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Totaler Mapei-Triumph in der "Hölle des Nordens"

12.04.98 - Der Italiener Franco Ballerini gewann am Ostersonntag den Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix und wiederholte seinen Sieg von 1995. Andrea Tafi und Wilfried Peeters auf den Plätzen Zwei und Drei machten den totalen Mapei-Triumph perfekt.

45 Kilometer vor dem Ziel war Ballerini angetreten und fuhr unbeeindruckt von widrigen äußeren Bedingungen einen so großen Vorsprung heraus, daß seine Teamkollegen Peeters und Tafi 15km aus der Verfolgergruppe heraus attackieren konnten, ohne Ballerinis Sieg zu gefährden.

"Für mich ist Paris-Roubaix das Rennen meines Lebens," so Frauenschwarm Ballerini, der die "Königin der Klassiker" bereits 1995 gewann und 1993 Zweiter sowie 1994 Dritter wurde.

Ballerini lancierte seine vorentscheidende Attacke als die meisten der vermeintlichen Favoriten schon ausgestiegen oder weit abgeschlagen waren. Nach wenigen Kilometern hatte er einen komfortablen Vorsprung herausgefahren.

Hinter dem alleine führenden Ballerini bildete sich eine erste Gruppe unter anderen mit Frederic Moncassin und Rolf Sörensen, die es auch auf den Sieg abgesehen hatten. In dieser Gruppe achteten jedoch Ballerinis Teamkameraden Tafi und Peeters darauf, daß eine Konterattacke ausblieb und hielten Ballerini so taktisch geschickt den Rücken frei.

Franco Ballerini

geb. 11.12.1964 in Florenz.
1,83 m, 76 kg
verheiratet, ein Sohn
Wohnort: Cantagrillo (Toskana)

Profi seit 1986.
Teams: Magniflex (86-87), Del Tongo (88), Malvor (89), Del Tongo (90-91), MG (92-93), Mapei (seit 94)

Weltrangliste: 159.

Größte Erfolge:
Paris-Roubaix 1995, Paris-Roubaix 1998, GP des Amériques 1990, Het Volk 1995, Trois Vallées varésines 1987, Paris-Brüssel 1990, Piemont-Rundfahrt 1990, Romandie-Rundfahrt 1991, 1 Etappe des Giro d'Italia 1991, Teleport Derny Amsterdam 1996,

Plazierungen bei Paris Roubaix: 34. (1989), 19. (1990), 5. (1991), 11. (1992), 2. (1993), 3. (1994), 1. (1995), 5. (1996), 24. (1997), 1. (1998)

15km vor dem Ziel, -Ballerini hatte einen sicheren Vorsprung von über vier Minuten-, versuchten dann die beiden Mapei-Männer ihr Glück und attackierten aus der Verfolgergruppe heraus. Die Gegner hatten diesem Antritt nichts entgegenzusetzen. Tafi und Peeters kamen 4:20 Minuten nach Ballerini ins Ziel und Tafi, der vor zwei Jahren aufgrund einer Stallorder nur Dritter werden durfte, konnte sich über einen zweiten Platz freuen.

Mapei dominierte mit dem Gewinn der ersten drei Ränge wie bereits 1996 die "Königin der Klassiker" absolut. Überschattet wurde die Freude im Team jedoch von dem schweren Unfall von Johan Museeuw, der am Wald von Arenberg, dem 15. der insgesamt 23 Kopfsteinpassagen, stürzte und sich schwer verletzte (s.a. Bericht).

Die 96. Ausgabe von Paris-Roubaix machte aufgrund immer wieder einsetzender Regenschauer ihrem Namen als "Hölle des Nordens" alle Ehre.

Ein sensationelles Rennen fuhr der deutsche Michael Rich (Saeco). Der 28jährige Freiburger, der erst Anfang 1997 ins Profilager gewechselt war, war bei fast jeder Attacke des Rennens dabei und fuhr stets ganz vorne mit. In der Schlußphase hatte Rich etwas Pech als er 20km vor dem Ziel einen Defekt hatte, kam aber am Ende dennoch als bester Deutscher auf einen ausgezeichneten 14. Platz.



Stimmen

Michael Rich (Saeco): "Das ist die beste Leistung, die ich je gebracht habe. Es war erst mein 5. Weltcup-Rennen und das erste Mal, daß ich ins Ziel kam. Es war ein bißchen Glück dabei, aber am Ende hatte ich auch etwas Pech. 20km vor Schluß hatte ich Defekt- sonst wäre ich vielleicht unter die ersten Zehn gekommen. Aber es ist auch so ok."

Jan Schaffrath (Telekom): "Ich bin heute das erste Mal Paris-Roubaix gefahren und ich habe schon mit den widrigsten Bedingungen gerechnet. Auf dem Schlamm war die Sturzgefahr riesig. Am Arenberg hat es mich auch erwischt. Naja, Pech gehabt."

Franco Ballerini: "Einmal siegen ist schön, aber den Sieg wiederholen ist schöner. Vor allem wenn es bei einem schwierigen Rennen wie Paris-Roubaix ist, wo hinter jeder Kurve eine Falle ist. Ich habe mich heute in einer Fluchtgruppe wiedergefunden, ohne daß ich das eigentlich gewollt hatte. Die Straßen hier sind hart und es war schwer, mit Tafi und Peeters zu reden, aber zwischen uns gibt es eine tiefe Freundschaft und Blicke reichen zwischen uns aus. Und dann war ich plötzlich vorne ohne wirklich attackiert zu haben. Es stimmt, 60km sind viel, aber manchmal muß man mal etwas Verrücktes versuchen, um einen großen Sieg zu erreichen. Mein Sportdirektor Patrick Lefévère hat mir immer wieder gesagt, ich solle mit meinen Kräften haushalten, weil es noch so weit bis ins Ziel war. " - "Als ich ins Velodrom kam, war ich super-zufrieden. Die Leute haben mir zugejubelt, als ob ich Franzose sei. Im Velodrom war es so, als ob ich bei einer Fußball-Weltmeisterschaft ein Tor im Endspiel schiessen würde."

Patrick Lefevere, Mapei-Teamchef: "Die frühe Flucht von Ballerini war riskant mit dem starken Gegenwind, aber er war echt super. Franco war auch ein bißchen angestachelt von den Kommentaren in der Presse in Italien, er könne hier und heute nicht gewinnen."

Der Film:

Start in Compiegne bei kühlen 5 Grad C und Schauern

Erste Attacke durch Francesco Casagrande (Cofidis) und Arnaud Pretot (Gan)

KM 58, St. Quentin: Fluchtversuch von 21 Rennfahrern, u.a. mit Michael Rich, Tom Steels, Ludo Dierckxsens, Thierry Gouvenou, Max Van Heeswijk.

KM 98,5, Troisville, erster Pavé-Abschnitt: die 21 Ausreißer haben 1:45 Vorsprung auf das Peloton.

KM 143,5, Valenciennes: Peloton jetzt mit 7:15 Rückstand

KM 155, Arenberg: Schlamm, Matsch, viele Stürze: u.a. Museeuw, Guesdon, Baldato, Tchmil, Mengin. Zanini hat Defekt.

KM 186, Orchies: Die Spitzengruppe ist geschrumpft auf sechs Fahrer: Rich, Steels, Dierckxsens, Gouvenou, F Moreau und Van Heeswijk

KM 198, Bersee: Vorne jetzt ein Trio mit zwei Minuten Vorsprung (Dierckxsens, Steels, Gouvenou). Dahinter Moncassin, Backstedt, Ballerini, Tafi, Peeters, Boscardin, Van Bon und Sörensen. Steels stürzt.

KM 208, Merignies: Ballerini holt Dierckxsens und Gouvenou ein.

KM 213: Ballerini jetzt alleine vorn. Dahinter Moncassin, Backstedt, Peeters, Tafi, Sorensen, Van Bon.

KM 251: Ballerini hat jetzt über 4 Minuten Vorsprung. In der folgenden Gruppe attackieren Ballerinis Teamkollegen Peeters und Tafi.

KM 266,5 - Ziel: Totaler Mapei-Triumph.

Ergebnisse Paris-Roubaix





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