Saisonrückblick 2003 (I)
Petacchi entthront den "König der Löwen"
Foto: Roth
BERLIN, 16.12.03 (rsn) - Bei den Sprintern gab
es in der Saison 2003 eine kleine Revolution.
In weniger als fünf Monaten gelang es dem Italiener Alessandro Petacchi,
seinen Landsmann Mario Cipollini, den Sprint-Superstar und
Weltmeister von 2002, in den Schatten zu stellen
und sich selbst zum König der Sprinter zu krönen.
Petacchi holte nicht nur 24 Saisonsiege - 15 (!) davon bei Giro, Tour und Vuelta.
Währenddessen erlebte "SuperMario" Cipollini
ein desaströses Jahr, das mit einer verpassten Chance bei Mailand-San Remo begann und
mit einem peinlichen Vuelta-Kurztrip endete.
Die meisten Siege 2003 holten...
Alessandro Petacchi (24)
Jaan Kirsipuu (12)
Erik Zabel (10)
Michael Rich (8)
Gilberto Simoni (8)
Alejandro Valverde (8)
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Oft zeigen konnte Cipollini das Regenbogentrikot,
das er im Oktober 2002 in Belgien gewann, nicht.
Alles in allem trug er es nicht mal
einen Monat lang in der abgelaufenen Saison.
Der Toskaner startete in seine
schwarze Saison mit einer verpassten Großchance bei
Mailand-San Remo, wo er ganz dicht
an einer Wiederholung seines Triumphes
dran war. Bei Gent-Wevelgem,
wo er im Jahr zuvor ebenfalls gewonnen hatte,
kam es für den Weltmeister noch dicker:
Er wurde disqualifiziert, weil
er mit einer (gefüllten) Trinkflasche nach
einem Motorradfahrer warf.
Danach wollte sich Cipollini,
wieder einmal von den Tour de France-Organisatoren
mit Nichtachtung gestraft,
ganz auf den Giro d'Italia
konzentrieren. Dort gelang es ihm,
den "ewigen" Etappensiegrekord des legendären "campionissimo"
Alfredo Binda zu knacken, doch richtig freuen konnte
er sich darüber nicht. Unter den Sprintern
war nämlich ein anderer der Gewinner:
Alessandro Petacchi

Foto: Roth
Alessandro Petacchi (Ita)
geb. 3.Januar 1974 in La Spezia (Ligurien/Ita); 1,84m/75kg
Profi seit 1996
Teams: Scrigno (1996-1998), Navigare (1999), Fassa Bortolo (seit 2000)
Palmares:
Vier Etappen Tour de France 2003 (Meaux, Saint-Dizier, Nevers, Lyon),
sechs Etappensiege Giro d'Italia 2003,
acht Etappen Spanien-Rundfahrt (2/2000, 1/2002, 5/2003),
drei Etappen Paris-Nizza (2/2002, 1/2003),
Lucca-Rundfahrt 2000 (Gesamt + 1 Etappe),
zwei Etappen Luxemburg-Rundfahrt 2000, zwei Etappen Route du Sud
2000, zwei Etappen Regio Tour (1/2000, 1/2002),
zwei Etappen Lombardische Woche 2001, Etappe Bicicletta Vasca 2001,
vier Etappen Semana Coppi-Bartali (1/2001, 3/2002),
Etappe Polen-Rundfahrt 2001, Etappe Mittelmeer-Rundfahrt
2002, vier Etappen Valencia-Rundfahrt (3/2002, 1/2003),
Etappensieger Baskenland-Rundfahrt 2002,
drei Etappen Aragon-Rundfahrt 2003, Trofeo Luis Puig 2003
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Als am 10.Mai bei der ersten Etappe des Giro in Lecce
der 29 Jahre alte Ligurier, dessen größter Erfolg bisher drei Vuelta-Etappen waren,
den Sprinter-Star im Weltmeister-Trikot hinter sich ließ, ahnte niemand,
dass dies der Beginn eines solch beeindruckenden Wachwechsels sein würde.
Petacchi, der im achten Profi-Jahr seinen ersten Giro-Sieg feierte,
hielt sich mit Prognosen zurück.
Er selbst hätte da sicher nicht für möglich gehalten,
dass er in den folgenden fünf Monaten Radsportgeschichte schreiben würde.
Beim Giro gelangen ihm noch fünf weitere
Siege, bis er das Rennen schließlich kurz vor Schluss
bei Schnee und Eis in den Bergen aufgeben musste.
Bei der Tour de France wenige Wochen später
fuhr er eine makellose erste Woche: Vier Tour-Etappen
gingen an ihn, bevor ihn ein Virus zur frühen Aufgabe zwang.
Bei der Spanien-Rundfahrt schließlich,
bei der Cipollinis 28km-Alibi-Auftritt
die Gemüter erhitzte, legte Petacchi
nach: Nochmal fünf Etappensiege feierte er,
schraubte seine Saisonbilanz auf unglaubliche
15 Etappensiege bei großen Rundfahrten.
Seit dem Spanier Miguel Poblet und dem Italiener Pierino Baffi
war es keinem Rennfahrer mehr gelungen,
bei allen drei großen Rundfahrten einmal zu gewinnen.
Petacchis Bilanz lautete sechs Giro-, vier Tour- und
fünf Vuelta-Etappensiege.
Cipollinis 42 Karriere-Giro-Etappensiege
schienen da plötzlich gar nicht mehr so wichtig.
Doch Cipollini kündigte bereits an,
er wolle 2004 die Herausforderung
Petacchis annehmen. Der sollte
gewarnt sein: Angeschlagene
Löwen sind bekanntlich besonders gefährlich...
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