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15 Kilometer vor dem Ziel schüttelte
der 27jährige aus Pisa seine letzten Konkurrenten ab
und fuhr einen Vorsprung von mehr als einer Minute ins Ziel.
Laurent Jalabert mußte sich am Ende wie im letzten Jahr mit Rang zwei
begnügen und der Franzose muß weiter auf den 100. Sieg
seiner Karriere warten.
Doch auch Jalabert grämte sich nicht lange und gab wie
alle anderen Konkurrenten von Bartoli zu, daß gegen einen
Bartoli in dieser Form bei dem Ardennenklassiker einfach nichts auszurichten
ist. "Ich war wirklich sehr stark", so Bartoli beinahe verwundert im Ziel.
"Bartoli ist ein Riesen-Rennfahrer", meinte auch Udo Bölts,
auf dessen Schultern die Hoffnungen des Team Telekoms bei diesem Rennen
gelegen hatten. Doch Bölts kam der Rennverlauf zum Ende des
Rennens nicht entgegen. Das Rennen "explodierte" (Telekom-Teamchef Pevenage)
35km vor dem Ziel und Bölts, der solche Rhythmen-Wechsel gar nicht
liebt, mußte an der wie in jedem Jahr vorentscheidenden La
Redoute (1,6km lange Steigung mit 19-Prozent-Rampe) eine Spitzengruppe
um Bartoli und Jalabert ziehen lassen.
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Michele Bartoli
Geb. 27.05.1970 in Pisa
1,79 m, 64 kg
Verheiratet mit Alexandra Bartoli
Wohnort: San Giovanni alla Vena, bei Pisa
Profi seit 1992
Teams: Mercatone Uno (92-95),
MG-Technogym (95-97), Asics (seit 98)
Weltrangliste: 2.
Größte Erfolge:
Weltcup 1997,
Flandern-Rundfahrt 1996,
Lüttich - Bastogne- Lüttich 1997,
Lüttich - Bastogne- Lüttich 1998,
Brabantse Pijl 1994, GP Pino Cerami 1994,
Giro di Reggio de Calabria 1996,
Giro di Venezia 1996, Giro d'Emilia 1996,
GP de Fourmies 1996,
Trofeo Laigueglia 1997,
Rund um den Henninger Turm 1997,
Trofeo Melinda 1997,
Giro della Reggio de Calabria 1998,
Sizilianische Woche 1993, Driedaagse von De Panne 1995,
Driedaagse von De Panne 1998,
Tour de France: 19. im Gesamtklassement 1996
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Lange Zeit hatte es fast so ausgesehen, als ob der Russe Evgeny Berzin (FDJ)
seinen Sieg von 1994 wiederholen könne. Tapfer fuhr Berzin eine
lange Alleinflucht, erst 14km vor dem Ziel wurde er gestellt und
zeigte sich auch nachdem er eingeholt wurde noch standhaft, wurde
nicht durchgereicht, wie es sonst so oft in solchen Fällen passiert,
sondern hielt Kontakt zur Spitze und beendete das Rennen auf einem
guten elften Rang. Berzin ließ nach langer Zeit wieder einmal
anklingen, was für ein guter Rennfahrer er sein kann. Der Giro-Sieger
von 1994 machte bei Lüttich - Bastogne - Lüttich 1998 den
wenigen Fans, die er noch hat, Hoffnung auf eine wieder bessere Zukunft.
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Top:
Ex-Profi Rolf Gölz als Co-Kommentator
bei der EUROSPORT-Übertragung. Mit seinen
fachlichen Kommentaren ergänzte er Reporter
Karsten Migels sehr gut. Nach langer Zeit endlich wieder eine
kompetente deutsche Radsport-Übertragung!
Flop:
Rudi Altig, der neue "ARD-Radsport-Experte" machte nach dem Rennen nur Sprüche wie
"Berzin hat sich übernommen" (Berzin war 11.) und wollte
Udo Bölts nach der ersten Frage des Interviews schon wegschicken.
In dieser Form ist Altmeister Altig kein Gewinn für die ARD.
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An der Redoute hatte Berzin noch über drei Minuten Vorsprung,
doch einige Kilometer hinter ihm spielte sich die Vorentscheidung ab,
als auf dem Anstieg zur Redoute Bartoli antrat und sich eine
Spitzengruppe mit Jalabert, Michael Boogerd, Frank Vandenbroucke,
Laurent Dufaux, Rodolfo Massi und Francesco Casagrande bildete.
Diese Gruppe fuhr auf das restliche Feld einen immer größeren
Vorsprung heraus, während andererseits der Vorsprung des vorne noch
allein fahrenden Berzin dahinschmolz.
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Am Anstieg des Sarte Tilman konterte dann Michele Bartoli eine
kleine Tempoverschärfung von Laurent Jalabert und der Italiener
kam gleich mit einem unwiderstehlichen Antritt einige Sekunden
von der Gruppe weg. Bald schon holte er Evgeny Berzin ein. In der Folge
vergrößerte Bartoli seinen Vorsprung und baute ihn auf
dem schwierigen Profil der letzten Kilometer weiter aus bis auf über eine
Minute.
Auf dem Schlußanstieg in Ans, einem Vorort von Lüttich,
bejubelte dann eine große Kolonie italienischer Tiffosi
den abermaligen Sieg von Michele Bartoli bei dem seit 1890 ausgetragenen
Ardennen-Klassiker. Der Weltcup-Sieger von 1997 übernimmt mit diesem Sieg
auch wieder die Führung in der Weltcup-Wertung. Da führt
Bartoli nach vier von 10 Rennen nun mit insgesamt 156 Punkten vor
Emmanuel Magnien und Franco Ballerini (beide 124 Punkte).
Erik Zabel, der in Lüttich nicht dabei war, liegt auf dem
siebten Rang der Wertung mit 100 Punkten.
Stimmen:
Udo Bölts: "An der Redoute habe ich mich etwas verspekuliert,
ist nicht optimal gelaufen. Die Redoute war wie jedes Jahr vorentscheidend,
da gehts manchmal um wenige Meter. Ich dachte Hamburger und Elli wollten auch
noch vorfahren, da haben mir dann 50 Meter gefehlt." - "Kompliment
aber an meine Mannschaft. Wenn es heute nicht geklappt hat, lag es nur an mir,
ich glaube, ich bin noch nie so gut vom Team unterstützt worden.
Das Team war Klasse, vor allem wie mich Henn und auch Heppner und Baldinger
in die Redoute reingefahren haben."
Rolf Aldag: "War ganz schwer heute. Mal liefs schnell, dann wieder
ganz langsam. Nach Paris-Roubaix kam für mich dieses Rennen
mindestens zwei Wochen zu früh." - "Heute morgen wars brutal kalt am
Start und dann ging es gleich nach dem Start mit den Attacken los.
die kleineren Mannschaften wollen sich natürlich in die Fernsehzeit reinschleichen.
Am Ende war es wie immer ein reines Ausscheidungsfahren." - "Ich bin
schon froh nach meinem Unfall vom Januar überhaupt schon dabei zu sein.
Normalerweise würde ich jetzt erst die Krückem wegschmeißen.
Mein Ziel in der Saison ist nur die Tour de France. Da will ich eine gute Teamarbeit
machen."
Rudy Pevenage, Telekom-Sportdirektor: "Es war heute ein
ganz schweres Rennen. Udo hat gekämpft wie immer, aber er hat es ganz knapp
nicht geschafft. Wenn ein Rennen so am Ende explodiert, dann liegt das
Udo nicht. Besser ist es für ihn, wenn ein Rennen lange schwer ist."
Michele Bartoli, Sieger:
"Ich hatte die ganze Woche Probleme mit dem Atmen. Ich war am Anfang voller
Zweifel, dachte nicht, daß es gut laufen würde. Während des
Rennens war ich dann erleichtert. Ich war sogar stärker als letztes
Jahr. Nach La Redoute habe ich eigentlich geplant, erst am letzten Anstieg
zu attackieren. Aber ich sah, daß Jalabert gefährlich
war und habe dann früher angegriffen. Jalabert war der gefährlichste
Gegner heute."
Laurent Jalabert, Zweiter: "Ich bin nicht enttäuscht, in dieser
Art und Weise Zweiter zu werden. Oben auf La Redoute wollte ich nicht
mitgehen, als Bartoli zum ersten Mal angriff, ich wollte noch abwarten.
Dann, als er am Sart-Tilman antrat, war ich überrascht. Als er
so schnell hundert Meter weg war, war mir schon klar, daß ich
um Platz zwei fuhr. Letztes Jahr war Bartoli der Stärkste, und dieses Jahr
auch wieder. Es ist für mich eine Ehre, den zweiten Platz zu holen,
dies ist ein prestigereiches Rennen. Ich bedaure nichts, aber es ist
wahr, es ist nicht lustig, nur Zweiter zu werden."
Rodolfo Massi (Casino), Dritter: "Bartoli war der Stärkste.
Als er attackierte, haben wuir uns angesehen, und dann war er auch schon
weg. Für mich war es ein guter Tag. Ich habe mich gut vorbereitet
auf das Rennen und habe versucht zu gewinnen. Aber der dritte Platz
ist schon ein großartiges Ergebnis f&uumL,r mich."
Marc Madiot, Sportdirektor von Francaise des Jeux, dem Team von Evgeny Berzin:
"Ohne Bartoli hätte Berzin eine kleine Chance gehabt.
Aber ich bin zufrieden mit dem Rennen und damit, daß unser Team
vier Fahrer unter den ersten Elf hat. Heute kann es für
Berzin der Wendepunkt gewesen sein."