schwelm, heute wohnt er in Bonn, war kurios. Der 26jährige war als Amateur zwar ein guter Fahrer, aber wirklich überragende Resultate, die ihn für eine Profi-Karriere empfohlen hätten, gab es eigentlich nicht.

Daß es dennoch schon Ende 1996 mit einem Profi-Vertrag beim damaligen Roslotto-Team von Moreno Argentin klappte, verdankte Schmidt seiner Tätigkeit als "Testpilot" für den deutschen Tüftler Uli Schoberer, der mit seinem Hi-Tech-System, das alle relevanten Daten (etwa Herzfrequenz, Leistung in Watt, Trittfrequenz usw.) während des Trainings oder des Rennens aufzeichnet, den modernen Radsport enorm weitergebracht hat.

Bei den Testfahrten stellte Schoberer fest, daß Schmidts Werte viel besser waren, als seine Ergebnisse hätten vermuten lassen. Schoberer empfahl Torsten Schmidt weiter und wenig später hatte der Wuppertaler seinen ersten Profi-Vertrag in der Tasche.

Roslotto-Sportdirektor Moreno Argentin bereute seine Entscheidung nicht. 1997 fuhr Torsten Schmidt als Helfer einen ausgezeichneten Giro und anschließend auch noch eine tolle Tour de France, wo er als "Wasserholer" seine Kapitäne unterstützte, sich über die Berge quälte und bei der letzten Etappe nach Paris noch genug Kraft und Moral hatte, bei einer Ausreißergruppe dabei zu sein und als einer der Ersten die Pariser Stadtgrenze zu erreichen- ein besonderes Erlebnis für Torsten Schmidt.

Der Deutsche würde sicher noch heute für die italienisch-russische GSI-Sportgruppe Roslotto fahren, aber im Spätherbst 1997 zog der Sponsor kurzfristig sein Engagement zurück und das Team wurde aufgelöst. Ein höchst ungünstiger Zeitpunkt für Schmidt, da zu diesem Zeitpunkt die meisten Teams ihre Planungen für die Saison 1998 längst abgeschlossen hatten.

So landete Schmidt schließlich bei dem halb-professionellen Team "Chicky World", das von einem dänischen Hersteller von tiefgekühlten Hähnchen gesponsort wird. Dort fährt nun Schmidt statt Giro und Tour Normandie- und Rheinland-Pfalz-Rundfahrt. Aber dies tut der sympathische 26jährige mit mindestens genauso viel Engagement. Die Normandie-Rundfahrt gewann er und in Rheinland-Pfalz holte er sich die sechste Etappe in Trier.

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