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Michele Bartoli wiederholt Sieg bei der "Mutter aller Klassiker"

19.04.98 - Michele Bartoli (Asics) gewann am Sonntag wie im Vorjahr die "Mutter aller Klassiker" Lüttich -Bastogne -Lüttich. Auf den letzten Kilometern in den Ardennen kam es zum Duell zwischen den beiden Ersten der Weltrangliste. Bartoli gewann am Ende das vierte Weltcup-Rennen der Saison wie bereits im Vorjahr vor Laurent Jalabert (ONCE).

15 Kilometer vor dem Ziel schüttelte der 27jährige aus Pisa seine letzten Konkurrenten ab und fuhr einen Vorsprung von mehr als einer Minute ins Ziel. Laurent Jalabert mußte sich am Ende wie im letzten Jahr mit Rang zwei begnügen und der Franzose muß weiter auf den 100. Sieg seiner Karriere warten.

Doch auch Jalabert grämte sich nicht lange und gab wie alle anderen Konkurrenten von Bartoli zu, daß gegen einen Bartoli in dieser Form bei dem Ardennenklassiker einfach nichts auszurichten ist. "Ich war wirklich sehr stark", so Bartoli beinahe verwundert im Ziel. "Bartoli ist ein Riesen-Rennfahrer", meinte auch Udo Bölts, auf dessen Schultern die Hoffnungen des Team Telekoms bei diesem Rennen gelegen hatten. Doch Bölts kam der Rennverlauf zum Ende des Rennens nicht entgegen. Das Rennen "explodierte" (Telekom-Teamchef Pevenage) 35km vor dem Ziel und Bölts, der solche Rhythmen-Wechsel gar nicht liebt, mußte an der wie in jedem Jahr vorentscheidenden La Redoute (1,6km lange Steigung mit 19-Prozent-Rampe) eine Spitzengruppe um Bartoli und Jalabert ziehen lassen.

Michele Bartoli

Geb. 27.05.1970 in Pisa
1,79 m, 64 kg
Verheiratet mit Alexandra Bartoli

Wohnort: San Giovanni alla Vena, bei Pisa

Profi seit 1992
Teams: Mercatone Uno (92-95), MG-Technogym (95-97), Asics (seit 98)

Weltrangliste: 2.

Größte Erfolge:
Weltcup 1997, Flandern-Rundfahrt 1996, Lüttich - Bastogne- Lüttich 1997, Lüttich - Bastogne- Lüttich 1998, Brabantse Pijl 1994, GP Pino Cerami 1994, Giro di Reggio de Calabria 1996, Giro di Venezia 1996, Giro d'Emilia 1996, GP de Fourmies 1996, Trofeo Laigueglia 1997, Rund um den Henninger Turm 1997, Trofeo Melinda 1997, Giro della Reggio de Calabria 1998, Sizilianische Woche 1993, Driedaagse von De Panne 1995, Driedaagse von De Panne 1998, Tour de France: 19. im Gesamtklassement 1996

Lange Zeit hatte es fast so ausgesehen, als ob der Russe Evgeny Berzin (FDJ) seinen Sieg von 1994 wiederholen könne. Tapfer fuhr Berzin eine lange Alleinflucht, erst 14km vor dem Ziel wurde er gestellt und zeigte sich auch nachdem er eingeholt wurde noch standhaft, wurde nicht durchgereicht, wie es sonst so oft in solchen Fällen passiert, sondern hielt Kontakt zur Spitze und beendete das Rennen auf einem guten elften Rang. Berzin ließ nach langer Zeit wieder einmal anklingen, was für ein guter Rennfahrer er sein kann. Der Giro-Sieger von 1994 machte bei Lüttich - Bastogne - Lüttich 1998 den wenigen Fans, die er noch hat, Hoffnung auf eine wieder bessere Zukunft.

Top:

Ex-Profi Rolf Gölz als Co-Kommentator bei der EUROSPORT-Übertragung. Mit seinen fachlichen Kommentaren ergänzte er Reporter Karsten Migels sehr gut. Nach langer Zeit endlich wieder eine kompetente deutsche Radsport-Übertragung!

Flop:

Rudi Altig, der neue "ARD-Radsport-Experte" machte nach dem Rennen nur Sprüche wie "Berzin hat sich übernommen" (Berzin war 11.) und wollte Udo Bölts nach der ersten Frage des Interviews schon wegschicken. In dieser Form ist Altmeister Altig kein Gewinn für die ARD.

An der Redoute hatte Berzin noch über drei Minuten Vorsprung, doch einige Kilometer hinter ihm spielte sich die Vorentscheidung ab, als auf dem Anstieg zur Redoute Bartoli antrat und sich eine Spitzengruppe mit Jalabert, Michael Boogerd, Frank Vandenbroucke, Laurent Dufaux, Rodolfo Massi und Francesco Casagrande bildete.

Diese Gruppe fuhr auf das restliche Feld einen immer größeren Vorsprung heraus, während andererseits der Vorsprung des vorne noch allein fahrenden Berzin dahinschmolz.

Am Anstieg des Sarte Tilman konterte dann Michele Bartoli eine kleine Tempoverschärfung von Laurent Jalabert und der Italiener kam gleich mit einem unwiderstehlichen Antritt einige Sekunden von der Gruppe weg. Bald schon holte er Evgeny Berzin ein. In der Folge vergrößerte Bartoli seinen Vorsprung und baute ihn auf dem schwierigen Profil der letzten Kilometer weiter aus bis auf über eine Minute.

Auf dem Schlußanstieg in Ans, einem Vorort von Lüttich, bejubelte dann eine große Kolonie italienischer Tiffosi den abermaligen Sieg von Michele Bartoli bei dem seit 1890 ausgetragenen Ardennen-Klassiker. Der Weltcup-Sieger von 1997 übernimmt mit diesem Sieg auch wieder die Führung in der Weltcup-Wertung. Da führt Bartoli nach vier von 10 Rennen nun mit insgesamt 156 Punkten vor Emmanuel Magnien und Franco Ballerini (beide 124 Punkte). Erik Zabel, der in Lüttich nicht dabei war, liegt auf dem siebten Rang der Wertung mit 100 Punkten.

Stimmen:

Udo Bölts: "An der Redoute habe ich mich etwas verspekuliert, ist nicht optimal gelaufen. Die Redoute war wie jedes Jahr vorentscheidend, da gehts manchmal um wenige Meter. Ich dachte Hamburger und Elli wollten auch noch vorfahren, da haben mir dann 50 Meter gefehlt." - "Kompliment aber an meine Mannschaft. Wenn es heute nicht geklappt hat, lag es nur an mir, ich glaube, ich bin noch nie so gut vom Team unterstützt worden. Das Team war Klasse, vor allem wie mich Henn und auch Heppner und Baldinger in die Redoute reingefahren haben."

Rolf Aldag: "War ganz schwer heute. Mal liefs schnell, dann wieder ganz langsam. Nach Paris-Roubaix kam für mich dieses Rennen mindestens zwei Wochen zu früh." - "Heute morgen wars brutal kalt am Start und dann ging es gleich nach dem Start mit den Attacken los. die kleineren Mannschaften wollen sich natürlich in die Fernsehzeit reinschleichen. Am Ende war es wie immer ein reines Ausscheidungsfahren." - "Ich bin schon froh nach meinem Unfall vom Januar überhaupt schon dabei zu sein. Normalerweise würde ich jetzt erst die Krückem wegschmeißen. Mein Ziel in der Saison ist nur die Tour de France. Da will ich eine gute Teamarbeit machen."

Rudy Pevenage, Telekom-Sportdirektor: "Es war heute ein ganz schweres Rennen. Udo hat gekämpft wie immer, aber er hat es ganz knapp nicht geschafft. Wenn ein Rennen so am Ende explodiert, dann liegt das Udo nicht. Besser ist es für ihn, wenn ein Rennen lange schwer ist."

Michele Bartoli, Sieger: "Ich hatte die ganze Woche Probleme mit dem Atmen. Ich war am Anfang voller Zweifel, dachte nicht, daß es gut laufen würde. Während des Rennens war ich dann erleichtert. Ich war sogar stärker als letztes Jahr. Nach La Redoute habe ich eigentlich geplant, erst am letzten Anstieg zu attackieren. Aber ich sah, daß Jalabert gefährlich war und habe dann früher angegriffen. Jalabert war der gefährlichste Gegner heute."

Laurent Jalabert, Zweiter: "Ich bin nicht enttäuscht, in dieser Art und Weise Zweiter zu werden. Oben auf La Redoute wollte ich nicht mitgehen, als Bartoli zum ersten Mal angriff, ich wollte noch abwarten. Dann, als er am Sart-Tilman antrat, war ich überrascht. Als er so schnell hundert Meter weg war, war mir schon klar, daß ich um Platz zwei fuhr. Letztes Jahr war Bartoli der Stärkste, und dieses Jahr auch wieder. Es ist für mich eine Ehre, den zweiten Platz zu holen, dies ist ein prestigereiches Rennen. Ich bedaure nichts, aber es ist wahr, es ist nicht lustig, nur Zweiter zu werden."

Rodolfo Massi (Casino), Dritter: "Bartoli war der Stärkste. Als er attackierte, haben wuir uns angesehen, und dann war er auch schon weg. Für mich war es ein guter Tag. Ich habe mich gut vorbereitet auf das Rennen und habe versucht zu gewinnen. Aber der dritte Platz ist schon ein großartiges Ergebnis f&uumL,r mich."

Marc Madiot, Sportdirektor von Francaise des Jeux, dem Team von Evgeny Berzin: "Ohne Bartoli hätte Berzin eine kleine Chance gehabt. Aber ich bin zufrieden mit dem Rennen und damit, daß unser Team vier Fahrer unter den ersten Elf hat. Heute kann es für Berzin der Wendepunkt gewesen sein."




Ergebnisse - Lüttich - Bastogne -Lüttich





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