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Serie: Champions des Jahrhunderts (5)
Gino Bartali, der Mann aus Eisen

13.12.99 - Das Jahr 2000 rückt näher, ein Jahrhundert geht zu Ende. Anlaß genug, zurückzuschauen auf die Champions und Helden, die den Radsport der letzten 100 Jahre geprägt haben. In Folge 5 geht es um den Italiener Gino Bartali, dessen Name vermutlich auf ewige Zeiten mit dem seines großen Rivalen Fausto Coppi verbunden sein wird, mit dem er sich in der Nachkriegszeit legendär gewordene Duelle lieferte. Der "Mann aus Eisen", der im Juli seinen
85. Geburtstag feierte, gewann in seiner 20 Jahre währenden Profi-Karriere 184 Rennen und nahm 14 Mal (!) am Giro d'Italia teil, ohne ein einziges Mal aufzugeben.

Gino Bartali und Fausto Coppi verkörperten im Nachkriegs-Italien die beiden Pole einer Gesellschaft zwischen alter Tradition und Moderne. Einem Coppi, der in dem katholischen Land mit seiner außerehelichen Geliebten ein fortwährender Skandal war, stand der fromme Bartali gegenüber. Coppis glühendste Fans kamen aus dem urbanen Norditalien, Bartalis nicht minder fanatische Verehrer eher vom Lande. Die Rivalität zwischen Bartali und Coppi begann 1940, als der "Campionissimo" Coppi gleich in seinem ersten Profi-Jahr den Giro d'Italia gewann, und das als Mannschaftshelfer von Gino Bartali, der zu diesem Zeitpunkt bereits ein Mal die Tour de France und zwei Mal den Giro gewonnen hatte... Auch auf einem der berühmtesten Fotos der Radsportgeschichte sind Bartali und Coppi gemeinsam zu sehen: das Bild, das das Duell beiden bei der Überfahrt des Galibier bei der Tour de France 1949 zeigt.

Die Karriere von Gino Bartali war wie die seines Rivalen Coppi vom Zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen worden. "Der Krieg hat meine schönsten Jahre gestohlen", brummt Bartali in seiner unnachahmlichen, von vielen Zigaretten heiser gewordenen Stimme heute noch oft.

Bartali wurde am 18. Juli 1914 in dem kleinen toskanischen Städtchen Ponte a Ema bei Florenz geboren. Mit 20 Jahren wurde er Profi und gewann in seiner Karriere mit zehn Jahren Abstand zwei Mal die Tour de France (1938 und 1948), gewann drei Mal den Giro (1936, 37 und 46), vier Mal Milan - San Remo (39, 40, 47, 50) und drei Mal die Lombardei-Rundfahrt (36, 39 und 40). Als er 1954 nach einer Sturzverletzung seine Karriere nach 20 Jahren beendete, konnte er auf insgesamt 184 Siege zurückschauen.

Auch nach seiner Aktivenkarriere blieb Bartali ungemein populär. Viele Jahre begleitete er den Giro d'Italia zur Freunde seiner Fans in der Werbekarawane vor dem Peloton, um die Rennräder der Marke "Bartali" anzupreisen.



  Gino Bartali
Geb. 18. Juli 1914 in Ponte a Ema (bei Florenz)

Profi 1935-1954

Größte Erfolge: Tour de France 1938 u. 1948, Giro d'Italia 1936, 1937 und 1946, Mailand-San Remo 1939, 1940, 1947 und 1950, Lombardei-Rundfahrt 1936, 1939, 1940, Tour de Suisse 1946 u. 1947, Meisterschaft von Zürich 1948

Bartali war ein "Mann aus Eisen", mit einer Lunge wie der eines Pferdes, mit einem von Natur aus extrem langsam schlagenden Herzens. Er konnte leiden bis zur Selbstaufgabe, hatte eine erstaunliche Erholungsfähigkeit. Bartali gehört zu den besten Kletterern aller Zeiten, er konnte aber auch glänzend sprinten, was er jedoch erst gegen Ende seiner Karriere zeigte, zeigen musste, denn zuvor hatte er seine Rennen üblicherweise bereits lange vor dem letzten Kilometer gewonnen.

Eine seiner größten Leistungen zeigte Gino Bartali bei seinem Sieg bei der Tour de Suisse 1946. Bei einer einzigen Etappe nahm der "Eiserne" Größen wie Coppi, Ferdi Kübler und Hugo Koblet 25 Minuten ab...

1936 hatte Gino Bartali einen Bruder bei einem Unfall bei einem Amateur-Unfall verloren. Seinen Söhnen untersagte er deshalb später kategorisch, Rad-Rennfahrer zu werden. Doch Bartali gab seinem Sport ohnehin schon so viel. Derzeit wird im Geburtshaus von Bartali in Ponte a Ema ein Museum aufgebaut, das in zwei Jahren eröffnet werden soll. Der heute 85 Jahre alte Bartali, der im vergangenen Jahr eine schwere Herzoperation gut überstand, freut sich bereits auf das Bartali-Museum, das auch einen Radmarathon nach dem grossen alten Radstar benennen will. "Ich habe soviele interessante Sachen, die ich dem Museum geben kann", so Bartali.

Dass ihn jedoch der Name des bereits 1954 verstorbenen Fausto Coppi niemals verlassen wird, musste Bartali im vergangenen Jahr wieder einmal erleben bei seinem Krankenhaus-Aufenthalt, der just während des Giro d'Italia 1998 stattfand. Sein Arzt, der Herzchirurg Prof. Claudius Cordiano: "Gino Bartali hat für uns das Rennen im Fernsehen kommentiert und uns alles erklärt, er war ein exzellenter Speaker für uns." Eines jedoch hatte der Arzt vor seinem Patienten verheimlicht: "Ich habe es Bartali nie gesagt, aber in meiner Jugend war ich eigentlich immer Fan von Fausto Coppi..."

Serie: Champions des Jahrhunderts:
Teil 1: Fausto Coppi - Der Mythos des Campionissimo
Teil 2: Miguel Indurain: Die rätselhafte Sphinx
Teil 3: Jacques Anquetil: Der kühle "Maître Jacques"
Teil 4: Bernard Hinault, der bretonische "Dachs"







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