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13.05.98 - Marco Pantani musste vor einer Woche seinen Start bei der
Tour de Romandie wegen einer Erkältung absagen. Aber wenige Tage vor
dem Start des Giro in Nizza am Samstag ist der kleine Kletterkünstler
trotz allem zuversichtlich und glaubt, beim Giro in diesem Jahr
eine gute Figur zu machen.
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Wie geht es Ihnen jetzt?
Pantani: "Besser. Aber die letzten vier Tage ging es mir alles andere als gut."
Vier Tage absolute Ruhe, ohne radfahren?
Pantani: "Ich war krank am Freitag, Samstag, Sonntag und Montag letzte
Woche [Pantani spricht vom 01.-04. Mai. -Die Red.]. Nach dem
Giro del Trentino ging es mir noch gut.
Ich denke nicht, daß ich zuviel Form verloren habe."
Nun sind sie wieder auf dem Rad.
Pantani: "Ja, glücklicherweise. Ich habe ein paar gute Trainingsfahrten
in den Bergen bei mir zu Hause gemacht."
Lassen Sie uns über den Giro reden, der am Samstag beginnt.
Über die Favoriten.
Pantani: "Alex Zülle."
Sie sehen Zülle ganz an der Spitze?
Pantani: "Ja, Zülle ist der Favorit Nr. 1. Er gewinnt zu 50 Prozent."
Und wer hat die anderen 50 Prozent der Siegchancen?
Pantani: "Wir werden es sehen während des Rennens. Ich denke, ich
habe die richtige Vorbereitung gemacht, allerdings gehe ich in den
Giro ganz anders als in den Jahren zuvor. Ich bin nur mehr oder weniger
30 Rennen gefahren."
27 genau.
Pantani: "Ich werde mir eine Notiz machen: 27. Die
Tour de Romandie stand auf meinem
Programm, aber die mußte ich ja ausfallen lassen wegen meiner
Erkältung. Ich hatte Husten und Halsschmerzen. Jetzt fühle ich
mich wieder gut. Ich werde mich mit dem Rest vom Team treffen und wir fahren zusammen
nach Nizza. Ich werde versuchen, an den ersten Tagen des Giros die
versäumte Trainingsarbeit wieder aufzuholen.
Sie sagen es geht Ihnen gut, aber Sie sehen schwerer aus, als
zur selben Zeit vor einem Jahr. Liegt das an dem neuen Design
der Teamhosen von Mercatone Uno-Bianchi?
Pantani: "Ja, ich glaube schon: das Design, die Farben täuschen.
Ich wiege ungefähr 57 Kilo, vielleicht ein bißchen mehr
als nach dem Ende der Tour 97. Aber am Start der Tour habe ich etwa genau so viel
gewogen wie jetzt."
Zurück zu Ihren Gegnern. Was halten Sie von Zülle, Gotti,
Tonkov und den anderen?
Pantani: "Ich fange mal bei mir selbst an. Ich bin zufrieden mit mir. Ich weiß
daß vielleicht der letzte Funken noch fehlt. Beim Giro werden wir
wissen, was wir voneinander zu halten haben."
Aber Sie sagen Zülle wird wahrscheinlich vorne sein.
Pantani: "Er ist der Favorit, weil er beim Zeitfahren stark ist
und er auch in den Bergen kaum abzuhängen ist. Er fährt
sowohl bei Kälte als auch bei Hitze gut. Aber, wenn Zülle
auf einen Pantani in Bestform trifft..."
Wird er auf ihn treffen?
Pantani: "Ich hoffe schon. Ich habe alles getan, was ich konnte.
Erinnern Sie sich an letztes Jahr? Haben wir einen starken Gotti
erwartet? Er hat doch alle überrascht. Es ist sehr schwer,
Vorhersagen zu machen im Radsport."
Wie haben Sie Gotti gesehen beim Trentino?
Pantani: "Gotti hat mich nicht beeindruckt. Aber da sind ja zwei Wochen
bis zum Girostart und vier Wochen bis zu den wirklich schweren Etappen.
Bei Romandie fuhr er tatsächlich schon viel besser."
Und Tonkov?
Pantani: "Tonkov hat große Klasse. Bei ihm weiß man
nie, an was für einem Punkt seiner Vorbereitung er ist, wann er
wirklich stark ist. Bei Trentino und Romandie schien er sehr entspannt."
Glauben Sie, Sie haben eine Mannschaft, die gut genug vorbereitet ist für den Giro?
Pantani: "Ich denke schon. Für die Bergetappen habe ich Conti, Garzelli
und Forconi neben mir."
Das Interview führte Angelo Zomegnan und erschien
am 11. Mai 1998 in der Gazzetta dello Sport.