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Lotto trennt sich nach elf Jahren von Sportdirektor Jean-Luc Vandenbroucke

09.12.99 - Der belgische GS-I-Rennstall "Lotto" hat sich von seinem langjährigen Sportdirektor Jean-Luc Vandenbroucke getrennt. Dies teilte der Teamsponsor, die staatliche belgische Lotterie am Donnerstag in einem offiziellen Statement mit. Darin heißt es, dass "es der nationalen Lotterie und Jean-Luc Vandenbroucke nicht gelang, eine Übereinkunft zu finden über die Funktionen, welche Herr Vandenbroucke als Sportdirektor des Teams im Jahr 2000 auszuüben hätte."

"Zu gegebener Zeit wird in Absprache mit dem neuen Team-Management ein Nachfolger für Herrn Vandenbroucke bestimmt werden", so die nicht ganz überraschend kommende Erklärung.

Paul De Belder, der Sprecher der Gesellschaft "Lotto" erklärte, der Sponsor hätte Jean-Luc Vandenbroucke vorgeschlagen, als Sportdirektor auch im kommenden Jahr weiterzumachen. Doch dieser hätte Bedingungen gestellt, insbesondere finanzielle Forderungen, die die Direktion von Lotto nicht zu akzeptieren bereit war, so der Sprecher.

Anders als etwa beim deutschen "Team Telekom", wo Sportdirektor Walter Godefroot der Rennstallbetreiber ist und die "Walter Godefroot GmbH" vertraglich mit der "Deutschen Telekom AG" verbunden ist, ist im Falle "Lotto" die Lotteriegesellschaft selbst Arbeitgeber von Rennfahrer und Mannschaftsleitung, sodass sie ohne weiteres dem Sportdirektor kündigen kann.

Jean-Luc Vandenbroucke zeigte sich sehr bewegt ob der Trennung von "seinem" Rennstall, den er bereits seit 1988 leitete. Er verstehe die Entscheidung nicht, so der Onkel von Radstar Frank Vandenbroucke, der kurioserweise vor kurzem seinerseits seinen Vertrag bei Cofidis vorzeitig gekündigt hatte.

"Ich habe ganz formidable elf Jahre und sieben Monate an der Spitze dieser Mannschaft verbracht", so Jean-Luc Vandenbroucke in einer ersten Reaktion auf seinen Rausschmiß. "Aber seit der letzten Tour de France hat sich die Situation zwischen der Leitung der Lotterie und mir ständig weiter verschärft. Warum? Ich weiß es nicht. Ich sehe nicht, was man mit vorwerfen könnte."

Die Entlassung von Sportdirektor Vandenbroucke hatte sich in den letzten Wochen immer mehr am Horizont abgezeichnet. Die "Lotto"-Leitung setzten ihren langjährigen Sportdirektor gezielt unter Druck und schwächte ihn durch kritische, mehr oder weniger öffentliche Erklärungen. Anfang November demontierte man Jean-Luc Vandenbroucke, indem "Lotto" vier Rennfahrer (Kurt Van Lancker, Glenn D' Hollander, Wim Heselmans und Serge Baguet) verpflichtete, ohne den Sportdirektor vorher auch nur zu informieren.

Wenig später verlangten die Glücksspiel-Manager von ihrem Sportlichen Leiter, dass er die administrative und finanzielle Verantowrtung für den Rennstall an den neuen Generalmanager des Teams, Christophe Sercu abgibt. Dies wollte Vandenbroucke jedoch nicht akzeptieren. "Um einen Rennstall wie Lotto zu leiten, muß ein Manager alle Aspekte kontrollieren können. Das sollte aber nicht mehr der Fall sein", so Jean-Luc Vandenbroucke am Donnerstag.

Die Entlassung von Vandenbroucke, dem in flämischen Teil Belgiens oft vorgehalten wurde, er spreche nur französisch, kommt insofern überraschend, als die Mannschaft in der Saison 1999 überaus erfolgreich unterwegs war. Andrej Tchmil gewann in den Farben von "Lotto" den Weltcup.

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