Paris-Roubaix: Kampf um die Pflastersteine
Gartenbau-Studenten restaurieren künftig pavés
In der "Hölle des Nordens" will man Geschichte nicht unter Asphalt begraben

In der "Hölle des Nordens"
Foto: Roth
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21.11.02 (rsn) - Wenn man die hol- prigen, gepflasterten
Sträßchen Nord- frankreichs anschaut, über die alljährlich im April die Radprofis
beim Klassiker Paris-Roubaix jagen, kommt man spontan nicht
auf den Gedanken, dass hier irgendjemand Arbeit
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investiert hat, um sie für das Radrennen zu präparieren.
Doch der Eindruck täuscht. Die Veranstalter führen
einen ständigen Kampf um die Pflastersteine
in der "Hölle des Nordens". In diesen Kampf mit
Hacken, Schaufeln und Schubkarren reihten sich dieser
Tage gar Gartenbau-Studenten ein.
Studenten der lycée horticole im nordfranzösischen Raismes-Valenciennes
werden in Zukunft die pavé-Sektoren, die Kopfsteinpflaster-Abschnitte
des berühmten Radklassikers restaurieren.
In Wallers, wo die "Königin der Klassiker"
traditionell durchkommt,
unterzeichnete am Mittwoch die Schule
einen Partnerschaftsvertrag mit den örtlichen
Gemeinden, dem Freundeskreis
von Paris-Roubaix und den Organisatoren
des Rennens von der Amaury-Gruppe,
die u.a. auch die Tour de France veranstaltet.
Vrais pavés du Nord!
In den nächsten Monaten werden drei Klassen
von Gartenbau-Studenten
deren Namen übrigens nicht
vom Radsport, sondern aus
den fürchterlichen Stellungskämpfen des Ersten Weltkriegs
herrührt. Eingeteilt sind die "pavés" in 30 Sektoren,
wobei die Organisatoren
Jahr für Jahr größere Mühe haben,
geeignete Straßen zu finden. Diese
Relikte aus der Postkutschen-Zeit müssen mehr und mehr
modernen Straßenbelägen weichen. Einige pavés stehen
seit Jahren unter Denkmalschutz, dennoch ist es für
die Organisatoren des Rennens ein ständiger Kampf um die
Bewahrung der historischen Straßen.
Spuren der Zivilisation
Es geht dabei um viel mehr, als um ein Radrennen.
Es geht auch um das Selbstbild
einer Region, die
sich viele Jahre schämte wegen der ärmlichen Verhältnisse,
die man in den Pflasterstraßen besonders deutlich
herausgestellt sah.
"Vor 20 Jahren war man hier überall beschämt wegen der pavés. Heute ist man
stolz darauf", sagt Renndirektor Jean-Marie Leblanc. "In Lille hat man zum Beispiel lange geglaubt, Paris -
Roubaix sei schädlich für das Image (von Nordfankreich). Dies
hat sich umgekehrt. So wie man die alten roten Ziegelhäuser
bewahrt, so muß man unseren Nachkommen auch einige
Sektoren der Kopfsteinpflaster-Straßen erhalten. Das sind
Spuren unserer Zivilisation."
Jean-Marie Leblanc freute sich
denn besonders, als die nordfranzösische Gartenbau-Schule
am Mittwoch den Vertrag unterschrieb
und sich in den Kampf um das Kopfsteinpflaster
einreihte. "Unsere Geschichte
sollte man nicht begraben unter
Asphalt!", rief Leblanc den Studenten zu.
15.000 Euro für Material und
Werkzeug bekommen die jungen
Leute von Kommunen, den Veranstaltern und der Organisation "Freunde von Paris-Roubaix",
für die Arbeit bekommen sie keinen Lohn.
Das Freilegen der pavés für Paris-Roubaix
werde "ein Pflichtkurs", meinte
Schuldirektor Jean-Marie Dubois.
Die Dankbarkeit für die freiwillige Plackerei wird
sich dennoch bei vielen Radprofis in Grenzen halten.
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