Genau die. Geben Sie uns eine originelle Antwort.
Jalabert: Nein, es geht nicht um eine originelle Antwort. Ich werde sagen,
was ich immer sage. Ich werde weiterhin dieselbe Verantwortung haben wie
bisher. Das ist alles.
Mit anderen Worten: jedes Team der Welt sollte sich glücklich
schätzen, einen wie Sie im Team zu haben, einfach wegen den
Siegen, die sie garantieren.
Jalabert: Ich hoffe (lacht). Nein, aber hier im Team sind sie zufrieden.
Wer wäre das nicht mit der Nummer 1 in der Welt?
Jalabert: Ich weiß nicht und ich will auch gar nicht wissen, ob sie
woanders zufrieden mit mir wären. Ich weiß, daß sie mich
hier wollen, daß ich mich hier wohl fühle und...
Aber es ist das erste Mal in Ihrer Karriere, daß Sie der
einzige Anführer im Team sind.
Jalabert: Ich wiederhole noch einmal: die Verantwortung ist dieselbe
für mich. Hören Sie, ich bin mit Alex gut zurechtgekommen,
aber da sie so oft fragen, muß ich es sagen: es scheint, als ob
Alex alles gewonnen hat letztes Jahr. Ziehen Sie die Vuelta
ab, was hat Zülle dann gewonnen? Pais Vasco,
aber da war ich auch da, wurde Zweiter. Und schauen Sie mal, was ich gewonnen habe.
Alex hat einen anderen Weg, das ist alles. Da ist immer Spannung in jedem Rennen.
Ich kann es nicht locker angehen. Es gibt immer ein nächstes wichtiges
Rennen nach einem Sieg, auch wenn der sehr wichtig war. Und wenn ich mich
gut fühle, muß ich versuchen zu gewinnen. Ich hatte diese
Mentalität schon, als ich noch reiner Sprinter war. Es ist genau das
Gegenteil von der Haltung von Ullrich, zum Beispiel, der nur an die Tour
denkt.
Radsport ist für mich Wettkampf. Wenn es nur darum ginge Rädern
hinterherzufahren und Zeit totzuschlagen, würde ich es nicht so
mögen. Ich mag den Wettkampf und wenn ich gut drauf bin, nutze ich
das aus. Und wenn ich gute Resultate habe, kriege ich die Moral für
das, was kommt.
Wären Sie frustriert, wenn Sie niemals die Tour gewännen?
Jalabert: Nein, überhaupt nicht. Wenn morgen meine Karriere zu Ende
wäre, wäre ich zufrieden. Man sagt, um die Tour zu gewinnen,
muß man alles andere vergessen und den Beispielen von Lemond oder
Induraín, Riis oder Ullrich folgen. Lemond und Induraín haben
damit begonnen und Ullrich macht jetzt dasselbe. Aber es gibt eine Menge
Fahrer, die das gleiche tun und noch nie die Tour gewonnen haben und sie
auch nie gewinnen werden. Ich mag das nicht, die Dinge so zu machen.
Wenn Sie nicht Franzose wären, würden Sie auch so denken?
Jalabert: Die Leute wollen immer mehr. Als ich die
Lombardei-Rundfahrt
gewann, fragten sie, wann ich Lüttich-Bastogne-Lüttich
gewänne oder warum ich nicht dies oder das Rennen gewänne.
Die Weltmeisterschaften oder was auch immer.
L'Equipe schrieb vor kurzem...
Jalabert: Ich lese L'Equipe nicht.
Nun, diese Zeitung empfahl Ihnen, wählerischer zu sein,
bei der Auswahl Ihrer Ziele, damit Sie grandiosere Palmares
aufbauen könnten mit Lüttich, der WM. Und daß Sie die
kleineren spanischen Rundfahrten vergessen sollten.
Jalabert: Ich möchte, daß mir L'Equipe sagt, welche aktiven
Fahrer mehr Rennen gewonnen haben als ich, welcher Franzose mehr gewonnen hat als
ich. Ich weiß, daß ein Rennen in Spanien für die nicht
zählt, aber für mich ist es wichtiger, die
Vuelta a Burgos zu gewinnen als die
Rout du Sud. Aber wenn sie meine
Palmares zeigen, dann zeigen sie die Route du Sud, dieses Scheiß-Rennen.
Nichts von Catalunya,
Vuelta a Burgos oder
Valencia, alles Rennen, die wichtiger sind.
Aber man muß da sein, um das zu wissen. Und da sie das nicht sind,
wissen sie das nicht.
Sie hatten schlechte Phasen, alle aufgrund von Unfällen. Und dann
kamen Sie verändert zurück. Vielleicht sollten sich alle Großen
mal bei einem Sturz die Zähne aushauen, um Ihrem Beispiel zu folgen.
Jalabert: Das gibt Charakter. Man geht nicht gleich unter, wenn man ein Problem
hat. Jedes Mal wenn man eine harte Zeit durchmacht und da wieder raus
kommt, wird man psychologisch stärker. Stärker als jemand,
dem immer alles gut läuft.
Können Sie ein Mann ohne Gefühle werden?
Jalabert: Ich habe Gefühle.
Aber Sie verstecken Sie gern.
Jalabert: Kommt drauf an vor wem und wegen was. Ich verstecke nichts.
Ihr Image ist das eines Champions wie früher, Sie sehen
nicht wie ein "Superman" wie Indurain oder Ullrich aus. Sind Sie noch
aus der Vergangenheit übriggeblieben?
Jalabert: Ja, vielleicht bin ich von früher übrig geblieben.
Aber ich bin so wie ich sein will. Und das versuche ich: so zu sein.
[El Pais]