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Nach San Remo: Zabel "der neue Museeuw" - Krach bei den Italienern

22.03.98 - Während Erik Zabel noch seinen großartigen Sieg bei der Primavera feierte, begannen seine Konkurrenten bereits, sich gegenseitig die Schuld daran zu geben, daß keine der Attacken kurz vor dem Ende des Rennens von Erfolg gekrönt war.

Richard Virenque etwa war wütend auf Rossano Brasi, weil der in einer sehr aussichtreichen Situation am Poggio einfach die Beine hochnahm und nicht mitarbeitete (RADSPORT- NEWS.COM berichtete): "Es ist unbegreiflich!", schimpfte er noch Stunden nach dem Rennen über Brasis Verhalten.

Der Italiener Alberto Elli (Casino) griff seinen Landsmann Gabriele Colombo (Ballan) nach dem Rennen verbal an, da dieser einer der Aktivsten in der Verfolgung Ellis kurz vor dem Ziel gewesen sei. Colombo, Sieger bei Milan-San Remo 1996, gab zurück, er habe selbst nur seine eigenen Siegchancen im Blick gehabt, aber Elli beruhigte sich nicht: "Kein Teamkollege von Zabel hätte besser für Zabel arbeiten können." Auch als Rolf Järmann 1.000 Meter vor Schluß, als Elli gerade gestellt war, versuchte zu attackieren, sei es, sagt Elli, wiederum Colombo gewesen, der das Loch zufuhr und so Zabels Interessen sehr entgegenkam.

Tatsächlich kamen Zabel die inneritalienischen taktischen Spielchen im Finish sehr entgegen. Auf den letzten 25km war Zabel vollkommen auf sich gestellt, seine Mannschaft hatte sich bei der Arbeit für Zabel bis zur Cipressa vollkommen aufgerieben. Normalerweise ist es für einen Sprinter tödlich, wenn auf dem letzten Kilometer keiner mehr da ist, der für ihn den Sprint anfahren kann.

Normalerweise. Aber erstens ist Milan-San Remo kein normales Rennen und zweites ist Erik Zabel längst kein normaler Sprinter mehr. Seit letztem Jahr hat Zabel einen großen Schritt nach vorne getan in Richtung "kompletter Fahrer". das war schon bei der Tour de France 1997 erkennbar, als Zabel locker über die Berge fuhr, den Omnibus der Sprinter nicht in Anspruch nahm. Beim Training auf Mallorca im Januar musste Teamkollege Andreas Klöden die Erfahrung machen, daß ihn Zabel an Anstiegen locker abhängen konnte. Klöden: "Mensch, ich dachte, du bist Sprinter!"

"Außer Lüttich - Bastogne - Lüttich glaube ich, daß ich alle Weltcup-Rennen gewinnen kann", meint Zabel selbstbewußt, auch wenn er erst mal lieber nicht vom Gewinn des Gesamtweltcups reden will. "Jedes Rennen muß man erst mal fahren, bevor man darüber groß reden kann." Telekom-Sportdirektor Rudy Pevenage ist da offensiver: "Zabel ist der neue Museeuw."

Bei Zabels Entwicklung fällt dem Radsportfan natürlich noch ein anderer Name ein: Laurent Jalabert. Auch Jalabert hatte seine Karriere als reiner Sprinter begonnen und sich dann mehr und mehr zu einem kompletten Rennfahrer entwickelt. Und Zabel, der sich im vergangen Jahr schon mal kritisch über die Ullrich-Euphorie in Deutschland äußerte, hat auch die gleiche Philosophie wie Jalabert, den Zabel im vergangenen Jahr als besten Radsportler des Jahres bezeichnete. Zabel: "Radsport passiert nicht nur im Juli".




S.a. Ergebnisse Milan San Remo

Berichte von Milan San Remo:
21.03.98 Zabelissima! Erik Zabel wiederholt seinen Milan-San Remo-Triumph
19.03.98 89. Mailand-San Remo - "Das Rennen ist eine Lotterie"





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