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Unterschiedliche Dopinglisten
Mattan (nur in Frankreich) vier Monate gesperrt
Fall Armstrong: Godefroot sieht Racheaktion des französischen Fernsehens

26.12.00 (rsn) - Die Diskussion um die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Dopingbekämfung in Europa geht in eine neue Phase. Wie die Gazet van Antwerpen am Dienstag meldet, wurde der belgische Radprofi Nico Mattan (Cofidis) vom halbstaatlichen französischen Anti-Doping-Rat mit einer Sperre von vier Monaten belegt wegen des Gebrauchs eines Produktes, das zwar nach dem Reglement von Internationalem Olympischem Komitee (IOC) und internationalem Radsportverband UCI erlaubt ist, aber auf der abweichenden Dopingliste des französischen Sportministeriums steht.

Mattan war am 12. Januar bei einem Trainingslager von Cofidis in Saint-Aygulf von den Dopingkontrolleuren des französischen Conseil de prévention et de lutte contre le dopage (CPLD)
getestet worden. Bei dem Test hatte Mattan nach Angaben der Gazet vorher angegeben, das Medikament Heptamyl auf ärztlichen Rat hin eingenommen zu haben. Das Präpatat gegen Herzerkrankungen darf nach dem Reglement der UCI
Hintergrund: Der französische Anti-Dopingrat
Der Conseil de prévention et de lutte contre le dopage (CPLD) ist ein Gremium, das nach dem Skandaljahr 1998 gegründet wurde. Der CPLD hat neun Mitglieder (drei aus dem Bereich des Staates, drei Wissenschaftler, drei Sporler), die auf sechs Jahre in das Gremium gewählt werden und die nicht wiedergewählt und auch nicht abberufen werden können. Der unabhängige Rat kann eigene Dopingkontrollen anordnen und den Sportverbänden Empfehlungen aussprechen. Unter bestimmten Bedingungen kann der CPLD auch des Dopings für schuldig erachtete Sportler mit Strafen belegen, so wie jetzt im Fall Mattan erstmals geschehen.
und des IOC außerhalb des Wettkampfs genommen werden, ist aber nach den schärferen Bestimmungen in Frankreich in jedem Fall verboten. Nico Mattan leidet unter einer Herzerkrankung, die ihn schon einmal 1999 beinahe zum Abbruch seiner Radkarriere zwang.

"Ich wusste, dass Heptamyl ein positives Ergebnis bei Wettkampf-Kontrollen ergibt", sagte Mattan der Gazet van Antwerpen. "Aber wir waren ja drei Wochen vom ersten Rennen weg, daher hat mein Hausarzt mir dieses Medikant verschrieben. Wenn die Wettkampfsaison beginnt, wären alls Spuren davon weggewesen." Nach dem positiven Befund in Frankreich sperrte der CPLD den belgischen Cofidis-Profi für vier Monate. Die Sperre gilt jedoch nur in Frankreich.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die aktuelle Situation in der Dopingbekämpfung in Europa, wo sich Frankreich und seine Sportministerin Marie-George Buffet als Vorkämpferin sieht. In der europäischen Sportpolitik wird angestrebt, die Dopinglisten der verschiedenen Länder und Sportarten zu vereinheitlichen. Dies wurde bisher nicht erreicht. Nico Mattan ist der erste Sportler, der zwischen die unterschiedlichen Dopingbestimmungen geraten ist.

Unterdessen vermutet Telekom-Teamchef Walter Godefroot hinter dem Dopingverdacht gegen Toursieger Lance Armstrong eine Racheaktion des französischen Fernsehens, dem der Texaner während der Tour 2000 die Tür gewiesen hatte. Angeblich belastendes Material über Doping-Konsum in der US Postal- Mannschaft wurde der Pariser Staatsanwaltschaft zugespielt. Angesichts der Drogen-Problematik in allen Gesellschaftsschichten stellte Godefroot die Verhältnismäßigkeit des spektakulären Prozesses von Lille in Frage, im besonderen Virenques Freispruch vom Vorwurf der Anstiftung zum Doping: "Da denkt sich doch jeder seinen Teil", sagte Godefroot. Team Telekom war während des Festina-Prozesses von Zeugen ebenfalls des systematischen Dopinggebrauchs beschuldigt worden.

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