08.03.98 - Frank Vandenbroucke, 23 Jahre alt und seit seinem Profi-Debüt
vor fast vier Jahren "die große belgische Hoffnung"
gewann das Eröffnungszeitfahren von Paris-Nizza, dem ersten echten
Saisonhöhepunkt. Titelverteidiger Laurent Jalabert benötigte
für den 10,2km langen Kurs in der französischen Hauptstadt
7 Sekunden mehr als der Sieger, ließ aber all seine Hauptkonkurrenten hinter sich.
"Jaja", der darauf brennt, das "Rennen zur Sonne" zum vierten Mal in Folge zu
gewinnen, hinterließ einen sehr guten Eindruck, obwohl er in den
letzten Tagen vor dem Rennen mit Grippe und hohem Fieber zu kämpfen hatte.
Die Plätze drei bis sechs belegten vier Festina-Fahrer: Boscardin,
Dufaux, Zülle und Moreau, wobei der Schweizer Mitfavorit Zülle
bereits nach den ersten 10km der einwöchigen Tour 15 Sekunden
Rückstand auf Jalabert hat, und das obwohl Zülle zumindest
auf dem Papier eher als der bessere Zeitfahrer gilt.
Verlierer des Tages waren die Rennfahrer der Casino-Equipe, die bisher
fast alle Rennen der Saison dominiert hatten. Bester Fahrer der Mannschaft
war Lauri Aus, er kam auf Platz 12. Casino-Sportdirektor Vincent Lavenu
versprach dennoch nach dem ersten Tag: "Wir wollen hier was bewegen,
jetzt erst recht!"
Ein weiterer großer Verlierer war Evgeny Berzin. Der Russe, der
einmal ein überagender Zeitfahrer war, kam gerade mal auf Rang 67,
verlor mehr als eine Minute bei einem 10km-Zeitfahren.
Umso heller strahlte der glückliche Sieger Vandenbroucke:
"Das ist das erste Mal, daß ich ein so wichtiges Zeitfahren gewonnen
habe."
Frank Vandenbroucke war 1994 mit zarten 19 Jahren Profi geworden und
in Belgien sah man in ihm schon den nächsten Eddy Merckx.
Nach großen anfänglichen Erfolgen, -"VDB" gewann mit gerade mal 20 Jahren
Paris-Brüssel-, kam ein kleiner Durchhänger und in Belgien
wurde man schon ein wenig ungeduldig, der erwartete große
Durchbruch schien auszubleiben. "Ich hatte ja noch den Körper
eines Teenagers", so Vandenbroucke. "Ich weiß daß man viel
von mir erwartet, aber ich habe auch noch große Entwicklungsmöglichkeiten.
Jedes Jahr verbessere ich mich etwas. Und dies ist das erste Mal, daß
ich so früh in der Saison so fit bin. Heute habe ich bewiesen,
daß, wenn ich mich physisch stark fühle, meine Ergebnisse
gut sind."
Am Montag wird Vandenbroucke und seine Mapei-Mannschaft versuchen, das
Trikot des Gesamtführenden zu verteidigen. Die zweite Etappe
fürt das Fahrerfeld über 170km von Montereau nach Sens im Südosten
von Paris. Das Finale der Etappe bildet ein 24km langer, etwas hügliger
Rundkurs, der drei Mal zu absolvieren ist. Reine Sprinter dürften
da wenige Chance haben.