Tausende geben Jimenez letztes Geleit
Abschied von "El Chaba"
EL BARRACO, 08.12.03 (rsn) - Mehrere tausend
Menschen, darunter viele prominente Rennfahrer,
nahmen am Montagnachmittag im kastilischen El Barraco Abschied vom
spanischen Radstar Jose-Maria Jimenez,
der am Samstag in einer psychiatrischen
Klinik in Madrid im Alter von 32 Jahren einem Herzinfarkt
erlegen war.
"Mein Sohn ist gestorben, wie
er gelebt hat: plötzlich und unerwartet",
sagte Antonia Sastre, die Mutter
des Verstorbenen.

Beerdigung am Montag

Jimenez bei seinem letzten großen Auftritt
bei der Vuelta 2001
Fotos: Roth
|
Freunde und Kollegen
des verstorbenen Rennfahrers
trugen den Sarg die 300 Meter von Jimenez'
Elternhaus zur überfüllten Kirche,
wo der Gottesdienst
stattfand. Nach der Messe
wurde der Sarg in einem Leichenwagen
zum Friedhof des kleinen Ortes gebracht.
An der Beisetzung nahmen
Vertreter der Regionalregierung und
zahlreiche bekannte Rennfahrerkollegen Jimenez' teil, darunter sein Schwager Carlos Sastre, Abraham Olano,
Angel Casero, Francisco Mancebo,
Vicente Garcia Acosta,
Roberto Laiseka, Martin Perdiguero, Alvaro Gonzalez de Galdeano, Luis Perez,
Félix Garcia Casas, Mikel Zarrabeitia, Eladio Jimenez, Juan Miguel Mercado,
Pablo Lastras, Juan Carlos Dominguez sowie
viele Profis und Betreuer der Banesto-Mannschaft,
für die Jimenez während seiner gesamten Karriere
gefahren war.
Jimenez, der sich vor zwei Jahren
wegen schwerer Depressionen aus dem Profisport
zurückgezogen hattte, war in der Nacht von Samstag
auf Sonntag in einer psychiatrischen Klinik in Madrid an einem Herzinfarkt gestorben.
Noch am Nachmittag hatte Jimenez
mit seiner Mutter und seiner Ehefrau telefoniert.
"Er hat sich nur über Zahnschmerzen beklagt.
Sein Tod kam für uns völlig überraschend",
sagte Jimenez' Mutter.
Seit drei Wochen war Jimenez
in der Klinik. "Es ging ihm das ganze Jahr über
sehr gut. Doch während der Spanien-Rundfahrt,
die immer sein Lieblingsrennen war, bekam er
wieder Depressionen. Aber
(mit seinem Tod) war überhaupt nicht zu rechnen. Sie haben noch einen kompletten Check gemacht
und die Ergebnisse waren wunderbar,
fast so wie zu seinen Rennfahrerzeiten", sagte Jimenez' Witwe.
Jose-Maria Jimenez hatte seine Profi-Karriere
1993 begonnen. Nachdem er sich anfänglich als
Helfer von Miguel Indurain etablierte,
schlug ab 1997 seine Stunde.
Er galt zeitweise
als legitimer Nachfolger von Indurain,
als Tour de France-Sieger von morgen.
Mit seiner spektakulären Fahrweise
fuhr sich "El Chaba",
der in seiner Karriere neun Etappen der Spanien-Rundfahrt gewann und drei Mal Bergkönig der Vuelta
wurde, in die Herzen der Fans und wurde zum populärsten
Rennfahrer Spaniens.
Mit dem Ruhm jedoch kam der
Bauernsohn aus Kastilien nicht zurecht.
Er führte ein ausschweifendes Leben mit Drogen und
Partys, was sich dann immer wieder auch auf seine Leistungen auswirkte.
Dabei war Jimenez wohl auch auf
der Flucht vor seinen Dämonen. Depressionen
und Selbstmordgedanken durchzogen sein kurzes Leben.
Im Winter vor der Saison 2002 traf sich Jimenez
mit seinen Banesto-Teamkollegen zum ersten Trainingslager
- es sollte sein letztes Mannschaftstreffen
sein. Der Kletterstar, der
nur wenige Monate zuvor eine beeindruckende
Vuelta gefahren war, merkte beim Training
schnell, dass er nicht die Form hatte,
um mit seinen Teamkollegen im Training
mitzuhalten. Jimenez reiste sofort ab
und rief einige Zeit später seinen Mannschaftsleiter Eusebio Unzue an,
er werde bis auf weiteres keine Rennen
mehr bestreiten. Jimenez fiel in
ein großes Loch und begab sich
irgendwann in ärztliche Behandlung.
Zwei Mal versuchte Jimenez
danach noch ein Comeback.
Einmal im Frühjahr 2002, dann noch einmal im Dezember
2002. In diesem Jahr schien Jimenez mit
seinem Rennfahrerleben abgeschlossen zu haben.
Er heiratete im letzten Mai und er war auf dem Weg zurück in ein
normales Leben, wollte mit
seiner Frau eine Familie gründen.
Ein Herzinfarkt fast ohne Vorzeichen beendete
das kurze und tragische Leben des
Jose-Maria Jimenez am vergangenen Samstag.
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