Schuldig wegen "Sportbetrug"
Pantani zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt
Anwalt kündigt Berufung an / Auch die Anklage plädierte auf Freispruch

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11.12.00 (rsn) -
Der italienische Radstar Marco Pantani (Mercatone Uno)
ist von einem Gericht in Forli (Norditalien)
wegen "Sportbetrugs" ("frode sportiva") zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.
Dies erklärte sein Anwalt Gaetano Insolera am Montagabend
nachdem die Richterin Luisa Del Bianco am Ende
des fünften Verhandlungs- |
tages zu einem Urteil
gelangt war.
Die Anklage hatte zuvor auf Freispruch plädiert.
Pantanis Anwalt kündigte an, man werde in Berufung gehen.
dessen Mandant derzeit bei einem
Vorbereitungstreffen mit seinen Teamkollegen in Riccione
weilt und nicht anwesend war am letzten Verhandlungstag des Prozesses,
der am 13. Oktober begann.
Es heißt, Pantani habe sich auch bei dem Mannschaftstreffen
zurückgezogen von seinen Profikollegen.
Am Montag hatten noch zwei Turiner Ärzte,
die Professoren Palumbo und Giuggiaro zugunsten von Pantani
ausgesagt.
Die Richterin kam dennoch zu dem Ergebnis, dass zweifelsfrei nachgewiesen
wurde, dass der Giro- und Toursieger mit im Sport verbotenen
leistungsfördernden Medikamenten Doping betrieben hat.
Insbesondere hat Pantani nach Ansicht des Gerichts
mit dem Hormon Erythropoietin (EPO)
gedopt beim Klassiker Mailand-Turin im
Oktober 1995. Damals war Pantani bei einem Unfall
von einem entgegenkommenden Jeep schwer verletzt worden.
Im Krankenhaus von Turin stellte man daraufhin
bei den Untersuchungen einen Hämatokritwert
von 60,1 Prozent fest. Dies deutet nach Meinung der
Experten auf EPO-Doping hin. Der 1997 von
der UCI festgelegte Schwellenwert, ab dem
Fahrer gesperrt werden aufgrund von "Gesundheitsgründen",
liegt bei 50 Prozent Hämatokrit.
Die Position von Pantani bei dem auch in Justizkreisen umstrittenen
Prozess war am vierten Verhandlungstag schwächer geworden,
nachdem Professor Massimo Cartesegna, der Chef der Notaufnahme der
Klinik in Turin, aussagte, Pantanis Hämatokritwert habe bereits
bei 60,1 Prozent gelegen, als der Rennfahrer mit dem Rettungswagen ankam.
Pantanis Verteidigung hatte zuvor argumentiert, der hohe Wert habe
eventuell auch erst durch die Behandlung entstanden sein können.
Nach der Aussage von Prof. Cartesegna wies Pantanis
Hämatokritwert im Krankenhaus dann noch weitere sehr ungewöhnliche
Ausschläge nach oben und unten auf, die auf künstliche
Zugabe von EPO deuteten.
Pantani selbst hat stets geleugnet, EPO genommen zu haben.
Den ungewöhnlich hohen Hämatokritwert, der auch bei langen Aufenthalten
in der Höhe enstehen kann, begründete der Radprofi mit seinem langen
Aufenthalt in Kolumbien, wo 1995 die Strassen-Weltmeisterschaften stattfanden.
Im Juni 1999 war Marco Pantani wegen Überschreitung des
Hämatokrit-Grenzwertes in einem spektakulären Schritt vom Giro
ausgeschlossen worden. Der "Mercatone Uno"-Profi hatte da in
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Führung
gelegen und zwei Tage vor Schluss war ihm der zweite Sieg in Folge
praktisch nicht mehr zu nehmen. Pantanis Hämatokritwert
lag damals bei 52 Prozent. In der Folge nahm die Staatsanwaltschaft in Forli
ihre Ermittlungen auf und stieß dabei dann auch auf die Daten
aus der Turiner Klinik von 1995.
Die Ankläger werfen Pantani "Sportbetrug" vor.
Der "Pirat" aus Cesenatico war völlig überraschend
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Mit 60,1 Prozent Hämatokrit im Krankenhaus - Pantani
im Oktober 1995 nach seinem Unfall bei Milan-Turin
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beim Giro 2000
nach elf Monaten Pause ins Renngeschehen zurückgekehrt.
Bei seinem
Comeback erlebte Pantani eine "Wiedergeburt" (Gazzetta dello Sport)
bei der letzten Bergetappe. Bei der Tour
de France gewann er anschließend zwei der prestigevollsten Bergetappen
bevor er verletzungsbedingt ausstieg. Zuletzt machte Pantani
in Italien Schlagzeilen wegen seiner umstrittenen Olympia-Nominierung,
die er im Rennen dann wie von den Kritikern prophezeit nicht rechtfertigen konnte.
Für die Strassen-WM war Pantani daraufhin nicht mehr ausgewählt worden.
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