Serie: Champions des Jahrhunderts (2)
Miguel Indurain: Die rätselhafte Sphinx
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02.11.99 - Das Jahr 2000 rückt näher, ein Jahrhundert geht zu Ende.
Anlaß genug, zurückzuschauen auf die Champions und Helden, die
den Radsport der letzten 100 Jahre geprägt haben. In der zweiten Folge
unserer kleinen Serie geht es um den Mann, der in den neunziger Jahren zum
Patron der Tour de France wurde, die er als erster Radsportler der Geschichte fünf Mal hintereinander gewann.
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Bis zum überraschenden Rücktritt von seiner Aktivenkarriere auf einer
Pressekonferenz am 2. Januar 1997 war Miguel Indurain stets die undurchschaubare
rätselhafte Sphinx mit einem undurchschaubaren Gesicht, das auch noch
zu lächeln schien an den fürchterlichsten Anstiegen der Tour de France.
Dutzende von Rivalen verzweifelten im Laufe der Jahre an diesem scheinbar unbezwingbaren
Giganten der Landstrasse, der seine zweifellos auch vorhandenen Schwächen bestens
zu verbergen wusste.
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Der aus der Region Navarra stammende Indurain, der stets betonte, kein Baske, sondern Spanier zu sein,
begann seine Karriere als Helfer von Pedro "Perico" Delgado, der
die Tour einmal gewann (1988) und einmal verlor, weil er zu spät zum Prolog erschienen war.
Ganz still und heimlich trat der von seiner Mannschaft behutsam aufgebaute Indurain
aus dem Schatten von Delgado, als dessen Helfer er seine Tourplazierungen ab 1987
kontinuierlich verbesserte: 1987 wurde er in Paris 97. im Gesamtklassement, ein Jahr darauf
wurde er 47, 1989 bereits 17, 1990 wurde er Gesamtzehnter. Der Rest ist Geschichte:
Fünf Mal in Folge sollte er ab 1991 die Frankreich-Rundfahrt gewinnen. Dies gelang
vor ihm noch niemand, denn die anderen fünfmaligen Toursieger
Anquetil, Merckx und Hinault brauchten dazu mehr als fünf Jahre.
Als Indurain 1984 nach den Olympischen Spielen in Los Angeles Profi wurde,
konnte niemand im Entferntesten damit rechnen, was für ein grosser Rennfahrer
hier die Bühne des Rennzirkus betrat. Der 1,88 Meter grosse und 85kg schwere Spanier
versprach ein guter Rouleur zu werden, aber dass er einmal auch in den giftigsten Dolomitenanstiegen
wie bei seinen zwei Giro-Siegen 1992 und 1993 vorn mitfahren könnte, ahnte zunächst niemand.
Seinen Kletterfähigkeiten kam zugute, dass er im Laufe seiner Profijahre sein
Gewicht auf 78kg
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Miguel Indurain
Geb. 16.07.1964
Profi 1984-1996
Teams: Reynolds (85-89), Banesto (90-96)
Größte Erfolge:
Tour de France 1991-1995 (5 Gesamtsiege, 12 Etappensiege), Giro d'Italia 1992 u. 1993, EZF-Weltmeister 1995,
Olympiasieger/Zeitfahren 1996, Spanischer Meister 1992,
Stundenweltrekord 1994, Tour de L'Avenir 1986, Vuelta a la Communidad Murciana 1986, Vuelta Valles Mineros 1987, Volta a Catalunya 1988,
Paris-Nice 1989, Criterium International 1989, Paris-Nice 1990, Clasica San Sebastian 1990,
Tour du Vaucluse 1991, Volta a Catalunya 1991, Volta a Catalunya 1992, Castilla y Leon 1993,
Tour de L'Oise 1994, Vuelta a Rioja 1995, Midi Libre 1995, Dauphine Libere 1995, Vuelta
a Galicia 1995. |
herunterbrachte und so bei seinen Toursiegen Kletterlegenden wie
Claudio Chiappucci Paroli bieten konnte. Die Grundlage für seine Toursiege
legte der Spanier bei den Zeitfahren, bei denen er absolut dominierte.
Bei dem legendären Einzelzeitfahren der Tour de France 1992 in Luxemburg
gewann Indurain mit mehr als drei Minuten Vorsprung.
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Wie einst Jacques Anquetil begnügte Indurain sich in den hohen Bergen
damit, seine Position zu verteidigen, den Rückstand auf die Kletterer
in Grenzen zu halten. Diese unspektakuläre Art zu gewinnen, brachte ihm viel
Kritik ein. Er sei ein Buchhalter, er lasse den Mut und die Angriffslust eines
Chiappucci, eines Virenque vermissen. "In einer Rundfahrt denkt er immer an den nächsten Tag",
so José Miguel Echavarri, der während der gesamten Profikarriere Indurains
dessen Sportdirektor war.
Indurain war ein Mann der Rundfahrten. Er gewann fünf Mal die Tour, zwei Mal
den Giro und viele, viele Male kleinere Rundfahrten wie Paris-Nizza, Dauphiné Libéré
oder Katalonien-Rundfahrt. Bei grossen Eintagesrennen kam er nur einmal,
1990 bei der Clasica San Sebastian, zum Erfolg.
1994 begab sich Indurain auf die Bahn und griff nach dem Stundenweltrekord, den er
auch trotz seiner Unerfahrenheit auf der Bahn aufstellte, wenngleich dieser
nur kurz Bestand hatte und der Schweizer Tony Rominger sieben Wochen später den
Rekord weiter verbesserte. Kurz nachdem Indurain 1996 die Tour de France erstmals
seit fünf Jahren nicht gewann, wurde er in Atlanta erster Olympiasieger
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Unwürdiges Karriereende
Kaum jemals ist eine so große Karriere so unwürdig zu Ende gegangen wie
die von Miguel Indurain. 1996 verlor er zunächst die Tour de France mit
Würde gegen Bjarne Riis. Im September musste er dann auf Anweisung seines
Teams die Spanien-Rundfahrt entgegen seinem Willen fahren. Bei der Vuelta 1996 fuhr der
große Indurain hoffnungslos hinterher wie ein Neopro und stieg schließlich
vorzeitig aus (oberes Foto). Die Vuelta-Episode brachte die heillose Zerrüttung
zwischen Indurain und dem Banesto-Rennstall. Am 2. Januar 1997, sobald Indurains Vertrag
mit Banesto abgelaufen war, erklärte der fünfmalige Toursieger auf
einer Pressekonferenz (unteres Bild) überraschend seinen Rücktritt.
Millionenangebote u.a. von ONCE lehnte Indurain ab.
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im Zeitfahren,
ein Titel übrigens, auf den Jan Ullrich, der manches Mal mit dem Spanier verglichen wird,
im kommenden Jahr ein Auge geworfen hat.
In Erinnerung bleibt der große Spanier natürlich vor allem
wegen seiner Triumphe bei der Tour, die er in den Neunziger Jahren wie
kein anderer prägte. Zwölf Mal nahm er an der grande boucle teil,
holte dabei fünf Gesamtsiege, zwölf Etappensiege und trug 60 (!) Tage lang
das Maillot Jaune. Auch in seinen größten Triumphen blieb
der junge Mann aus dem ländlichen Navarra stets bescheiden und ohne jegliche
Allüren. Als er sein Rennrad im Alter von gerade mal 32 Jahren in die Ecke gestellt hatte, besuchte er 1997
die Tour de France, als sie in den Pyrenäen Station machte. Den Ehrenplatz
im offiziellen Auto wollte Indurain, der heute zurückgezogen auf seinem Landhof in der
Nähe von Pamplona lebt, nicht und gesellte sich stattdessen unter die
Tausende Fans am Strassenrand.
Serie: Champions des Jahrhunderts:
Teil 1: Fausto Coppi - Der Mythos des Campionissimo