14.03.98 - Der belgische Lotto-Profi Andrej Tchmil gewann am Samstag
im Sprint die siebte Etappe der Fernfahrt Paris-Nizza und wiederholte
so in Cannes seinen Sieg vom Vortag. In der Gesamtwertung führt
weiterhin Frank Vandebroucke. Einen Tag vor dem Ende des Rennens
scheint dem jungen Belgier der Sieg nicht mehr zu nehmen sein.
Mit seinem Sieg in Cannes zeigte Andrej Tchmil ein weiteres Mal,
daß er mit seinen 35 Jahren noch immer auf allerhöchsten
Niveau radfährt. Tchmil wurde am 22. Januar 1963 im äußersten
Zipfel der damaligen Sowjetunion geboren, in der Nähe von Wladiwostock
am Japanischen Meer. Aufgewachsen ist Tchmil in der Ukraine, wo seine
Mutter, von Beruf Sängerin, arbeitete. Später zog die Familie
nach Moldavien um. Als 1989 der Eiserne Vorhang fiel, wurde
Tchmil Radprofi und lebte in Belgien, in Frankreich und Italien.
Er fuhr unter moldawischer und ukrainischer Lizenz, zehn verschiedene
Pässe besaß Tchmil bereits in seinem Leben. Seit Ende
letzten Jahres besitzt er nun die belgische Staatsangehörigkeit.
"Es ist eine Frage der Zukunft von meiner Familie und mir. Ich fühle
mich Belgien sehr verpflichtet und habe großen Respekt vor dem
Land", erklärt Tchmil.
Am Samstag bei der siebsten Etappe von Paris-Nizza,
223km zwischen Sisteron und Cannes, zeigte Tchmil seine Qualitäten
als Rennfahrer: Während der ersten 222km war von Tchmil nichts
zu sehen, aber auf dem letzten Kilometer war er hellwach,
gewann im Sprint vor Stephane Barthe (FDJ) und Laurent Jalabert (ONCE).
Der in der Gesamtwertung an zweiter Stelle liegende Laurent Jalabert hatte auch am Samstag wieder alles versucht, um
Frank Vandenbroucke das weiße trikot des Spitzenreiters
abzujagen, doch "VDB" konterte souverän alle Angriffe.
"Ich mußte alle Attacken beantworten und ich habe getan, was ich
konnte", so der 23jährige Belgier, der nun vor einem
der größten Triumphe seiner Karriere steht.
"Ich habe ein Team, das das Rennen seit Paris kontrolliert."
Wenn keine außergewöhnlichen Dinge passieren,
dürfte "VDB", der in seiner Heimat oft mit dem großen Eddy Merckx
verglichen wird, am Sonntag auf dem Promenades des Anglais in Nizza
das Rennen gewinnen.
Und auch Frank Vandenbroucke zeigt keine falsche Bescheidenheit.
Befragt, ob er glaube, das Rennen morgen zu gewinnen, meinte
er kurz und knapp: "Ja, logisch."