07.12.99 - Immer mehr Deutsche wollen im Urlaub nicht auf ihre Fahrräder
verzichten: Millionen transportieren den Drahtesel auf dem Autodach
ans Ferienziel, um mit ihm dort Ausflüge zu unternehmen. Und
hunderttausende nutzen Rennrad, Tourenrad oder Mountainbike gleich als
Hauptverkehrsmittel für die Ferien. Laut einer Studie des
BAT-Institutes (Hamburg) fahren inzwischen 19 Prozent aller Deutschen
im Urlaub Rad, rund 70.000 haben nach Branchenschätzungen 1998 einen
pauschal organisierten Fahrradurlaub gebucht - doch das
Marktpotential im deutschsprachigen Raum dürfte wesentlich höher,
nämlich bei etwa 600.000 Gästen liegen.
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Radurlauber helfen nicht nur ihrer Kondition auf die Sprünge,
sondern auch den Umsätzen in der Tourismusbranche: Denn allen
Klischees zum Trotz sind sie keineswegs geizig. Spezialveranstalter
bedienen den wachsenden Markt mit organisierten Touren entlang der
Donau durch solch wunderschöne Landschaften wie die Wachau, der
Loire, durch Schweden, die Toskana oder auch Neuseeland. Die Stuttgarter "CMT 2000"
lockt vor allem an ihrem zweiten Wochenende 22. / 23. Januar
Radl-Freaks und Anbieter von Urlaub auf und mit dem Drahtesel zu
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Profis haben es zwar manchmal nicht so komfortabel wie Rad-Urlauber,
aber dafür müssen sie ja auch nichts zahlen, im Gegenteil...
Im Bild: Fernando Escartin macht sich vor einem Tour-Zeitfahren warm,
der laufende Bus-Dieselmotor dient als "Heizung"...
Foto: Volk
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ihrem Messe-Schwerpunkt "Fahrrad & Reisen". Nach dem guten Start 1999
mit auf Anhieb 60 Ausstellern rechnet die Messe Stuttgart
International bei der zweiten Auflage mit noch größerem Interesse.
Symbolisch für die enorm gestiegene Popularität des Fahrrads im
Urlaub steht das Arrangement "China aktiv" des großen
Reiseveranstalters DERTOUR. Im Rahmen der dreiwöchigen Rundreise
durch die Volksrepublik entdecken Urlauber Peking und drei weitere
Großstädte auf die traditionelle chinesische Weise auf dem
Drahtesel. Spezialisten für Radurlaub wie "Rotalis" in Baldham oder
"Aktiv-Reisen Velotours" in Konstanz lassen in ihrem Angebotsspektrum
kaum Wünsche offen. Die allesamt kleinen Anbieter - keiner bringt es
auf mehr als 8.000 Kunden im Jahr - decken dabei nur etwa drei
Prozent des Marktes ab Die große Mehrheit der Fahrradurlauber plant
ihre große Tour individuell - und tritt mit schweren Packtaschen in
die Pedale.
Dagegen nehmen die Radreise-Veranstalter ihren Kunden das Gepäck
ab Während die Koffer separat von Hotel zu Hotel befördert werden,
bewältigen die Teilnehmer ihre Tagesetappen unbelastet. Der Service
hat natürlich seinen Preis und wird überwiegend von Urlaubern in
Anspruch genommen, die hohe Ansprüche an ihr Quartier stellen und
abends gern ihre Radlerkluft gegen etwas elegantere Kleidung
eintauschen. Entgegen der falschen, aber immer wieder anzutreffenden
Vorstellung von Fahrradurlaub als "Jugendherbergstourismus" sind die
Radler in der Regel zwischen 35 und 60 Jahre alt, Individualisten,
aktiv in ihrer Freizeit und verfügen über hohen Bildungsgrad und
überdurchschnittliches Haushaltseinkommen - Radtouristen geben laut
einer Untersuchung der Deutschen Zentrale für Tourismus DZT und des
Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC 20 Prozent mehr im Urlaub aus
als der Durchschnittsgast.
Sowohl geographisch als auch beim Streckenprofil und der
Etappenlänge ist Vielfalt Trumpf. Ganz gleich, ob man pro Tag 40 oder
140 Kilometer strampeln will, ob man geruhsam auf den Uferstraßen an
Donau, Rhein oder Weser entlang rollen oder Schweiß treibende
Bergpässe erklimmen möchte Die meisten Pauschalangebote sind
maßgeschneidert auf Alter, persönliche Interessenlage und
Leistungsfähigkeit der Teilnehmer. Dabei bieten verschiedene Anbieter
ganz unterschiedliche Konzepte Während beispielsweise Rotalis seine
Klientel jeweils in Gruppen mit Reiseleitung auf den Weg schickt,
sind die Radurlauber bei Aktiv-Reisen Velotours allein unterwegs.
Geschäftsführer Manfred A. Kloss "Individualität ist Trumpf, wir als
Veranstalter mit 800 eigenen Rädern und 22 Gepäcktransportbussen
können heute jeden noch so ausgefallenen Wunsch erfüllen - wenn es
irgendwie mit unserer Logistik zu vereinbaren ist."
Das Image vom Radler als armem Schlucker, der sich kein Auto
leisten kann, hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt.
Heute sind sie in Hotellerie und Gastronomie sehr willkommen, denn
die körperliche Anstrengung sorgt für Hunger und Durst - und mithin
für gute Umsätze. Besonders die großen Flusstäler von Donau, Rhein,
Mosel und Main haben sich zu "Rennstrecken" für Radler gemausert,
aber auch Mecklenburg-Vorpommern wird zunehmend attraktiver. Seit
Eröffnung des Mecklenburgischen Seenradwanderweges von Lüneburg über
Westmecklenburg, die Seenplatte und Vorpommern nach Usedom im
vergangenen Mai gab es 50.000 Anfragen von Interessenten. Immerhin
zwei der 3,5 Millionen Deutschen, die im Urlaub Rad fahren, bleiben
im Lande.
OTS