12.03.98 - Frank Vandenbroucke widerstand am Donnerstag allem:
Trotz Schnee, Kälte und heftigen Attacken der Konkurrenz
gewann der 23jährige Mapei-Profi die vorentscheidende 5. Etappe
der Fernfahrt Paris-Nizza.
"Es war furchtbar kalt, aber ich habe nicht viel ans Wetter gedacht",
so Vandenbroucke im Ziel der Bergankunft am Col de la Republique (1.075m),
wo eisiger Wind nicht unbedingt zum Radfahren einlud.
Das Wetter war auch dafür verantwortlich, daß die
Etappe kurzfristig wegen Schneefalls auf 113km verkürzt werden
musste.
Vandenbrouckes Mapei-Team hatte zunächst viel zu arbeiten, um
eine Angreifergruppe mit Fahrern aus den Teams Casino und Festina
wieder einzufangen. Rechtzeitig bevor es hoch zum Col de la Republique
ging, war die kleine Fluchtgruppe gestellt.
Am letzten Anstieg attackierten dann zunächst die Spanier
Marcelino Garcia (ONCE) und Roberto Heras (Kelme). Vandenbroucke,
Alex Zülle (Festina) und Rodolfo Massi (Casino) konnten jedoch
schon bald zu diesem Führungsduo aufschliessen.
Auf den letzten Kilometern vor dem Ziel attackierte dann Frank Vandenbroucke.
Allein Marcelino Garcia konnte zunächst noch mithalten, doch auch
Garcia musste den unwiderstehlichen Belgier am Ende ziehen lassen.
Ungefährdet und vollkommen überlegen gewann Frank Vandenbroucke
die 5. Etappe von Paris-Nizza 1998.
In der Gesamtwertung führt Vandenbroucke nun, drei Tage vor Nizza,
mit 44 Sekunden vor dem zweitplazierten Laurent Jalabert, der Vandenbrouckes
Leistung anerkannte: "Der ist ungeheuer stark." Dennoch will Jalabert, der
zuletzt drei Mal hintereinander (1995, 1996, 1997) das "Rennen zur Sonne"
gewinnen konnte, seine Siegambitionen noch nicht aufgeben: "Ich wage zu
hoffen, daß das Rennen noch nicht zu Ende ist. Wir werden
es ihm auf jeden Fall nicht leicht machen, zu gewinnen."
Auch wenn "VDB" am Donnerstag einen Riesenschritt in Richtung
Sieg machte, gewonnen hat Vandenbroucke sicher noch nicht.
Gefährlich werden könnten dem Belgier etwa, daß
ihn jetzt zwei, drei sehr starke Teams jagen werden. Neben ONCE
sind auch Festina und Casino spätestens seit Donnerstag
ganz auf Offensive eingestellt.
Doch Frank Vandenbroucke hat momentan Moral ohne Ende.
"Es war heute wundervoll, den Champions wie Jalabert und Zülle
davonzufahren. Dieser Sieg ist für mich wichtiger als
Paris-Brüssel 1995." Im Ziel erhielt VDB dann noch zusätzliche
moralische Unterstützung: Vandenbrouckes Mutter sowie seine
Verlobte Clothilde waren im Ziel anwesend und herzten den Etappensieger
heftigst.
Am Freitag führt die sechste Etappe der Fernfahrt über 188km von
Montélimar nach Sisteron. Dann steht mit dem Col de l'Homme
Mort (1.213 m) knapp 80km vor dem Ziel noch einmal ein ernsthafter Berg auf dem Programm