Ullrich trainiert auf Mallorca
Telekom: Pevenage am Katzentisch
03.12.03 (dpa) -
2004 will Jan Ullrich, der in der kommenden Woche
sein erstes Trainingslager auf Mallorca bezieht, zum großen Schlag
ausholen: Der zweite Toursieg nach 1997 und die zweite Goldmedaille
stehen auf seinem Wunschzettel ganz oben. Aber weitere Unklarheit
über die Kompetenzen seiner sportlichen Führung könnten für Sand im
Getriebe sorgen.
Pevenage und Ullrich bei der Tour-Vorstellung im Oktober in Paris
Fotos: Roth
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«Es ist nicht daran gedacht, dass Rudy Pevenage bei
der Tour de France im Begleitwagen sitzt oder mit Jan verkabelt sein
wird. Er kann uns jeder Zeit im Mannschaftshotel besuchen, aber
wohnen wird er dort nicht», erklärte T-Mobile-Teamchef Mario Kummer
noch ein Mal die offizielle Linie der Führungs-Etage beim Telekom-
Nachfolger.
Die duldet zwar die von Ullrich ausdrücklich gewünschte
«persönliche Betreuung» durch seinen langjährigen Vertrauten,
verweigert Pevenage aber eine Festanstellung und Integration ins
Team. Die Verärgerung über den abrupten Abgang des 49-jährigen Flamen
zum Jahreswechsel 2003 im Gefolge Ullrichs Richtung Coast sitzt
weiter tief. Sein Nachfolger auf dem Chefsessel im Begleitwagen,
Kummer, kann zudem zusammen mit Walter Godefroot auf eine äußerst
erfolgreiche Saison 2003 zurückblicken und sammelte damit auch
Argumente gegen den Ullrich-Intimus.
«Probleme mit Pevenage? - wie soll ich Schwierigkeiten mit einem
Menschen haben, mit dem ich nicht spreche», fragte T-Mobile-Manager
Godefroot, der beim Mannschafts-Treffen daran erinnerte, wer im
Begleitwagen saß, als Ullrich bei der Tour'97 sein Meisterstück
vollbrachte: «Ich». Aber Pevenage, damals noch fast freundschaftlich
mit seinem Landsmann Godefroot verbunden, saß daneben und wurde in
der Folge so etwas wie der Baumeister der Karriere Ullrichs, der am
Dienstag 30 Jahre alt wurde.
Die diesjährigen Ullrich-Teamwechsel von Telekom zu Coast, von
dort zu Bianchi und retour zu T-Mobile haben im Endeffekt vor allem
Pevenage arg zugesetzt. Ihm könnte sogar ein ähnliches Schicksal wie
Peter Becker drohen. Der 65-jährige Ullrich-Trainer noch aus DDR-
Zeiten soll mit einer Art Abfindung langsam aufs Berliner Altenteil
geschickt werden. Auch Pevenage wird von Ullrich privat bezahlt.
«Ich lasse alles auf mich zukommen. Ich habe in der vergangenen
Woche mit Jan lange telefoniert, und er hat mir gesagt, ich soll
ruhig bleiben. Sein Trainingsprogramm ist mit Mario Kummer
besprochen. Ich werde kurz zu Jan nach Mallorca fliegen und natürlich
auch dabei sein, wenn er im Februar mit der Mallorca-Rundfahrt die
Saison beginnen sollte», erklärte Pevenage.
«Jan hat bei sich zu Hause in der Schweiz bisher vorwiegend im
Kraftraum und auf der Rolle trainiert. Bis kurz vor Weihnachten
arbeitet er auf Mallorca jetzt an seiner Ausdauer-Grundlage», sagte
Pevenage. Zum Trainingslager der gesamten T-Mobile-Mannschaft ab 10.
Januar - ebenfalls auf den Balearen - ist der Ullrich-Betreuer
natürlich nicht eingeladen.
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